Standortfrage klären

Funkmast – jetzt sind die Bretscher gefragt

In oder an vielen Orten gehören Mobilfunksender zum normalen Erscheinungsbild. Vielen Bretschern wäre der am Sportplatz geplante 52-Meter-Mast aber offenbar doch etwas zu ortsbildprägend. Sie fordern einen alternativen Standort.

Von Ralf Franke 23.07.2021, 14:28
Kritische Bretscher würden den geplanten Funkmast lieber aus der Nachbarschaft des Sportplatzes im Osten des Dorfes  (vorne links)  in den Norden des Ortes  in Richtung Priemern zur alten Bullenaufzuchtanlage aus DDR-Zeiten versetzen. Jetzt ist erst einmal ein Vor-Ort-Termin mit den Einwohnern geplant.
Kritische Bretscher würden den geplanten Funkmast lieber aus der Nachbarschaft des Sportplatzes im Osten des Dorfes (vorne links) in den Norden des Ortes in Richtung Priemern zur alten Bullenaufzuchtanlage aus DDR-Zeiten versetzen. Jetzt ist erst einmal ein Vor-Ort-Termin mit den Einwohnern geplant. Foto: Ralf Franke

Bretsch - Wenn neue Sendemasten dabei helfen, den Mobilfunkempfang zu verbessern, regt sich meist wenig Protest in der Umgebung. In Bretsch ist das etwas anders. In dem Dorf der Gemeinde „Altmärkischen Höhe“ initiierten Antje Hartwig und Silvia Priegnitz erfolgreich eine Unterschriftensammlung, um den Bau eines Funkmastes neben dem Sportplatz am östlichen Ende des Dorfes zu verhindern.

Gut 120 Unterschriften

Gut 120 Einwohner unterzeichneten das Papier, kurz nachdem die Pläne in der vorletzten Gemeinderatssitzung von Bürgermeister Bernd Prange erläutert worden waren. Wobei sich die Kritiker nicht an der mobilfunktechnischen Erschließung des Ortes und der Region störten, sondern nur am derzeitig geplanten Standort des Senders, betonen auch Lothar Lemme sowie Rosemarie und Joachim Müller im Gespräch mit der Volksstimme.

Unter anderem ist ihnen der Standort für den Mast, der 52 Meter hoch werden soll, zu dicht an der Wohnbebauung. Und auch zu dicht am Freizeitgelände, auf dem die Kinder nach dem Corona-Lockdown wieder mehr Fußball spielen, auf dem sich die Gymnastik-Frauen treffen, auf dem extra ein Strom- und Wasseranschluss für Feste geschaffen wurde und wo künftig auch die Traditionsfeuer etwas kleiner über die Bühne gehen sollen, nachdem die alten Fläche nicht mehr zur Verfügung gestanden hatte. Außerdem monieren sie, dass an der gut gepflegten Gänseweide, mitten im Landschaftsschutzgebiet auf einer ökologisch wertvollen Fläche Bäume gefällt werden müssten, um dann ein Betonfundament zu gießen.

Alternativen sind möglich

Alternativen, da sind sich die Wortführer einig, gebe es durchaus. Im besten Fall sogar Flächen, die ohnehin schon versiegelt wären. Unter anderem bringen sie die ehemalige Bullenaufzuchtanlage nördlich von Bretsch ins Spiel.

Das Areal liege weiter von der Wohnbebauung entfernt als der Sportplatz und sei sowohl verkehrs- als auch stromtechnisch erschlossen. Außerdem wäre der Standort viel dichter am Platz der ersten Wahl, den die Bundesnetzagentur neben dem Gerätehaus der örtlichen Feuerwehr auf ihren Internetseiten ausweist und wo der örtliche Heimatverein eine Streuobstwiese angelegt hat. Dass der Gemeinde bei einem Standort auf kommunalem Land zusätzliche Einnahmen winken, ist für die Kritiker kein Argument. Geld sei für den Verlust an Lebensqualität keine Alternative, machen sie deutlich.

Die Unterschriftensammlung zeigte bekanntlich Wirkung. In der jüngsten Ratssitzung wurde die Standortentscheidung von der Tagesordnung genommen und ein Vor-Ort-Termin anberaumt, an dem der Standortplaner des Investors Vor- und Nachteile des Platzes erläutern sowie Fragen und Einwände der Einwohner beantworten soll.

Treffen am Sportplatz

Die Veranstaltung findet demnach am kommenden Dienstag, 27. Juli, auf dem Sportplatz statt. Los geht es laut Einladung um 19 Uhr.

Rosemarie Müller und ihre Mitstreiter hoffen, dass es die 120 Kritiker nicht nur bei ihrer Unterschrift belassen, sondern auch bei der Versammlung Flagge zeigen. Dass nach der Veranstaltung, wie in der Postwurfsendung angekündigt, eine „demokratische Abstimmung über den Standort“ erfolgt, halten sie angesichts der Unterschriften für überflüssig und auch sonst aus doppelter Sicht für grenzwertig.

Denn kommunalrechtlich gesehen könne in dem Fall nur der Gemeinderat per Beschluss eine Entscheidung fällen. Außerdem ist ein ähnliches Prozedere schon einmal bei der geplanten Sanierung der Dorfstraße Dewitz gründlich in die sprichwörtliche Hose gegangen. Da meinte es der Bürgermeister 2017 besonders gut und ließ die Einwohner sogar an der Wahlurne über die drei möglichen Ausbauvarianten abstimmen.

Ganz demokratisch?

Nur der mehrheitliche Teil des Gemeinderates hielt sich nicht wie von Bernd Prange im Vorfeld angemahnt an das Votum der Dewitzer. Das Land als Straßenbaulastträger nutzte das Wirrwarr, um den Neubau abzublasen, das durch Schwertransporte geschädigte Pflaster nur punktuell zu glätten und das holprige Fahren damit eher zu verschlimmbessern.