Verein aufgelöst

Corona-Pandemie gibt Landsenioren Osterburg den Rest

Von Karina Hoppe

Osterburg

„Wir sterben aus“, sagt Hans-Joachim Kricheldorf. So einfach sei das im Grunde. Der Büttnershofer, der den Landsenioren des Altkreises Osterburg 13 Jahre lang vorstand, hätte sich aber gewünscht, dass der Verein die 25?Jahre voll kriegt. Nun sind es 23 geworden, die zehn Jahre vor Kricheldorf hatte Hans-Henning Horzetzky den Vorsitz inne. „Wir hatten in der ganzen Zeit nur zwei Vorsitzende.“

Vieles blieb gleich all die Jahre. Auch dass der Verein, der jährlich zehn Veranstaltungen beziehungsweise Kurzreisen organisierte, niemals großartig Werbung für diese machen musste. „Das lief alles über Mundpropaganda und die Berichte über unsere Fahrten in der Presse.“

Doch die Menschen aus der Landwirtschaft, die sich 1997 zusammengetan hatten, um den Nach-Wende-Wandel in der Landwirtschaft in ihrer Freizeit zu begleiten, sind älter geworden, teils verstorben. Unter den zuletzt 132 Mitgliedern waren vielleicht noch 30 frühere Landwirte, schätzt Kricheldorf. Der Verein sei immer offen gewesen, nahm immer gerne auch Menschen anderer Berufe, „Menschen vom Lande“ bei sich auf, aber die Tendenz war doch klar: Es wird weniger!

Letzte Reise zum Harzer Brocken

Die Corona-Pandemie war dann so etwas wie der Todesstoß. Die Busse, die ohnehin nicht mehr recht voll wurden, blieben zunächst ganz leer. Fahrten mussten qua Verordnung abgesagt werden. Als die Senioren wieder fahren durften, trauten sich viele wohl nicht. Stichwort Risikogruppe. „Im August sind wir aber mit nur 32 Leuten in die Lüneburger Heide und haben uns mit dem Kremser durch das Landschaftsschutzgebiet fahren lassen. Der Mann war sowas von froh, wir waren der erste Bus seit Corona.“

Die traditionelle Harzreise im Oktober 2020 war die letzte Reise der Osterburger Landsenioren, „bei miesestem Wetter, ich war sechsmal auf dem Brocken, so ein Wetter hatte ich nie“, sagt Kricheldorf. Es passte zum Thema. Zumindest dem Vorstand war schon klar, dass es die wohl letzte Reise war. Da auch die Jahresversammlung im November coronabedingt nicht stattfinden konnte, gab es eine Abstimmung per Post. Fünf Enthaltungen, fünf Nein-Stimmen, der große Rest Ja-Stimmen – trotz vielem bekundeten großen Bedauern.

Man könnte kleinere Busse buchen, „aber die sind pro Platz aber wesentlich teurer“, sagt Kricheldorf. Den Busfahrer müsse man ja trotzdem bezahlen. Davon ab werden die Macher aus der ersten Reihe eben auch nicht jünger. Und es sei einiges zu organisieren bei zehn Veranstaltungen pro Jahr. Wenn Kricheldorf allein an die Fachtagungen in der Mensa der LLG Iden denkt – gute Redner müssen erstmal organisiert werden, sich dann hier wohl fühlen. „Wir hatten immer so zwischen 120 und 170 Gäste, 50 davon aus unseren Reihen.“

Restliches Geld der Landsenioren geht an Hospiz Stendal

Die Prignitzer Landsenioren gesellten sich gerne dazu, „wir hatten einen guten Austausch“. Die letzte Fachtagung im Februar 2020 drehte sich um die Frage, wie gut oder schlecht unsere Lebensmittel heute sind. Zu Gast war unter anderem ein Referent vom Bundesinstitut für Risikobewertung.

Sobald es die Corona-Lage zulässt, wollen die Ex-Landsenioren ihre Jahresversammlung nachholen. Für einen Rückblick, gebührenden Abschied, auch vom Gasthof Schulze in Groß Garz, wo der Verein seine Treffen traditionell abhielt. Für Volksstimme suchte Kricheldorf vorab schon beeindruckende Zahlen heraus: In 23 Jahren organisierte der Verein 233 Veranstaltungen, an denen insgesamt 17?272 Personen teilnahmen. Vom Kartoffelzüchter bis zum Wasserbüffel-Züchter besuchten die Landsenioren landwirtschaftliche Betriebe jedweder Couleur. Immer gepaart auch mit Kultur und Kulinarischem. Kricheldorf selbst schaue besonders gerne auf die Besuche der Stutenparaden in Ganschow bei Güstrow zurück und sagt im Übrigen: „So wie die Landwirtschaft heute funktioniert, wird’s nie wieder Landsenioren geben. Die paar Hanseln können keinen Verein gründen.“

Rund 350 Euro blieben nach Kassensturz in der Vereinskasse, sie gingen als Spende an das Hospiz Stendal. Die Landsenioren sind bereits amtlich abgemeldet. Kricheldorf hat aus drei Ordnern bereits einen gemacht. Und das fühle sich auch gut an.