Seehausen l Vor rund vier Wochen fiel auch in der Verbandsgemeinde Seehausen der Startschuss für das jährliche Sprühen gegen den Eichenprozessionsspinner aus der Luft und vom Boden aus. Nachdem die Raupenplage im vergangenen Jahr begünstigt durch die Trockenheit besonders schlimm ausfiel und in der verzweifelten Selbstanzeige wegen Körperverletzung im Amt von Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth gipfelte, leistete das Land Soforthilfe und stellte für 2019 zusätzlich zwei Millionen Euro in den Haushalt zur Bekämpfung des Schädlings ein (wir berichteten). Auch deshalb stehen die Verantwortlichen in diesen Tagen unter besonderer Anspannung.

Nach anfänglicher Euphorie über den Erfolg der diesjährigen Bekämpfungsaktion macht sich bei Kloth mittlerweile wieder Ernüchterung breit. Abgesehen davon, dass die Landesstraßenbaubehörde zum Beispiel an den besonders betroffenen Abschnitten der L 2 in Richtung Niedersachsen die befallenen Eichen offenbar wieder nicht behandelt hat, flattern im Seehäuser Rathaus täglich neue Meldungen ein, wo das Spritzmittel nicht die gewünschte Wirkung erzielt hat, sich die Raupen mit ihren gefährlichen Brennhaaren zum Teil ungebremst durch das Laub der Eichen fressen und die Bürger um Hilfe bitten.

Biozid nicht wirksam genug

Ein Muster lässt sich noch nicht erkennen. Aber der Verbandsgemeindebürgermeister geht davon aus, dass das Biozid, das ohnehin nur mit 70-prozentiger Wirkung angegeben wird, auch die nicht erreicht. Wobei er durchaus anerkennt, dass die Landesregierung mehr Geld für den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner in die Hand nimmt und die Gefährdung der Menschen annerkennt, weshalb inzwischen das Gesundheitsministerium die Federführung vom Umwelt- und Landwirtschaftsressort übernommen hat.

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Abgesehen von den Flächen, die per Hubschrauber bekämpft wurden, ließ die Verbandsgemeinde vom Boden aus noch einmal rund 2100 Bäume spritzen. Das sind immerhin etwa 400 mehr als ursprünglich vorgesehen.

150 000 Euro hat die Verbandsgemeinde beim Land für die 2019er Bekämpfungsaktion beantragt und mit 25 000 Euro Eigenanteil den Betrag in den Haushalt eingestellt, der in anderen Jahren auch aufgebracht wurde.

Von der Summe stehe laut Bürgermeister noch knapp die Hälfte zur Verfügung. Das Geld soll für das Absaugen Verwendet werden – so wie es im vergangenen Jahr zum ersten Mal im großen Stil an Elbe und Aland über die Bühne ging.

Was ist mit der Forschung?

Doch während man sich 2019 wegen des späten Zeitpunkts mit dem Absaugen der Gespinste sozusagen auf die Bekämpfung der Symptome beschränken musste, weil die geschlüpften Falter meist schon das Weite gesucht hatten und „nur“ noch die Rückstände mit ihrem allergenen Po­tenzial beseitigt werden konnten, setzt der Bürgermeister dieses Mal auch auf Prophylaxe. Heißt, dass mit einem frühen Absaugen so viele Raupen und Puppen beseitigt werden, dass es spürbare Auswirkungen auf die nächste Population hat.

Bis dahin hofft nicht nur Rüdiger Kloth, dass die Forschung Fortschritte zum Eindämmen der Landplage macht.