Büttnershof/Arneburg l Am Dienstag um 8.30 Uhr fiel Hagel vom Hindenburger Himmel. Baerbel Malinke hätte sagen können, „Jungs wir verschieben auf morgen“. Aber das sei keine gute Botschaft für ihre Kinder. „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unangemessene Kleidung“, wiederholte sie am Fähranleger Sandauerholz ein Lebensmotto der Familie. Da war es 9 Uhr, knackig frisch, aber die Sonne schien. „Die freut sich, weil wir fleißig sind“, sagte Mama Malinke. Aber da waren ihre drei Jungs schon mit den Eimern unterwegs. „Guck mal, Mama, wieder eine Flasche.“ Guck mal hier, guck mal da. Nur wenige Meter vom Fähranleger entfernt zogen Juan-Pierre alias Pepe (8), Jean-Pascal (11) und Jan-Phillip mehrere Kuchenbackformen, eine gläserne Kaffeekanne, Becher, Zigarettenschachteln und kurze Zeit später einen ganzen Teppich aus dem Gras. Gleich neben der Fährstraße. Die Jungs schüttelten die Köpfe. „Nicht zu nah ans Wasser, schön hier bleiben, Handschuhe anziehen.“ Mama Malinke hatte ihr Tun, ihre Jungs zu bremsen.

Es war der Junior, Pepe, der die Sammlungen 2018 initiiert hatte. Malinkes sammelten in Osterburg und Arneburg. Und wiederholen das Ganze in diesem Jahr wieder. Weil Pepe gefragt hat und seine großen Brüder mitmachen wollten. Was hatte der Mittlere am Montag gesagt, da sie zwischen Arneburg und Dalchau unterwegs waren? „Man fühlt sich so gut hinterher.“ Jan-Phillip hätte gestern gut noch länger schlafen können, aber er will auch dabei sein. Wenn er sich auch manchmal frage, was es denn bringt, „sie schmeißen ja wieder Müll hin“. Wer sind „sie“ eigentlich? Gute Frage. Auf jeden Fall „Dreckschweine“, sagt Pepe. In Osterburg hat sogar jemand seinen Müll während der Müll-Sammelaktion auf die Wiese geworfen. „Das war unglaublich“, sagt Mama Malinke. Aber sie weiß auch von guten Erfahrungen zu berichten. Am Dienstag etwa von der schönen Begegebenheit, dass ein älteres Ehepaar aus Arneburg sich extra auf die Suche nach den Sammlern machte, um sich mit einer Suppe und Tee für die Aktion zu bedanken. Oder der Besuch von Verbandsgemeindebürgermeister René Schernikau, der den Jungs sagte, wie sehr er ihren Einsatz schätzt. „Pepe war sooo stolz“, sagt seine Mama. Schernikau möchte die Idee des Müllsammelns nun mit in seinen Wohnort Möllendorf nehmen. „Am Radweg Richtung Walsleben liegt auch sehr viel rum.“

Auf ihre Schreiben an die Stadt Arneburg mit der Bitte um Unterstützung hätten Malinkes keine Reaktion erhalten. Bürgermeister Lothar Riedinger zeigte sich darüber am Dienstag irritiert. „Bei mir kam nichts an.“ Riedinger habe die Familie jetzt gesehen, als er seine „Runde drehte“ und sich gewundert, dass sie da allein zu Gange war. „Zum Aussteigen hatte ich in dem Moment keine Zeit, aber natürlich freuen wir uns, wenn sich Bürger so engagieren.“ Pepe, der Riedinger sah, war traurig, dass dieser nicht anhielt. Riedinger möchte sich nun mit der Familie in Verbindung setzen.

Bilder

Malinkes entsorgen den Müll auf ihre eigenen Kosten in der Stendaler Deponie. Nach dem Mittag ist jeweils Schluss mit der Sammelei. „Die Jungs sollen ja auch Ferien haben.“ Pepe schlief gestern schon auf dem Nachhauseweg ein.