Werben l Die Bilder sind abgehängt, das Büro ist geräumt, der Schlüssel abgegeben. Im Flur des Werbener Rathauses erinnert noch ein Schild daran, dass Werbens Bürgermeister noch bis vor Kurzem Wolfgang Tacke hieß. Mit dem Beschluss über die Gültigkeit der Abwahl am Dienstag seitens des Werbener Stadtrates ist das Kapitel Tacke abgeschlossen. Wobei, nicht ganz: Denn wie Bernd Schulze als stellvertretender Bürgermeister mitteilte, hatte der Rat im nicht öffentlichen Teil der vorherigen Sitzung beschlossen, als Folge der Auseinandersetzungen mit Tacke ein Disziplinarverfahren gegen selbigen anzuschieben. Ausgang noch offen, aus dem Hauptamt gab es dazu gestern erstmal keine Erläuterungen.

Die Tagesordnung mit dem TOP 6 „Verabschiedung vom ehemaligen Bürgermeister Herrn Tacke“ war laut Schulze bereits gedruckt, als Tacke gegenüber der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck mitteilte, dass er die Entlassungsurkunde zugeschickt bekommen und also nicht noch einmal im Stadtrat auftauchen möchte. „Ich hätte ihm hier alles Gute gewünscht, gute Gesundheit“, kommentierte Schulze. Ratsmitglied Wolfgang Trösken meinte, „dass wir Herrn Tacke dazu aufmuntern sollten, auf andere Art weiterhin zum Wohle von Werben tätig zu werden“.

Noch einmal kam die Unterschriftenliste pro Tacke zur Sprache. „Man kann nicht einfach sagen, man hat eine Unterschriftenliste, und dann kann sie keiner sehen“, äußerte sich Michael Schnelle. Die Liste, zu deren Erstunterzeichnern die früheren Bürgermeister Volkmar Haase und Jochen Hufschmidt gehören, enthält einen Appell an den Stadtrat Werben, wurde aber mit einem Extra-Schreiben an Verbandsgemeindebürgermeister René Schernikau adressiert. Er sollte den Appell an den Rat in der Sitzung vortragen, damit der Stadtrat womöglich vom Beschluss, ein Abwahlverfahren einzuleiten, absieht. Schernikau las den Appell allerdings nicht vor, übergab die Liste nebenbei an Tacke. Dieser durfte sie nicht vortragen, schließlich landete das strittige Papier ungehört bei Tackes Rechtsanwalt in Magdeburg und von dort aus wieder bei Jochen Hufschmidt. Dieser wiederum äußerte, er möchte die Liste nicht herausgeben, weil er befürchtet, dass die Unterzeichner angefeindet werden, wie laut Volksstimmeinformationen beim Verfasser eines Leserbriefes pro Tacke geschehen. Zwar würde auch Ratsmitglied Michael Nix interessieren, wie viel der Unterzeichner überhaupt in Werben wahlberechtigt sind, aber er stellte auch die Frage, welchen Nutzen diese Information jetzt noch habe. „Das bringt uns doch nicht weiter, wir wollen einen Neuanfang, lasst uns eine Schippe Sand draufschmeißen“, so Nix. Ähnlich äußerten sich auch Doreen Behrens und Lutz Homann. Letzterer: „Das ist doch jetzt Geschichte.“

Nicht für Schnelle. Er akzeptiere zwar, dass der Stadtrat die Sache auf sich beruhen lassen möchte, sei aber selbst noch nicht fertig mit der Angelegenheit. In Schernikaus Verhalten in Zusammenhang mit der Liste sehe er nämlich „eine Dienstpflichtsverletzung“. Er werde da nochmal gegen vorgehen, „das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen“. Doreen Behrens warnte in dem Zusammenhang davor, „das Vertrauen zum Verbandsgemeindebürgermeister aufs Spiel zu setzen“. Letzterer werde sicher das Gespräch zu Schnelle suchen, „er liest ja im Protokoll davon“, äußerte schließlich Bernd Schulze.