Willkommen im „Mermer“

Gartenglück in der Pandemie: Grundschüler aus Seehausen richten sich eigene Scholle her

Vom Grundschüler zum Gärtner: Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 das Leben lahm gelegt hatte, entdeckten die Seehäuser Freunde Johann Mersiowski und Tim Zimmermann eine zugewachsene alte Scholle für sich. Zwei Jungs, ein Wort, sie packten an – und gehen nun gemeinsam in ihre zweite Gartensaison.

Von Karina Hoppe
Johann Mersiowski (l.) und Tim Zimmermann haben sich nahe des Schillerhains Seehausen einen Garten urbar gemacht.
Johann Mersiowski (l.) und Tim Zimmermann haben sich nahe des Schillerhains Seehausen einen Garten urbar gemacht. Foto: Karina Hoppe

Seehausen - Tim meint, es hat am 15. April 2020 angefangen. „Ich habe mal zurückgerechnet, das müsste stimmen“, sagt der Zehnjährige. Irgendwie geschah es damals, dass Tim auch gemeinsam mit seinem Schulfreund Johann (10) auf das freie wilde Grundstück neben seinem Elternhaus aufmerksam wurde. Es gehört auch Tims Eltern, aber hinter die Brombeerbüsche hatte er noch nicht geschaut. „Wir haben uns richtig einen Weg freigeschnitten“, erinnert sich Johann stolz. Und spätestens, als sie die kleine alte Holzlaube entdeckten, war es wohl um die Jungs geschehen. Sogar ein Spaten und eine Kartoffelharke standen noch darin, einen kleinen Brunnenschacht fanden die Schüler obendrein. Welch’ Zauber, zumal in Zeiten des Lockdowns!

Was es mit „Mermer“ auf sich hat

Da sich Tim schon immer fürs Gärtnern interessiert und Johann es von zu Hause ebenso gut kennt, stand der Beschluss schnell fest: Die beiden wollten den Garten wieder urbar machen. Gerade am Anfang halfen Eltern und Großeltern, wenn es mal zu schwer wurde, richtig Erde bewegt werden musste. „Aber der Antrieb kam von den Jungs“, sagt Tims Mama Doreen Zimmermann. Die Grundschüler legten Beete und Wege an, spannten Bänder für die Erbsen, pflanzten einen Apfelbaum der Sorte Goldparmäne, Himbeer- und Johannisbeersträucher. Dazu kamen Erdbeeren, Zwiebeln, Salat, Kartoffeln, Tomaten, Mais, Kräuter, Kürbisse, Radieschen – was Johann und Tim zwischen die Finger kriegen, muss in die Erde. Die beiden tauften ihren Garten „Fridolin Mermer“. Warum Fridolin, wissen sie gar nicht genau, aber „Mermer“ komme von Mersiowski und Zimmermann.

Jungs wollen ihre Ernte anbieten

Die neue Gartensaison im „Mermer“ hat bereits begonnen, sogar ein Gewächshaus gibt es jetzt, die Jungs hoffen auf eine gute Ernte. Wenn die Pandemie es zulässt, wollen Tim und Johann ihr Gemüse und Obst auch mal an einem kleinen Stand anbieten, beim Kürbisfest zum Beispiel. Schon 2020 haben sie sich so ein bisschen Taschengeld verdient. „Wir unterstützen das alle, die Kinder sind die ganze Zeit an der frischen Luft, lernen auch Verantwortung zu übernehmen“, sagt Doreen Zimmermann. Und für die Vögel fällt auch noch etwas ab. So brachten die beiden im Herbst Stunden damit zu, die Walnüsse aus dem Garten für ihre gefiederten Freunde zu knacken. Auch ein Insektenhotel fand seinen Platz im „Mermer“ und ein Nistkasten obendrein.

„Im Sommer sind wir fast jeden Tag hier“, sagt Johann und hebt eine Nacktschnecke auf. „Davon haben wir gerade zu viele.“

So lange wie die Jungs Freude an ihrem Garten haben, sollen sie ihn ruhig behalten, sind sich die Familien einig. Im nächsten Jahr gehen Tim und Johann aufs Gymnasium nach Osterburg. Irgendwann möchte Johann mal Förster werden. Und Tim? „Ich denke, Gärtner.“

Gern würden Tim und Johann ihre Ernte mal an einem Stand verkaufen.
Gern würden Tim und Johann ihre Ernte mal an einem Stand verkaufen.
Foto: Karina Hoppe
Auch ein Herz für Insekten haben die beiden Gartenfreunde Johann und Tim.
Auch ein Herz für Insekten haben die beiden Gartenfreunde Johann und Tim.
Foto: Karina Hoppe
Aktuelles Thema im Garten „Mermer“: Schneckenplage. Johann zeigt eine.
Aktuelles Thema im Garten „Mermer“: Schneckenplage. Johann zeigt eine.
Foto: Karina Hoppe