Osterburg l Warum aktuell während der Corona-Krise vor allem die sogenannten system­relevanten Berufe besonders gefeiert werden, kann der Biesestädter Sebastian Wagner nicht verstehen. Seit 2015 sitzt der gelernte Tischler auf dem „Bock“ und beliefert mit seinem Fiat Transporter deutschlandweit und in angrenzende EU-Länder verschiedene Depots, sowie namhafte Flughäfen mit wertvoller Luftfracht. Dabei sitzt der Fernfahrer täglich mehrere Stunden hinter dem Steuer und spult die Woche unzählige Kilometer ab.

„Ich mache nichts anderes als vor Corona. Diese Hysterie ist mir suspekt. Ob Bäcker, Ele­ktriker, Pflegeberufe und so weiter, jeder leistet doch seinen Beitrag, um alles am Laufen zu halten. Diese Aufmerksamkeit hätte ich mir für viele Berufsstände schon vor der Pandemie gewünscht.“ Doch wo es in den Supermarktregalen zu Engpässen bei Toilettenpapier, Nudeln oder anderen beliebten Hamsterkaufartikeln kommt, sind die „Versorger der Nation“ momentan gefragter denn je. Und das obwohl der Berufsstand des LKW-Chauffeurs alles andere als einen guten Ruf hat. Teils schlechte Bezahlung, Termindruck, diverse gesundheitliche Belastungen, Parkplatznot entlang der Autobahnen, aber allen voran auch mangelnde Anerkennung sind nur einige genannte Faktoren, die viele Jobsuchende abschrecken. Von der alten Trucker-Romantik ist dabei heutzutage sowieso kaum noch etwas übrig geblieben. Zudem ist Nachwuchs für dieses Berufsfeld so gut wie nicht in Sicht. Bis zum Jahr 2022 wird unter anderem aus diesen Gründen vorraussichtlich eine Lücke von 150 000 fehlenden Berufskraftfahrern entstehen. In vielerlei Hinsicht sei daher ein Umdenken und dringender Handlungsbedarf gefordert, um das angeschlagene Image des Truckers aufzupolieren und wieder junge Leute für den Platz hinter dem LKW-Steuer zu begeistern, was allerdings noch ein sehr weiter Weg sein dürfte. Um Versorgungsengpässe zu verhindern, ist aufgrund der momentanen Situation sogar befristet das Sonntagsfahrverbot aufgehoben worden. Eine Anordnung, die bei den Fernfahrern ebenfalls auf wenig Gegenliebe stößt. „Das einzig Gute, was ich Corona berufsbedingt abgewinnen kann, sind derzeit freie Straßen und kaum Staus.“

Dem kann Dirk Handel nur zustimmen. Der Osterburger sitzt seit dem Jahr 2005 im Lastwagen und ist seit 2008 im Fernverkehr unterwegs. „Ich fahre Stückgut für ein Hannoveraner Fuhrunternehmen im Auftrag einer großen Hildesheimer Spedition. Die Verkehrslage habe sich definitiv verbessert und man bekommt momentan auch leichter einen Parkplatz.“

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Dirk Handel ist europaweit unterwegs und bei vielen seiner Kunden herrscht Maskenpflicht und auch Fieber wird gemessen. „Bei der Anmeldung darf man sowieso nur einzeln eintreten und bei vielen Firmen herrscht Toilettenverbot. Da werden für die Fahrer dann draußen auf dem Gelände separat Dixie-Klo´s aufgestellt. Nichts für mich, ich halte dann vorher schon an einer Tankstelle an.“ Vom alten „Helden der Landstraße“-Image merkt auch Sebastian Wagner an der Rampe absolut nichts. „Es wird einem immer wieder gezeigt, dass man als Fahrer der Letzte ist.“ In Sachen Corona-Kontrollen an den Flughafendepots verwundert den 36-Jährigen allerdings vielerorts der leichtfertige Umgang mit dem Virus: „Die Mitarbeiter tragen lediglich Handschuhe, halten ein bisschen Abstand, aber ansonsten gibt es absolut keine Einschränkungen.“

Angesichts der momentanen Corona-Pandemie sind beide Fernfahrer dennoch froh, ihren Job im Gegensatz zu anderen Berufsfeldern noch in vollem Umfang ausüben zu dürfen.