Osterburg l 84 Einsätze finden sich in der 2020er Statistik der Osterburger Feuerwehr. „Das sind vier Alarmierungen weniger als im Vorjahr“, fasst Stadtwehrleiter Sven Engel zusammen. Noch deutlicher fällt der Abstand zu 2018 und 2017 aus. Vor allem aufgrund einer Vielzahl an Bränden (49) waren Osterburger Einsatzkräfte im Jahr 2018 bei gleich 99 Ernstfällen gefordert, im Sturm- und Unwetterjahr 2017 rückten die Einsatzkräfte sogar 139-mal aus. Im Vergleich dazu musste die Wehr im zurückliegenden Kalenderjahr 2020 mit 84 Alarmierungen spürbar weniger eingreifen, „trotzdem liegen wir mit dieser Zahl immer noch über dem seit der Wende verzeichneten Schnitt von 71 Einsätzen“, ordnet der Stadtwehrleiter ein.

Millionenschaden in Krevese

Wie Engel resümierte, wurden die Osterburger Feuerwehrleute 2020 zu 27 Bränden, 36 technischen Hilfeleistungen und 21 sonstigen Einsätzen gerufen. Unter den Feuern ragt ein Großbrand heraus, der am 10. Juli eine Maschinenhalle der Agrargenossenschaft Krevese/Drüsedau in Schutt und Asche legte. Das durch einen technischen Defekt entstandene Feuer habe unter anderem vier in der Halle stehende Traktoren zerstört und für einen Millionenschaden gesorgt, blickte Engel zurück.

Abseits dieser Tragödie hatte die Wehr zwei Mittelbrände und 17 Kleinfeuer zu löschen. Und siebenmal lösten Brandmelder einen Alarm aus, der sich beim Eintreffen der Wehr an den vermeintlichen Unglücksorten zum Glück nicht bestätigte. Derartige Alarme, die unter anderem durch Staub oder auch schon mal Insekten ausgelöst wurden, ist die Wehr seit Jahren gewohnt. Dank Erneuerungsarbeiten an Brandmeldern sei die Zahl derartiger Alarmierungen aber rückläufig, resümierte Engel. Zu den technischen Hilfeleistungen des zurückliegenden Jahres zählten zwei Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen, die von Osterburger Feuerwehrleuten aus ihren Fahrzeugen befreit werden mussten. Oder das Öffnen von Wohnungstüren sowie das Beseitigen umgestürzter Bäume. Unter den 21 sogenannten sonstigen Einsätzen seien dagegen Brandwachen, Tragehilfen oder auch die Absicherung von Veranstaltungen oder Umzügen vermerkt, sagte der Stadtwehrleiter.

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Ausbildungen auf Sparflamme

Weil die Corona-Pandemie spätestens seit März 2020 das öffentliche Leben weitgehend ausbremste, habe der eigene Dienst- und Ausbildungsbetrieb im vergangenen Jahr auf Sparflamme geköchelt. Etablierte Veranstaltungen wie der Tag der offenen Tür oder auf Ebene der Einheitsgemeinde die Stadtmeisterschaft der Feuerwehr seien ebenso ausgefallen wie viele reguläre Ausbildungsangebote, erzählte Engel. Auch derzeit sei der Betrieb im Gerätehaus nach Abstimmung mit dem Osterburger Rathaus eingeschränkt, seien die sonst wöchentlichen Dienstabende gestrichen. „Und so fahren wir auf Sicht auch erst mal weiter“, kündigte er an.

Lediglich die Feuerwehr-Führungskräfte aus der Stadt sowie der Einheitsgemeinde würden sich demnächst zu einer Beratung treffen, „weil wir die Alarm- und Ausrückeordnung überarbeiten und optimieren müssen“, begründete der Stadtwehrleiter. Eine weitere Aufgabe, die Engel für dieses Jahr sieht, stelle die Aktualisierung der 2016 vom Stadtrat beschlossenen Feuerwehr-Risikoanalyse dar. Diese Risikoanalyse zeigt auf, wie der regionale Brandschutz strukturiert und gesichert werden kann. Zudem geben die Unterlagen einen Überblick über den Ist-Zustand der Wehren sowie der Einheitsgemeinde (von den Einwohnerzahlen bis zur Infrastruktur), der jetzt auf den neuen Stand gebracht werden soll.

Neuer Tanker im Fuhrpark

Nachdem die Osterburger Wehr im vergangenen Jahr einen Mannschaftstransportwagen in Besitz nahm, könnte sich im vierten Quartal 2021 ein neuer Tanker in den Fuhrpark einreihen. Dabei handelt es sich um ein Tanklöschfahrzeug für die Vegetationsbrandbekämpfung. Das Land übernimmt 87,5 Prozent der Anschaffungskosten, die sich auf insgesamt rund 300 000 Euro belaufen. Dafür soll das Fahrzeug auch primär für überörtliche Einsätze zur Verfügung stehen. Noch etwas fernere Zukunftsmusik ist ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) 20, das ebenfalls vom Land gefördert wird und 2022 im Gerätehaus stehen soll. „Mit der Vorbereitung auf diese Investition wird aber schon in diesem Jahr begonnen“, sagte der Stadtwehrleiter.

Zahl der Aktiven leicht rückgängig

Beim Blick auf die Personalsituation in der Wehr mahnte Engel Bemühungen um weitere Mitglieder an und sieht dabei auch die Einheitsgemeinde in der Pflicht. Aktuell verfügt die Wehr neben zwölf Mitgliedern in der Alters- und Ehrenabteilung über 51 aktive Brandbekämpfer. Das seien fünf Frauen und Männer weniger als Anfang 2020, der Rückgang sei Austritten und Wegzügen geschuldet, begründete Engel.

Obgleich in den zurückliegenden Monaten niemand aus der Jugendwehr in den aktiven Dienst übernommen werden konnte, sieht der Stadtwehrleiter die Nachwuchsabteilungen gut aufgestellt. Die Jugendwehr habe sich um ein Mitglied verstärkt und zähle jetzt 25 Jugendliche. Und in der Kinderabteilung, den „Löschzwergen“, mischen ebenfalls 25 Mädchen und Jungen mit.

Neue Brandschutzerzieherin?

Engel bedauerte in diesem Zusammenhang, dass mit dem Mitte 2020 vollzogenen Weggang der bis dahin als Brandschutzerzieherin in der Einheitsgemeinde tätigen Lena Bornowski zum Landkreis eine wichtige Säule der Nachwuchswerbung und -arbeit weggebrochen sei. Ob die Kommune wie angekündigt eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Lena Bornowski findet, sei bisher noch nicht abzusehen.

Gleiches dürfte Stand heute für den „Tag der offenen Tür“ gelten, mit dem die Osterburger seit Jahren Mädchen und Jungen aus den verschiedensten Kindereinrichtungen und Schulen der Einheitsgemeinde in ihren Bann ziehen. Die Veranstaltung sei natürlich abhängig davon, wie sich die Corona-Pandemie entwickle. „Aber wir wollen schon versuchen, den ,Tag der offenen Tür‘ im Mai und wieder in Verbindung mit dem Stadt- und Spargelfest zu veranstalten“, sagte Engel.

Die Feuerwehr-Stadtmeisterschaft würde in diesem Jahr in Polkau ausgetragen und im Mai oder Juni über die Bühne gehen, aber auch dieser Höhepunkt müsse aus heutiger Sicht noch mit einem Fragezeichen versehen werden, stellte der Wehrleiter klar. Größere Planungssicherheit haben die Brandbekämpfer bei einem Ereignis, das sich für 2022 abzeichnet, aber in diesem Jahr bereits erster Vorarbeiten bedarf. „2022 wird unsere Wehr 125 Jahre alt. Klar, dass wir dieses Jubiläum ordentlich begehen wollen“, kündigte der Stadtwehrleiter an.