Heimatmuseum bekommt neue Fenster

Bretscher Heimatfreunde warten mit Neustart

Das Heimatmuseum Bretsch wird auch nach der Lockerung der Corona-Regeln erst einmal geschlossen bleiben. Die Vereinsmitglieder haben sich bis Ende des Jahres aber trotzdem noch viel vorgenommen. 2022 sollen die Türen wieder wie gewohnt geöffnet sein.

Von Ralf Franke
Die Knirpse aus der Kita „Räuberberg“ waren die Ersten, die den neuen Landauer im Heimatmuseum Bretsch vergangene Woche nicht nur besichtigen, sondern auf dem   Wagen Platz nehmen durften. Die Hochzeitskutsche seiner Eltern ist eine Schenkung von Bürgermeister Bernd Prange, dessen Oma übrigens Bretscherin war.
Die Knirpse aus der Kita „Räuberberg“ waren die Ersten, die den neuen Landauer im Heimatmuseum Bretsch vergangene Woche nicht nur besichtigen, sondern auf dem Wagen Platz nehmen durften. Die Hochzeitskutsche seiner Eltern ist eine Schenkung von Bürgermeister Bernd Prange, dessen Oma übrigens Bretscherin war. Foto: Ralf Franke

Bretsch - In Pandemie-Zeiten ist es auch um den Heimatverein Bretsch ruhig geworden. Freunde der regionalen Geschichte haben das vor allem zu spüren bekommen, weil das Museum im ehemaligen Bürotrakt des früheren Volkseigenen Gutes neben dem Feuerwehrgerätehaus geschlossen war und für die Öffentlichkeit vorerst auch noch geschlossen bleibt, weil den Mitgliedern um Rosemarie Müller die Corona-Lage einfach noch etwas zu unsicher für regelmäßigen Besucherverkehr ist und in den kommenden Wochen außerdem noch ein paar Sanierungsarbeiten anstehen.

Die ersten Gäste statteten der Sammlung nach dem Lockdown aber in der vergangenen Woche trotzdem einen Besuch ab. Die Knirpse der Kita „Räuberberg“, die dieser Tage 50 Jahre alt wurde, schauten wie schon so oft in der Vergangenheit vorbei, um zu bestaunen, wie die Groß- und Urgroßeltern früher gelebt haben. Die Mädchen und Jungen waren damit auch die Ersten, die das neueste Exponat im Haus nicht nur sehen, sondern hautnah erleben konnten. Hingucker in den 24 gut sortierten Themenräumen, die das Wohnen, Leben und Arbeiten auf der „Altmärkischen Höhe“ von vor etwa 200 Jahren bis in die DDR-Zeiten dokumentieren, ist seit kurzem ein Landauer, den „Höhe“-Bürgermeister Bernd Prange für die Ausstellung gesponsert hat. Es handelt sich um die Hochzeitskutsche seiner Eltern Dorothea und Paul, die damit kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Heiligenfelde zur kirchlichen Trauung fuhren, nachdem der Bräutigam aus der Gefangenschaft heimgekehrt war.

Damals soll die Kutsche aber schon aufgearbeitet worden sein. Die Heimatfreunde schätzen das Alter des Gefährtes deshalb auf deutlich über 100 Jahre. Dass der Landauer wieder in altem Glanz erstrahlt, ist das Werk von Ralf Lippitz, der schon so manchem Gerät oder Möbelstück im Heimatmuseum zur Wiederauferstehung verhalf.

Restaurieren, über Ausstellungsstücke recherchieren oder die Geschichte der Höfe in Bretsch, Dewitz, Drüsedau und Priemern weiter zu dokumentieren, war denn auch die Haupttätigkeit der Heimatfreunde in den vergangenen Wochen und Monaten ohne Publikum, ohne Führungen, ohne Vorträge und natürlich auch ohne den traditionellen Tag der offenen Tür im Mai, der dem Museum immer viele Besucher beschert hat. Daran wird sich auch erst einmal nichts ändern, weil der Verein vor der größten Baumaßnahme der vergangenen Jahre steht. Im Idealfall sollen in diesem Jahr nämlich noch alle Fenster des Gebäudes, die alle aus tiefsten DDR-Zeiten stammen und entsprechend schlecht isolieren oder sogar ganz und gar defekt sind, erneuert werden. Für die Vorderfront steht die Finanzierung mit Hilfe von rund 11 500 Euro an Sponsorengeldern, die über den Windpark Gagel fließen. Für die Rückseite, so Vereinsvorsitzende Rosemarie Müller, hoffe man auf einen positiven Bescheid vom Deutschen Verband Archäologie, der bei der Vergabe von Bundesmitteln an Kultureinrichtungen in Pandemiezeiten hilft. Beim DVA seien 14 000 Euro beantragt. Den 25-prozentigen Eigenanteil für die Investition würde die Kommune übernehmen.

Im neuen Jahr wollen die Heimatfreunde, die im November noch ihre Mitgliederversammlung durchführen wollen, wieder durchstarten. Dann wird es im Mai auch einen Tag der offenen Museumstür geben, der corona-bedingt zweimal ausfallen musste. Außerdem soll die Einrichtung wieder regelmäßig und für angemeldete Gruppen außerhalb der üblichen Zeiten geöffnet sein. Überdies sind neue Themenabende in Arbeit.

In 24 Zimmern ist die umfangreiche Ausstellung des Heimatvereins im Bretscher Museum nach Themen sortiert.
In 24 Zimmern ist die umfangreiche Ausstellung des Heimatvereins im Bretscher Museum nach Themen sortiert.
Foto: Ralf Franke
Vereins-Chefin Rosemarie Müller ist froh, dass die Fenster des Heimatmuseums erneuert werden, und hofft, dass das Geld für alle reicht.
Vereins-Chefin Rosemarie Müller ist froh, dass die Fenster des Heimatmuseums erneuert werden, und hofft, dass das Geld für alle reicht.
Foto: Ralf Franke