Werben l Der erste Tag war sehr gut. Bis an Himmelfahrt Regen und Hagelkörner aus den Wolken fielen, aber selbst da war die Bude voll, das Bistro des Werbener Freibads ein guter Unterschlupf. Ein freundlicher zumal, denn Brunhilde Stahl hat investiert. In Tapete, helle Farben, helle Möbel und Kleinigkeiten. Den Freibadgästen am Tag der Saisoneröffnung fiel das auf. Besonders aber hat sich die 70-Jährige über die Kinder gefreut, wenn sie so etwas sagten wie: „Schön, dass du wieder da bist, Bruni.“

Seit 2004 schmiss „Bruni“ mit ihrem Mann Peter Stahl das Bistro im Freibad. Nachdem dieser im vergangenen September verstorben war, stand ihr Leben naturgemäß Kopf. Was die kleine Freibad-Gastronomie betrifft, habe die gebürtige Werbenerin „erstmal gar nichts“ gedacht, dann überlegt, aufzuhören. Mit der Jahreswende aber gingen die Gedanken anders. Brunhilde Stahl entschied sich, ihr Haus wieder öfter zu verlassen, nach vorn zu schauen. Sie schrieb die Pacht auf ihren Namen um und bekam Lust, den Gastro-Raum zu verändern. „Meine Familie hat mir sehr geholfen.“ Allen voran Tochter Simone Kornheim und Enkel René Wolff, die sich auch im Improvisieren übten. Aus Paletten des Obsthofes Peters machten sie Sitzbänke, dunkle Möbel bekamen ein helles Gewand an. Eine größere Fritteuse und einen neuen Geschirrspüler schaffte sie sich bereits zur vergangenen Saison an. „Das ist ein ganz anderes Arbeiten jetzt.“

Brunhilde Stahl bewirtet die Werbener seit 1974. Damals hatte sie das Freibad-Bistro schonmal eine Saison unter ihren Fittichen, bis sich 1975 die Chance ergab, gemeinsam mit ihrem Mann das „Deutsche Haus“ zu übernehmen. „Dort waren wir bis 1990, dann hatten wir zehn Jahre den Ratskeller.“ Nun ist das kleine Freibad-Bistro nach ihrem Geschmack, „ich mag Kinder, Betrunkene brauche ich nicht mehr“.

Dass „Bruni“ im Freibad weitermacht, freut nicht zuletzt Schwimmmeister Klaus Gehrke über alle Maßen. „Sie ist hier unsere gute Seele.“ Wenn jemand einen Blumenstrauß verdient habe, dann „Bruni“.

Und diese weiß genau, worauf die Schwimmgäste Appettit haben. „Currywurst und Pommes sind der Renner.“ Aber an besonderen Tagen lässt sich „Bruni“ auch nicht lumpen. So drehte an Himmelfahrt draußen eine Pute auf dem Spieß über dem Feuer. Der Andrang war groß, „es gingen zwei Fässer Bier weg“.

Brunhilde Stahl, der von Familie wie Freunden unter die Arme gegriffen wird, denkt nun von heute auf morgen, „alles weitere bringt ja sowieso nichts“. Wenn es einen Wunsch gibt, dann ist es zuallererst Gesundheit. „Und ein schöner Currywurstschneider, das wäre mein Traum.“