Seehausen l Seit vielen Jahren versorgen die Tafelgärten, die unter der Regie der Umwelt- und Landschaftssanierung Altmark GmbH Beetzendorf in Krüden und Seehausen mit sogenannten Ein-Euro-Jobbern bewirtschaftet werden, ab dem Frühsommer Bedürftige der Verbandsgemeinde, aber auch Kindereinrichtungen, die das wollen, mit Obst und Gemüse. Einst direkt an und von den Gärten aus, dann in der DRK-Begegnungsstätte Seehausen und seit 2018 in einer kleinen, inzwischen aufgehübschten Garage der Hansestadt neben der Petrikirche.

Derzeit steht hinter der Aktion jedoch ein großes Fragezeichen. Das liegt weniger an der anhaltenden Trockenheit, sondern daran, dass die Leute für die Bewirtschaftung der ehemaligen Brachschollen momentan nicht zur Verfügung stehen. Das Jobcenter hat die Arbeitskräfte, die so ihre Sozialhilfe in 20 Wochenstunden aufstocken können, wegen der Corona-Pandemie mit der Einführung der Kontaktbeschränkungen im März abgezogen.

Ausgerechnet jetzt, wo der Grundstein für die Ernte gelegt werden müsste, hadert Hans-Joachim Hildebrandt mit der Situation. Der Aland-Bürgermeister aus Krüden hat das Gartenprojekt seinerzeit federführend mit aus der Taufe gehoben und ist bei der Betreuung der Arbeiten und der Leute immer noch aktiv.

Dabei war das neue Tafelgartenjahr gar nicht schlecht angelaufen. Das Jobcenter hatte zwei Leute für Krüden, drei für die Gärten am Grashöfer Weg in Nachbarschaft der „Sachsenfalle“ und sechs für die Gartenanlage Am Ess direkt in der Hansestadt genehmigt. Einiges an frühem Gemüse ist auf den frisch gedüngten Schollen schon ausgesät beziehungsweise gepflanzt worden. Vieles müsste allerdings noch folgen. Außerdem fehlt vor der ersten Ernte jede Hand für die Pflege der Bestände.

Außenstehenden ist das Prozedere schwer zu vermitteln, weil andere bezuschusste Maßnahmen wie zum Beispiel Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) offenbar nicht betroffen sind. Unverständlich scheint die Vorsichtsmaßnahme auch zu sein, weil die Abstandsregeln in den Kleingartenparzellen ohne weiteres einzuhalten wären, ist Hildebrandt überzeugt.

Der Leiterin des Osterburger Jobcenters, Claudia Kieckhäfer, sind da indes die Hände gebunden. Mit dem Abzug der Leute folge man einer zentralen Weisung in Pandemie-Zeiten, weil es sich um sogenannte entbehrliche Tätigkeiten handle. Allerdings wartet sie auch täglich auf eine Nachricht, dass die Ein-Euro-Jobber wieder in den Gärten loslegen dürfen. Zumal es ja auch in anderen Bereichen erste Lockerungen bei den Kontaktauflagen gibt. Seit Montag sogar beim Einzelhandel (wir berichteten).

Den Vergleich mit anderen Maßnahmen kann sie nicht unwidersprochen stehen lassen, weil die Voraussetzungen meist nicht zu vergleichen sind. So seien beispielsweise bei den Bufdis die Maßnahmeträger (Kommunen, Vereine oder dergleichen) die zuständigen Arbeitgeber, die öffentliche Hand zahle „lediglich“ einen Zuschuss.

Hans-Joachim Hildebrandt hofft bis zu einer Lockerung bei den Zuverdienern in den Gärten irgendwie über die Runden zu kommen. Unterstützung kommt dabei von einigen Maßnahmeteilnehmern. Vier (je zwei in Krüden und in Seehausen) würden derzeit auch ohne Zuverdienst weitermachen, weil sie die Tafelgärten auf halber Strecke nicht unbestellt sehen oder verkrauten lassen wollen.