Seehausen l Vereinfacht gesagt gibt es drei Sorten Naturliebhaber. Die, die es ins Freie zieht, damit sie Flora und Fauna genießen können, die, die ihre Abfälle auf Kosten der Allgemeinheit entsorgen und die, die Mutter Natur für einen Selbstbedienungsladen halten.

Erstere sind zum Glück noch immer in der Mehrzahl, aber die Konkurrenz wird stärker. Und immer dreister, wie Christian Schwander auch in diesem Frühjahr wieder einmal bei seinen Touren durch Seehausen feststellen muss. Blumendiebe bringen den Gärtner in diesen Tagen auf die sprichwörtliche Palme. Und die Täter schlagen längst nicht mehr an abgelegenen Stellen oder zu nachtschlafender Stunde zu.

Sein Unmut scheint in zweifacher Hinsicht berechtigt. Zum einen ist Schwander schon von Haus aus Blumenfreund. Zum anderen gehört er zu einem festen Kern Ehrenamtlicher, die auf Seehäuser Grünflächen seit einigen Jahren im Herbst Blumenzwiebeln in die Erde bringen, damit die Stadt wieder ein Stück bunter wird. Dass viele Einwohner die Aktionen unterstützten, beweist die große Resonanz auf die jüngste Spendensammlung, um frische Blumenzwiebeln (vor allem Osterglocken und Krokusse) anzuschaffen. Auch die Kommune hat sich auf die gärtnerische Verstärkung im Ehrenamt eingestellt und richtet sich mit dem ersten Grasschnitt nach den Frühblühern.

Bilder

Blumenklau traurigerweise beliebt

Blumenklau gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Nicht nur auf den Wiesen, die Schwander und seine Helfer mit Blumenzwiebeln impfen, sondern auch auf den Gräbern des städtischen Friedhofes oder in den Blumenkübeln der Kommune. Aber irgendwann reißt auch der stärkste Geduldsfaden. So wie bei Christian Schwander, dem Hinweise, die zum Ermitteln der Täter inzwischen 50  Euro aus der Privatkasse wert sind. Tipps nimmt übrigens die gleichnamige Gärtnerei an der Lindenstraße entgegen.

Möglicherweise ist es sogar nur eine Täterin. Denn in den vergangenen Tagen wurde immer wieder eine Frau beobachtet, die sich mit Blumen versorgte. Zuletzt an der Schönberger Straße, wo die Osterglocken Am Ess anfangen zu blühen, nachdem die Krokusse an anderen Stellen die besten Tage schon hinter sich haben. Besonders frevelhaft findet der Gärtner, dass nicht nur die Blütenstengel, sondern auch das Laub abgeschnitten werden, womit die Zwiebel nicht mehr in der Lage ist, Kraft für das nächste Frühjahr zu tanken.

50 Euro „Kopfgeld“ versprechen zwar keine Reichtümer, aber umgerechnet in Blumen, die in Gärtnereien, Supermärkten oder Tankstellen für kleines Geld zu haben sind, ist das eine ganze Menge. Schwander geht es auch nicht unbedingt darum, Täter vorzuführen. Vielleicht sorgt sein Aufbäumen ja schon für Abschreckung.