Eichenspinner Hilferuf aus Pollitz

Seehausen ist alleine nicht in der Lage, dem Eichenprozessionsspinner Paroli zu bieten. Das Feld wird ihm aber nicht kampflos überlassen.

Von Ralf Franke 28.06.2016, 10:05

Pollitz l Der Eichenprozessionsspinner hat weite Teile der Verbandsgemeinde Seehausen sozusagen in Sippenhaft genommen. Die Gemeinde Aland gehört neben dem Zehrental und zunehmend der Altmärkischen Höhe zu den am heftigsten betroffenen Gebieten.

Deshalb versuchten Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth und Aland-Bürgermeister Hans-Joachim Hildebrandt gestern dem neuen CDU-Landtagsabgeordneten Chris Schulenburg die dramatische Situation mit dem Forstschädling am Beispiel Pollitz im wahrsten und im übertragenen Sinn des Wortes näher zu bringen und ihn für Unterstützung auf landes-, vielleicht sogar bundespolitischer Schiene zu sensibilisieren. Was angesichts der kahlgefressenen Bäume und der Berichte über das Allergiepotenzial bei vielen Anliegern und Durchreisenden gelungen sein sollte. Obwohl Schulenburg das Thema auch nicht unbekannt ist. In seinem Heimatkreis auf der anderen Seite der Elbe treibt das Insekt auch sein Unwesen.

Hildebrandt machte geltend, dass sich die Region von der Politik im Kampf gegen das Insekt stiefmütterlich behandelt fühlt und dass der aufstrebende Tourismus mit Naturliebhabern im Fokus nachhaltig Schaden zu nehmen droht. Ein Rad- oder Wasserwanderer, der einmal mit den Brennhaaren der Raupe Bekanntschaft gemacht hat, komme nicht wieder in die Region.

Kloth hat schon beobachtet, dass die ersten Privatleute ihre Eichen fällen. Aber in einer Gegend, die überdurchschnittlich mit dem urdeutschen Baum gesegnet ist, dürfe das keine Lösung sein. Der Verbandsgemeindebürgermeister rechnete vor, dass die Seehäuser Kommunen seit 2010 an die 200 000 Euro für die Prozessionsspinnerbekämpung zu Land und aus der Luft ausgegeben haben. Und das, ohne einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen, weil es keine gemeinsame Strategie für Private und die öffentliche Hand auf Landes- oder Bundesebene gebe. Weshalb die Gemeinden das Spritzen von Bäumen bis auf öffentliche Brennpunkte zurückgefahren hätten.

Die Forschung, die der Bund derzeitig initiiere, fange sozusagen beim Urschleim an, kritisierte er zum Beispiel mit Blick auf ein angestrebtes Verfahren zum Nachweis der Brennhaare. Wer sich davon überzeugen will, wie die Haare auf der Haut wirken, müsse nur im Frühjahr oder Sommer die betroffenen Gebiete besuchen.

Die hiesigen Kindertagesstätten hätten ihre Waldaktivitäten jedenfalls nahezu aufgegeben. Nicht nur wegen des Eichenprozessionsspinners, sondern auch wegen des Wolfes. Es müsse endlich klar sein, dass auch der Mensch Natur ist, so Rüdiger Kloth.

Wie groß die betroffenen Gebiete inzwischen sind und wie wenig Wirkung das einzig zugelassene und über die Jahre immer mehr verdünnte biologische Mittel nur noch zeigt, ist derzeit nicht nur am Aland mit einem geschulten Blick übers Land zu sehen, bevor der nächste Austrieb kommt, für den übrigens immer weniger Eichen im Laufe der Jahre noch die Kraft aufbringen.

Chris Schulenburg will seine Position und Kontakte nutzen, um den Betroffenen zu helfen, gestand aber auch ein, dass Verwaltung, Parlamente und dessen Fachgremien für eine Entscheidung genug Zeit und Fakten brauchen.

Seine Unterstützung findet auch Kloths und Hildebrandts Initiative, der grünen Ministerin für Landwirtschaft und Umwelt, Claudia Dalbert, bei der Altmärkischen Tier- und Gewerbeschau in Krumke ein entsprechendes Schreiben zu übergeben. Und Schulenburg weckte leise Hoffung auf ein Mittel, das in Sachsen-Anhalt ab 2017 zugelassen werden soll und in Brandenburg gute Wirkung erzielt habe. Aber auch da gilt, dass jeder nicht behandelte Baum Grundstein für ein Erstarken der Population ist.