Osterburg l Wo in kritischen Zeiten die Frauen und Männer der Wehren sonst sprichwörtlich zusammenrücken, ist wegen der Corona-Pandemie gerade das Gegenteil geboten. Abseits von Ernstfällen gehen die Osterburger Brandbekämpfer untereinander auf Distanz. Das unterstreicht das Maßnahmepaket, das die Feuerwehren der Einheitsgemeinde geschmiedet haben. „Weil wir unbedingt die Einsatzbereitschaft aufrechterhalten wollen“, begründet Sven Engel die komplette Einstellung des gewohnten Dienstbetriebes. Mehr noch: Alles, was abseits ernster Alarmierungen mit der Feuerwehr zu tun hat, ist gestrichen. „Das betrifft sämtliche Osterfeuer in der Einheitsgemeinde, die von Kameraden veranstaltet oder abgesichert worden wären. Unser sonst üblicher ,Tag der offenen Tür‘ am Osterburger Gerätehaus hat sich für dieses Jahr erledigt. Und auch die Feuerwehr-Stadtmeisterschaft und eben alle anderen Veranstaltungen, die in Verbindung mit uns stehen, werden ausfallen“, spricht der Stadtwehrleiter Klartext.

Gleiches gelte selbstverständlich für die Nachwuchsabteilungen, die sich bis auf weiteres nicht mehr treffen, von den eigentlich für sie und von ihnen geplanten Veranstaltungen ganz zu schweigen. Selbst die Feuerwehrstützpunkte seien jetzt faktisch tabu, „der Zutritt muss außerhalb der Einsätze auf ein absolutes Minimum begrenzt werden“, sagt Engel. Ebenso sei der Umgang mit Gerätschaften der Feuerwehren zu reduzieren, „weil diese dann unbedingt desinfiziert werden müssen“.

Schutzanzüge stehen zur Verfügung

Faktisch alles werde in diesen Tagen der Bewahrung der Einsatzbereitschaft untergeordnet. Wie wichtig die „verordnete“ Distanz zwischen den Brandbekämpfern deshalb ist, zeigte auch eine Meldung vom Wochenende aus der Hauptstadt, nach der eine Feuerwehrwache in Berlin-Marzahn aufgrund mehrerer bestätigter Corona-Fälle geschlossen werden musste. Eine derartige Zuspitzung soll in Osterburg unbedingt vermieden werden. Zumal weitere Aufgaben zum „üblichen“ Einsatzgeschehen hinzukommen könnten. Zum Beispiel, wenn im Landkreis Stendal ähnlich wie in der Stadt Halle/Saale oder im gesamten Bundesland Bayern der Katastrophenfall ausgerufen würde. So verfügt die Osterburger Wehr über einen sogenannten Abc-Erkunder, der, unter anderem aufgrund seines an Bord befindlichen Probenahmesets, auch bei Bio-Lagen zum Einsatz gelangen könnte. Vorhandene Schutzanzüge, auf die die Wehr zurückgreifen kann und die ihre Träger laut Stadtwehrleiter auch vor dem Virus schützen sollten, würden Feuerwehr-Einsatzkräfte zudem befähigen, im Notfall Türöffnungen zu Wohnungen von möglichen Corona-Infizierten vornehmen zu können.

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Dafür sei die Wehr gerüstet. Sven Engel wies in diesem Zusammenhang aber auch darauf hin, dass bestimmtes Material wie leichte Schutzanzüge oder Mundschutz mit Filtern nur einmalig verwendet werden könnte. Dort sei absehbar, „dass wir weiteres Material benötigen, auch wenn wir über ein gewisses Grundkontingent verfügen“, machte der Stadtwehrleiter deutlich.

Mit Blick auf den Schutz der Kameraden warnte Engel davor, sich bei der Reinigung auf die in den Gerätehäusern vorhandenen Desinfektionsspender zu verlassen. „Viele Desinfektionsmittel sind für diese Virusart nicht geeignet. Deshalb lege ich allen das gründliche und richtige Waschen der Hände mit Seife ans Herz“, sagte er. In einem Osterburger Fahrzeug sei aber ein geeigneter Desinfektionsspender angebracht worden, „um auch während eines Einsatzes das Desinfizieren der Hände gewährleisten zu können.

Enger Austausch mit der Stadt

Die Feuerwehrleute der Einheitsgemeinde gehen untereinander auf Distanz, allein stehen sie deshalb aber nicht. „Wir stehen über die Gemeindegrenzen hinweg mit allen Nachbarn im engen Kontakt“, stellte der Stadtwehrleiter klar. Auch zu Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) und dem Rathaus fühlt er sich sehr gut verdrahtet. Sven Engel ist neben Schulz, den städtischen Amtsleitern sowie Bibliotheks- chefin Anette Bütow festes Mitglied im sogenannten Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Einheitsgemeinde, der vor grob einer Woche seine Arbeit aufnahm und seitdem schon mehrfach beraten hat. „Die Abstimmung ist eng und intensiv“, schätzte der Osterburger Stadtwehrleiter abschließend ein.