Werben l De facto ist Bernd Schulze schon im Dienst. Spätestens seit der Abwahl von Wolfgang Tacke, für die sich der Stadtrat Werben geschlossen aussprach und die die Bürger der Hansestadt mehrheitlich mittrugen, hat der Berger als stellvertretender Bürgermeister täglich mit den Belangen der Kommune zu tun. Bernd Schulze ist amtierender Bürgermeister, ab Sonntag, 11. Februar, ein gewählter. Fragt sich nur noch, zu wieviel Prozent. „Wenn nur 25 Leute kommen, nehm ich die Wahl nicht an“, scherzt Schulze, meint es aber auch ernst. „Ich wünsche mir natürlich einen klaren Wählerauftrag.“ Darf man an dieser Stelle mit Zahlen jonglieren? „50 Prozent wären natürlich super, gerade bei dieser Konstellation, da ich der einzige Bewerber bin.“ Der Sonntag wird‘s entscheiden. Schulze möchte gegen Abend zunächst im Behrendorfer Wahllokal (Dorfgemeinschaftshaus) vorbeischauen, dann im Werbener „Deutschen Haus“ die Auszählung verfolgen, um hiernach zu einem kleinen Empfang in den Ratssaal zu laden.

Dies alles dreieinhalb Jahre, nachdem Bernd Schulze überhaupt kommunalpolitisch in Erscheinung getreten ist, sein Mitwirken im Behrendorfer Gemeinderat kurz nach der Wende einmal ausgenommen. Es war der Kampf um den Erhalt der Werbener Grundschule, der Schulze für die aktuelle Legislaturperiode seinen Hut in den Ring werfen ließ. Und das gleich dreifach: für den Werbener Stadtrat, für den Verbandsgemeinderat Arneburg-Goldbeck und für den Kreistag obendrein. In erstere beiden Gremien wurde Schulze prompt gewählt, letzteres verpasste er knapp.

Die Schule, für deren Erhalt Schulze auch gesondert in einer Planungsgruppe kämpfte, gibt es in Werben nicht mehr. Aber sein Engagement setzt weiterhin an dieser Stelle an. Der gebürtige Berger hat die Belange im Jetzt im Fokus. Das heiße nicht, dass der Erhalt der Werbener Baudenkmäler nicht wichtig wäre, „sondern, dass eine Schieflage entstanden ist“. Wie Schulze betont, seien in den vergangenen 14 Jahren 2,65 Millionen Euro in die Sanierung der Altstadt geflossen – „und das sind nur die Eigenmittel“. Die 80 Prozent Förderung aus dem Topf für Städtebaumittel kommen dazu. Der Denkmalschutz sei wichtig, aber es könne nicht sein, dass parallel dazu der Jugendclub einsturzgefährdet ist oder die Turnhalle noch aussieht, wie vor 40 Jahren. „Aus 20 Euro 100 machen, das ist wunderbar, aber auch gefährlich, die Eigenmittel muss man nämlich erstmal haben“, so Schulze, der auf die städtischen Immoblien verweist, die sich zum Teil in stark sanierungsbedürftigem Zustand befinden. „Wir müssen uns um unser Eigentum kümmern, damit wir solide Mieteinnahmen und damit wieder Eigenmittel haben.“ Denkmalschutz sei für Werben wichtig, müsse aber auch „eine gesunde Grenze“ haben. „Du kannst nicht alle Häuser erhalten, Aufwand und Nutzung müssen in einem Verhältnis stehen“, so Schulze. Es gebe auch kluge Lücken­bebauungen.

Keine Schule mehr, keine Sparkasse, vergleichsweise wenig Kinder in der Kita, ein betagter Hausarzt bislang ohne Nachfolgelösung, schon lange keine Apotheke und nun auch keinen eigenen Pfarrer mehr, zum Glück noch der NP – die Infrastruktur ist eine der größten Herausforderungen der Hansestadt, „der 1000 Leute im Niemandsland mit der Elbe im Rücken“, wie Schulze sich ausdrückt.

Da brauche es auch Hilfe vom Land, ist sich der selbstständige Maurermeister sicher. So nutzte er jüngst bei der Fördermittelübergabe für den Grundschulneubau Goldbeck die Gelegenheit, um mit Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder (CDU) ins Gespräch zu kommen. Auch in dem Punkte, dass der Hansestadt in 2017 zig Tausende Euro an Einnahmen verloren gingen – infolge der Sanierung der L 2. „Und das selbe droht uns für dieses Jahr nochmal“, teilte Schulze dem Besuch aus Magdeburg mit. „Da brauchen wir eine Unterstützung vom Land, sonst fehlt uns am Ende das Geld für die Fährleute und die Fähre macht dicht.“ Ferner habe Schulze kund getan, dass das angekündigte Bundesförderprogramm für die Schulinfrastruktur in finanzschwachen Kommunen zwar schön und gut sei – aber was sei mit den Kommunen, denen die Schule weggebrochen ist? Und noch ein Punkt: Dass Mieteinnahmen, die die Stadt etwa durch die Sanierung der Alten Post generieren könnte, „nur“ wieder in den Sanierungsfonds fließen, binde der Kommune laut Schulze die Hände. So würden die Probleme teils oben ansetzen. Und am Ende fehle an der Basis das Geld für die Pflichtaufgaben.

Minister Schröder habe signalisiert, der Einladung nach Werben zu folgen, so es sein Terminkalender zulässt. Derweil möchte Schulze als selbstständiger Maurermeister versprechen, dass er für seine Stammkunden weiter da ist. Auch wenn er weiß, dass das Bürgermeisteramt alles andere als nebenbei zu erledigen ist.

Nicht zuletzt ist Schulze auch noch mit Haut und Haar Familienmensch, hat mit seiner Frau Birgit zwei Kinder und drei Enkelkinder. Und den Vorsitz über den mitgliederstarken SV Rot-Weiß Werben überdies. „Im Verein bin ich schon seit 1970. Ich kenne in Werben wirklich fast jeden und über meine Arbeit noch fast jedes Haus dazu.“ So Schulze, der große Lust auf das Amt habe: „Ich sehe diesen Werbener Stadtrat positiv. Und wenn was nicht passt, spreche ich klare Worte.“