Osterburg l Rückenwind für seine Entscheidung erfuhr Schulz schon, bevor er sie am Donnerstagabend im Stadtrat verkündete. In Gestalt von Andrea Lux. Die Geschäftsfrau nutzte die Einwohnerfragestunde, um einen ganzen Stapel an Unterschriftenlisten an den Bürgermeister zu übergeben. Osterburger Einzelhändler hatten die Sammlung im Dezember initiiert, nachdem Stimmen für die Einrichtung einer reinen Fußgängerzone laut wurden. Mit ihren Unterschriften stellten sich aber 1983 Einwohner hinter das Ansinnen der Händler, dass die Breite Straße auch zukünftig für Autos befahrbar bleibt. Dies ist mit der Entscheidung des Bürgermeisters, das Verkehrsgeschehen auf der Breiten Straße im Abschnitt zwischen Bismarker Straße und Poststraße so zu belassen, wie es ist, faktisch garantiert.

Es bleibt beim Status Quo, obwohl der Anstoß für die Diskussion direkt aus dem Rathaus kam. Die derzeitige Fahrbahnbreite von 5,50 Meter genüge nicht, um Parkstreifen, fließenden Verkehr und entgegengesetzt fahrende Radler nebeneinander zu ermöglichen, hatte das Ordnungsamt auf die Anfrage eines Stadtrates reagiert. Im Januar bei einem Vor-Ort-Treffen mit der Polizei erfuhr Bürgermeister Nico Schulz aber, dass der Einkaufsbereich in der Breiten Straße weitab davon sei, einen Unfallschwerpunkt darzustellen.

In den zurückliegenden zehn Jahren hätten Polizeibeamte dort nicht einen einzigen Unfall aufgenommen, in dem ein entgegengesetzt zur Einbahnstraßen-Regelung fahrender Radler verwickelt war, so Schulz. Weil zudem das Straßenverkehrsamt des Landkreises keine Notwendigkeit zu einer Veränderung sehe und die rechtlichen Rahmenbedingungen durch eine allgemeine Verwaltungsvorschrift abgedeckt seien, die das Radeln entgegengesetzt zur Einbahnstraße ab einer Fahrbahnbreite von 3,50 Meter erlaube, soll in der Breiten Straße alles beim Alten bleiben.

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Diese Entscheidung des Bürgermeisters wurde vom Gros der Stadträte und vielen anwesenden Einwohnern mit lauten Tischklopfern goutiert. Dagegen sprach sich Burkhard Menk aus Osterburg während der Bürgerfragestunde für ein halbseitiges Parken auf dem Gehweg aus. Er hakte nach, ob die Verwaltung die von ihm bereits vor längerer Zeit angeregte Möglichkeit geprüft habe. Menks Einschätzung, dass nur wenige Bänke und Lampen sowie ein Papierkorb weichen müssten, um das halbseitige Parken möglich zu machen, teilte Nico Schulz nicht. Er gehe von einem erheblichen Aufwand aus, zudem würden Autos bei einem halbseitigen Parken auf dem Bürgersteig fast schon auf dem „Laufband“ des Gehweges stehen, äußerte der Bürgermeister. Menk zeigte sich mit dieser Antwort nicht zufrieden, Schulz sagte ihm am Donnerstagabend aber auch noch eine schriftliche Reaktion aus dem Rathaus zu.