Osterburg l „Das war ein besonderer Moment“, beschreibt Gordon Sethge, „diese 15 Minuten in der Stille in der Osternacht“, als er die Osterkerze entzündete. Einige Gemeindeglieder fragten vorher: „Können wir dazukommen?“ Gordon Sethge schlug ihnen Ostersonntag vor und las die Fürbitten allein. Wie zuvor. Bettina Huesmann und Tochter Helene von der katholischen Kirche hatten am Palmsonntag bunte Sträuße vor den Altar in St. Nicolai gelegt.

Theodor Handtke mit Papa Michael und Bruder Frederik entzündeten am Ostermorgen in St. Nicolai zuerst ihre Kerzen. Mama Silke war entschuldigt. Am Karfreitag hatte sie ihren jüngsten Sohn Albert zur Welt gebracht. Mit leuchtenden Augen berichtete die junge Familie dem Pfarrer. Anja Harwart freute sich mit und griff nach den Kerzen - nicht für sich. Die Osterburgerin arbeitet in der häuslichen Krankenpflege für das Deutsche Rote Kreuz und erzählte: „Seit dem Besuchsverbot bin ich für viele die einzige Bezugsperson. Ich mache das wirklich gern und bringe auch ihre Gebetsanliegen hierher.“

Inzwischen ertönten vom Turm der Wassermühle Oster­choräle. Strahlende Gesichter an der Seehäuser Straße. Der Buschfunk hatte funktioniert. Erst einen Tag zuvor, am Sonnabendnachmittag, konnte Kantor Friedemann Lessing mit seinem Sohn Jakob aufatmen. Als feststand, dass der Turm von St. Nicolai wegen Baufälligkeit nicht betreten werden durfte, suchte der Kantor Alternativen. Ostern ohne Osterchoräle kam für ihn gar nicht in Frage. „Wir haben ja in Osterburg noch mehr Türme“, so Lessing. Der der katholischen Kirche kam aus Platzgründen aber nicht in Frage.

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Auf dem Rückweg vom Auftritt vor dem Osterburger Altenpflegeheim fragte der Kantor die Besitzer der Osterburger Wassermühle. Familie Anglmayer war sofort einverstanden und schlug sogar vor, das christlich-musikalische Spiel zur Weihnachtszeit fortzusetzen. „Das ist eine feine Sache, so Ostern einzuläuten“, lobte Werner Bertleff. Um ihn herum standen, pandemie-bedingt mit Abstand, begeisterte Osterburger. Andere lachten aus den Häusern und lauschten den vier Osterchorälen, allen voran „Christ ist erstanden“. „Das war eine schöne Aktion. Normalerweise darf aber niemand auf den Turm“, bemerkte Lessing, um Missverständnissen vorzubeugen. Trompete und Posaune, mehr hatten nicht Platz. „Das war so toll“, freute sich auch Marie Katharina (9). Schon ihre Mutter Doreen Weingart besuchte die Christenlehre in Osterburg und denkt gern an die Zeit mit Pfarrerin Claudia Kuhn zurück. Jetzt malte ihre Tochter im Auftrag von Gemeinde­pädagogin Karin Diebel einen Regenbogen, wie auch zahlreiche Grundschulkinder - als Zeichen für Hoffnung auf ein Ende der Corona-Krise und zeigte mit ihrer Schwester Amilia die bunten Bögen. „Beim Osterspaziergang kann man sie in der ganzen Stadt sehen und zählen“, bemerkte Doreen Weingart fröhlich.