Seehausen l 280 Gäste zeigten sich höchst beglückt, Frauentag hin oder her. Auch Männer amüsierten sich am Sonnabend in der Wischelandhalle köstlich.

Nein, nein, wie Frauen funktionieren, das würde sie nicht erklären. Sie hätte ja auch nicht endlos Zeit, aber Themen eines Mädelsabends sollten schon auf den Tisch kommen. Ja, auch Krankheiten. „Wir reden wenigstens drüber, ihr sterbt ja gleich“, sprach sie die wenigen Vertreter des männlichen Geschlechts an und hatte gleich noch eine Anekdote mit dem allseits bekannten Jens Rozynek parat. Hatte sie sich doch zur technischen Probe so vorgestellt: „Mirja Regensburg!“ und „Jens Seehausen!“ zur Antwort bekommen! Der Saal tobte. „Mirja“ sei so ungefähr wie „unsdoch“ half sie dem Publikum bei ihrem Vornamen auf die Sprünge. Apropos Sprünge: Natürlich fanden sich unter den Gästen Mitglieder der sehr aktiven Sportgemeinschaft Seehausen. Gleich vorn saß die Gymnastikgruppe, wie Mirja Regensburg feststellte. Der Tisch daneben löffelte Soljanka und wurde gleich zur Essensgruppe erklärt. „Merkt ihr selber, ne?“

Persönliches Seehausen-Lied

Doch nicht alle plauderten aus, was die Powerfrau wissen wollte. Auf die Frage „Was machen Sie denn beruflich?“ erntete sie schon mal ein „Arbeiten!“ Sofort war die redselige Seehäuserin als Waldorfschülerin und Geheimagentin abgestempelt. Nicht so die Ergotherapeutin Monika, die ihr gegenüber saß. Die sagte die Künstlerin nach ihrem Begrüßungsrundlauf durch die Halle an als „Frau, die keine Therapie braucht“ und hatte bei ihr fortan einen Stein im Brett.

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Japsend wies die ausgebildete Musicalsängerin das angebotene Wasser zurück: „Bist du wahnsinnig? Das hat null Punkte!“ Sie will, dass Sport etwas Besonderes bleibt. Mirja Regensburg steht zu ihrer Muffin-Figur, bietet ihre Rundungen sogar zum Kuss an. „Ich hab‘ selber genuch“, konterte eine Frau aus dem Publikum. Ob die auch Weight Watchers kennt? „Ich hab mir schon jetzt Punkte aus August 2019 geliehen“, gestand die Komö­diantin trocken. Wenn einer sie fragt: „Schwanger?“, sagt sie nur noch: „Hm, ich glaub‘, ich werd‘s Krustenbraten nennen.“

Sie hat überhaupt nur eine Freundin, die mit sich zufrieden ist. Die kifft aber auch die ganze Zeit. Hört auf zu essen, wenn sie satt ist. Und hat Clips für Chipstüten! Wenn beim „Tatort“ die Augen kommen, ist ihre schon alle!

Ein bisschen Lebensgeschichte sollten die Altmärker von ihr auch erfahren. Dass Otto von Bismarck in ihrem Heimatort Hümme in Nordhessen Ehrenbürger war, ließ sie als Anekdote weg. Dafür behauptete sie, aus dem Ort bis 21 nicht herausgekommen zu sein, weil er im Gegensatz zu Seehausen keinen Bahnhof gehabt hätte. Stimmt aber nicht. Erst 2012 wurde das unter Denkmalschutz gestellte Fachwerkprunkstück zum Mehrgenerationenhaus. Viel wichtiger ist, dass man ihr noch heute ihre Musicalausbildung anmerkt und die zwölf Jahre Berufserfahrung mit „My Fair Lady“ und „Cabaret“ dazu. Mit der Melodie aus „Tanz der Vampire“ gab sie in Seehausen ihren Einstand, mit dem dramatischen, wohl russischen Lied „Orangen meiner Heimat“, goldenem Glitzer-Oberteil und Monika als Windmaschine bewies die Sängerin, dass sie locker beim Eurovision Song Contest mithalten könnte.

Als Sahnehaube dichtete Mirja Regensburg aus den ihr zugerufenen Stichwörtern Hochzeitssuppe, Bahnhof, „tolle Weiber“ und „pack‘ einen sauberen Schlüpper ein!“ noch ihr persönliches Seehausen-Lied. Eins steht fest: Wäre die heutige Wahl-Kölnerin einzig und allein beim Musical geblieben, wäre das für die Comedian-Welt ein herber Verlust. Für die aus der Sendung „Genial daneben“ bekannte Komikerin gilt eben: „Daneben - nie! Genial - ja!“