Seehausen l Kurz nach Amtsantritt im Frühjahr nahm der Seehäuser Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth „seinen“ Platz in der Leader-Aktionsgruppe „Mittlere Altmark“ ein. In der vergangenen Woche stand mit dem Beschluss der Prioritätenlisten für 2017 ein erster wichtiger Termin im Kalender. Sicher könnte immer alles besser sein, aber so unzufrieden ist Kloth nicht, der mit dem Leader-Prozedere schon als „einfacher“ Kommunalpolitiker vertraut war. Auch wenn längst nicht alles bezuschusst werden kann, sei die Verbandsgemeinde mit deutlich mehr Projekten als in anderen Jahren in den vorderen Teilen der Bewertungstabellen vertreten.

Das könnte eventuell nachträglich von Vorteil sein, wenn die Listen fortgeschrieben werden sollten. Und nicht zu vergessen: Bekanntlich müssen die anderen jetzt auch erst einmal ihre Hausaufgaben machen. Nämlich detaillierte, sowie genehmigungsfähige Projekte bis zum 1. März 2017 einreichen und für den entsprechenden Eigenanteil sorgen, der bei ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums ) mindestens bei 20 Prozent liegt.

In der ELER-Liste hat das Vielbaumer Unternehmen Elements mit Platz zwei von 54 die besten Aussichten, um für gut 47 000 Euro einen „Seminar-Ort Naturerlebnishof“ aufzubauen. Für das gemeinsame Vorhaben von Osterburg und Seehausen, den Wassertourismus an Biese und Aland mit Einstiegsstellen sowie Querungshilfen zu stärken (geschätzte Kosten rund 40 000 Euro), wird es auf Platz 20 sehr eng. Wiederum: Wenn ein großer Konkurrent aussteigt, können vielleicht sogar zwei oder drei kleinere Nachrücken, argumentiert Kloth.

Vorerst noch aussichtslos scheinen die Projekte zur Sanierung der Heimatstube Krüden (12 200 Euro), für einen barrierefreien Zugang an der Stadtinformation Seehausen (21 000 Euro) und die Sanierung der Sporthalle Geestgottberg (30 000 Euro) auf den Rängen 24, 25 und 26 zu sein.

Unter den Abgeschlagenen ist auch die Aufwertung der Spielplätze auf der Altmärkischen Höhe, die Instandsetzung der Seehäuser Stadtmauer in Höhe der Fabrikstraße und die Sanierung des Dorfplatzes in Beuster. Letzteres ist besonders bitter, weil für das auf Kosten von knapp 150 000 Euro geschätzten Projektes die Eigenmittel zweckgebunden zur Verfügung stehen und die Anwohner sogar schon in die Gestaltungspläne um die Alte Schmiede einbezogen wurden.

Auf der wesentlich kürzeren und mit weniger Mitteln ausgestatteten EFRE-Liste (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) schneiden die Seehäuser im Verhältnis zu ELER besser ab. Wenn der Förderverein der Nikolaus-Kirche Beuster seine Sache richtig anfasst, könnten im kommenden Jahr die Seitenschiffe der romanischen Basilika saniert werden. Geschätzte Kosten für den Zweitplatzierten inklusive des zehn-prozentigen Eigenanteils: 81 500 Euro. Auch dem barrierefreien Zugang für die Seehäuser Salzkirche auf Rang drei dürfte fast nichts mehr im Wege stehen. Die behindertengerechte Aufwertung der Kulturstätte soll etwa 10 000 Euro kosten. Das Projekt zum Erhalt und zur Aufwertung des Grenzturms Bömenzien für rund 12 000 Euro auf Rang sieben ist ebenso wie die das Vorhaben zur Altar- und Deckensanierung der Lorenzkirche Rathsleben dagegen schon ein Wackelkandidat.

Dass die Türmerwohnung in der Seehäuser Petrikirche vorerst aus dem Rennen ist, ist auch ein Beleg dafür, wie eng es bei der Punktebewertung der Projekte zugeht und ein Lehrstück, was bei gleichen Bewertungen am Ende den entscheidenden Ausschlag gibt.

Weil die Kirchenförderer vom Aland den 20-prozentigen Eigenanteil für die normale Leader-Förderung derzeit nicht stemmen können und ihren Platz auf der Prioritätenliste der Stadt auf eigenen Wunsch räumten, versuchte die Verbandsgemeinde das Vorhaben bei EFRE als historisch besonders wertvoll in der 90-prozentigen Förderung unterzubekommen (wir berichteten). Das ist in der Kürze der Zeit auch gelungen. Nur teilt sich die Türmerwohnung einen Platz punktgleich mit zwei anderen Vorhaben. Bei Gleichstand, so wollen es die Regeln, bekommen Initiativen von Privatpersonen sowie eingetragenen Vereinen den Vorrang vor Kommunen. Auf der EFRE-Liste ist jedoch die Verbandsgemeinde Antragsteller. Was letztlich erneut ein Beleg dafür ist, wie Lehrgeld bezahlt wird, weil Förderrichtlinien nicht so leicht zu durchschauen sind.