Falkenberg l Was natürliche Ressourcen betrifft gehört Deutschland zu den unbedeutenden Ländern dieser Erde. Dass die Exporte trotzdem brummen, ist vor allem dem Ingenieur­wesen zu verdanken. Deshalb ist auch der Falkenberger Betriebsteil des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung international aufgestellt.

Eigentlich ist der frühere Leiter des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Falkenberg, Dr. Ralph Meißner, inzwischen im Ruhestand. Aber nur als Leiter der Einrichtung. Nicht als Professor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, nicht als Doktor-Vater und auch noch nicht als Projektleiter, wenn es um Lysimeter geht.

Know-how aus Falkenberg

Und so empfing der Seehäuser erst in der vergangenen Woche wieder Gäste aus Kasachstan, die sich für die in Falkenberg weiterentwickelten Anlagen interessieren, die Analyseverfahren zum Wasserhaushalt und Stofftransport in landwirtschaftlich interessanten Böden in praktischen Verhältnissen, aber trotzdem unter Laborbedingungen möglich machen. Dass das UFZ in Asien als einer von vielen Partnern im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes „Innovationen für nachhaltige landwirtschaftliche Ressourcennutzung und Klimaanpassung in Trockensteppen Kasachstans und Südwestsibiriens“ (ReKKS) längst einen Fuß in der Tür hat (wir berichteten), war für den neuen Kontakt nützlich.

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Letzteren half Dr. Frank Eulenstein vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) Müncheberg zu knüpfen, der auch die Delegation leitete, die mit Dr. Saparov Abdulla, dem Leiter des Institutes für Bodenfruchtbarkeit in Almaty, den führenden Agrarexperten Kasachstans mit exzellenten Kontakten zum Staatspräsident Nasarbajew in ihrer Mitte hatte.

Gegengewicht zu China

Falkenberg war indes nur eine Station der kasachischen Gäste in Deutschland, die natürlich auch einen Abstecher zur Grünen Woche unternahmen. Falkenberg steht mit seinen Lysimeter-Stationen zur Langzeitbeobachtung derzeit an der Spitze von drei Projektvorschlägen, die der Landwirtschaft in Steppenregionen Kasachstans helfen können und die der Bund unterstützt, um das Terrain entlang der alten Seidenstraße nicht ganz den Chinesen zu überlassen. Neben dem Know-how aus der Wische sind das noch Verfahren zur satellitengestützten Messung von Vegetationszuwächsen vorrangig bei der Weidenutzung und der Einsatz von Mykorrhizapilzen, die in Sym­biose mit Kulturpflanzen deren Wasserversorgung verbessern helfen sollen.

Die Erfassung von Bodendaten über die Lysimeter-Stationen steht ganz besonders dafür, um Strategien für eine wasserschonende Ackernutzung in Trockengebieten zu entwickeln und die Erträge zu steigern. Wobei durch die langen Winter noch dazu kommt, dass die Vegetationsperioden kurz sind und im so wichtigen Getreideanbau nur Sommersorten in Betracht kommen, die in Deutschland eher eine untergeordnete Rolle spielen. Trotzdem, betont Dr. Eulenstein, habe Kasachstan auch landwirtschaftlich ein besonderes Entwicklungspotenzial mit seinen Schwarzerdeböden, denen nur etwas Wasser fehlt. Weil dort nur die Hälfte des in Deutschland üblichen Niederschlags fällt, liegen die Erträge mit 10 bis 20 Dezitonnen je Hektar auch nur bei einem Bruchteil. Trotzdem schafft es das neuntgrößte Land der Erde, seine rund 19 Millionen Einwohner selbst zu versorgen und noch Getreide zu exportieren. Die Fläche macht das möglich. Und über die Fläche würden sich auch vergleichsweise geringe Ertragszuwächse summieren. Das Positive an den Beziehungen zu Kasachstan ist zudem, dass Deutschland einen guten Ruf genießt, was dem geschichtlich bedingt hohen Anteil Deutschstämmiger in der Bevölkerung zu verdanken ist.

Was der Besuch der Kasachen am Ende für das UFZ wert ist, wird allerdings erst die Zukunft zeigen.