Neukirchen l Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth ließ das Alphabet entscheiden. Danach hatte am Freitagabend während der Vorstellungsrunde der Bürgermeisterkandidaten im Neukirchener Dorfgemeinschaftshaus nach Willi Hamann  (67) zunächst Karsten Reinhardt (66) und dann Bryan Skalei (28) das Wort. Den meisten der rund 50 erschienenen Bürger brannte aber zunächst wohl vor allem eine Frage unter den Nägeln: Warum gibt der Wendemarker Karsten Reinhardt nach acht Jahren sein Bürgermeisteramt aus gesundheitlichen Gründen ab, um anschließend wieder für selbiges zu kandidieren?

Reinhardt antwortete von sich aus, bekräftigte zunächst, dass es für seine Entscheidung gesundheitliche Gründe gab. „Dass ich aber gleich zurückgetreten bin, war ein Fehler. Ich wusste nicht, dass man auch eine Auszeit nehmen kann, dann hätten wir dieses Spektakel heute hier nicht.“ Der Wendemarker habe viele ärztliche Untersuchungen gehabt, „es geht mir wieder gut“. Wie es durchklang, vermisst Reinhardt das Amt. Wobei er seine Bewerbung erst abgab, nachdem die erste Wahl am 17.  Juni mangels Kandidaten gescheitert war. Reinhardt habe nicht gewollt, dass das ein zweites Mal passiert. Kurzum: „Ich hoffe, dass ich der Gemeinde meine Kraft wieder anbieten darf.“ Dies sagte Reinhardt, nachdem er vor allem seine kommunalpolitischen Erfahrungen auf mehreren Ebenen in den Ring warf und auf Errungenschaften hinwies.

Etwa, dass die Altmärkische Wische in puncto Steuer-Ungerechtigkeit Teil eines Bundesforschungsprojektes ist, dass die Bürgermeister im Land ihre Fahrtkosten nun über die Aufwandsentschädigung hinaus extra erstattet bekommen, dass die Kommune sich erfolgreich gegen die Kommunalaufsicht gewehrt hat. „Wir brauchen einen Haushalt, eine Eröffnungsbilanz, ich möchte gerne die Arbeit fortführen, die ich angefangen habe“, so Reinhardt, der aus Braunschweig stammt und seit 1990, damit „die längste zusammenhängende Zeit meines Lebens“ in der Wische wohnt. Im Podium saß noch ein Kandidat mit Geburtsjahr 1951. Willi Hamann, der kandidiert, da Reinhardt ihn in einem halbstündigen Gespräch dazu ermuntert hatte. „Der Grund sitzt links außen“, deutete Hamann auf Reinhardt, was reihum ein Schmunzeln auslöste. Nun hat der aus Flensburg stammende Seehäuser also reiflich überlegt. Mit dem Ergebnis, dass er sehr gern auf den Bürgermeisterstuhl der Wische möchte.

Hamann, der zunächst viele Jahre die Seehäuser Sparkassen-Filiale leitete und bis zum Renteneintritt 2014 eine Stendaler, habe 50 Jahre ehrenamtliche Arbeit im Lebenslauf. Hier gründete er seinerzeit den Förderverein des Seehäuser Gymnasiums und jenen der Feuerwehr. Auch kommunalpolitisch sei er lange aktiv, aktuell etwa als Bauausschussvorsitzender der Hansestadt Seehausen. Feuerwehr, Brachflächen, Dorfvereine, Jugend, Senioren, nannte Hamann Aspekte, die ihm als Bürgermeister der Gemeinde Wische sehr wichtig wären. Hamanns Leitspruch: „Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg.“

Einheimischer

Mit Bryan Skalei tritt schließlich auch ein Mann an, der in der Kommune aufgewachsen ist – in Neukirchen. Nach dem Scheitern des ersten Wahlgangs habe er ein Pflichtgefühl verspürt, aktiv zu werden. Obwohl der Elektroingenieur in Magdeburg wohnt und in Wolfsburg/Gifhorn arbeitet, also „lange nicht die Freiheitsgrade“ wie seine Mitbewerber habe, wie er gleich einräumte, außerdem auch nicht die kommunalpolitische Erfahrung, dafür aber ein großes Herz für die Wische.

Die Digitalisierung liege Skalei sehr am Herzen, die Vernetzung der Vereine, Maßnahmen gegen Brachflächen. 2015 habe Skalei damit begonnen, das Absolvententreffen des ehemaligen Winckelmann-Gymnasiums aufzubauen, um junge Leute zu vernetzen, die sich mit der Region verbunden fühlen. „Ich bin dabei auf viel positive Resonanz und neue Ideen gestoßen.“ Ratssitzungen in der Woche würde Skalei hinbekommen, Kontakt zum Bürger wohl eher an den Wochenenden. Im Neukirchener Frank Wichmann hatte Skalei einen Fürsprecher. „Leute, lasst die Jugend ran“, sagte er. Es komme eher auf Visionen als auf Verwaltungserfahrung an.

Bilder

So kam es durch Fragen und Bedenken aus dem Publikum noch zu einem kleinen Austausch – etwa bezüglich Reinhardts Nichtkenntnis von der Möglichkeit einer Auszeit, in puncto schlechter Infrastruktur oder dem Wunsch nach Bürgermeistersprechstunden.

Am Sonntag, 12. August, sind 732 berechtigte Bürger der Altmärkischen Wische zur Wahl aufgerufen. Im Falle einer Stichwahl steht bereits der 26. August fest.