Osterburg l Mehr als 20 Jahre stand sie an der Spitze des altmarkweit größten Kleingartenvereins „Aufbau“, am Freitagabend setzte Ute Pahl den Schlusspunkt. Sie werde aus gesundheitlichen Gründen zukünftig etwas kürzer treten, gab die Osterburgerin während der Jahreshauptversammlung im Saal des Verwaltungsgebäudes bekannt. „Aber ich bin ja nicht aus der Welt. Meinen Garten werde ich nach wie vor weiterführen. Ihr wisst ja, wo ihr mich findet“, betonte Pahl.

Der Rückzug der bisherigen Chefin blieb nicht der einzige. Weil sich mit Sabine Schiddel, Dietmar Handzelek und Maik Hübner gleich drei weitere Gärtner aus der Führungsriege verabschiedeten, kam die anschließende Vorstandswahl fast schon einer Neuaufstellung gleich. Fast. Immerhin finden die „Aufbau“-Mitglieder in der neuen Vorsitzenden Birgit Brüggemann sowie Yvonne Schmidt, die als Stellvertreterin gleichzeitig die Vereinsfinanzen verantwortet, zwei vertraute Gesichter aus dem bisherigen Vorstand wieder. Patricia Schröder, Nico Fritz und Sebastian Kranz komplettieren das Führungsquintett. Sie stehen durchweg für eine jüngere Kleingärtner-Generation und damit eine Zielgruppe, die „Aufbau“ zukünftig noch stärker in den Fokus nehmen dürfte. Schließlich bereitet der Blick auf das Alter vieler Gartenfreunde sowie leere Parzellen Sorge, zeigte Ute Pahl in ihrem letzten Tätigkeitsbericht auf. So habe der Leerstand in der jüngeren Vergangenheit weiter zugenommen, gegenwärtig liegen schon wieder einige Kündigungen zum Jahresende vor. Aktuell seien von den 348 Parzellen noch 256 verpachtet, 33 davon würden Mitglieder als Zweitgärten bewirtschaften. Neun Schreberflächen habe die Akademie Facultas in Beschlag, um dort Obst und Gemüse für Hilfsbedürftige wie die Tafel anzubauen. Weitere Parzellen nutze der Verein, für insgesamt 51 Gärten sucht „Aufbau“ neue Pächter.

Nachfrage

Nachfragen gebe es, durchaus auch von jüngeren Einwohnern, berichtete Pahl. „Aber dann wird mitunter schnell vergessen, dass auch ein wenig für die kleingärtnerische Nutzung getan werden muss. Wir verpachten eine Parzelle nicht nur, um dort zu grillen und zu feiern. Sondern um auch Obst, Gemüse sowie Blumen anzubauen und zu pflegen“, betonte sie. Mutmachende Beispiele gebe es aber auch, bekräftigter Pahl. Dabei bezog sie sich auf eine junge Familie, die 2017 eine zuvor mehrere Jahre leerstehende Parzelle übernommen habe.

Abseits davon ärgert sich der Verein über „schwarze Schafe“ aus den eigenen Reihen, die eine angrenzende Ackerfläche zum Abladen von Unrat und Kompostieren von Gartenabfällen missbrauchen. Oder Mitglieder, die leerstehende Parzellen mit Müllkippen gleichsetzen. Diese Unsitte ging „Aufbau“ im Vorjahr sogar in den Geldbeutel, als der Kreisverband den Abriss von drei Lauben finanzierte „und wir als Verein zwei Container stellen mussten, um die zugemüllten Lauben zu entrümpeln. Das hat uns 500 Euro gekostet“, blickte Ute Pahl zurück. Diese vorher nicht absehbare Mehrausgabe habe dazu beigetragen, dass „Aufbau“ zwischen März 2017 und April 2018 mehr Ausgaben als Einnahmen verzeichnete, aus finanzieller Sicht bewegt sich „Aufbau“ dennoch in ruhigem Fahrwasser. So konnte das Defizit mühelos über die Rücklagen des Vereins aufgefangen werden, zudem kalkuliert Schatzmeisterin Yvonne Schmidt für die kommenden Monate auch wieder mit einem leichten Plus.

Letzteres würde sich „Aufbau“ auch bei den Arbeitsstunden für den Verein wünschen. 103 Mitglieder hätten die vereinbarten drei Stunden leider nicht erbracht, bedauerte Ute Pahl. Aber es gebe auch Gartenfreunde, die sechs oder sogar noch mehr Stunden leisteten. Sie sollen während des voraussichtlich Anfang August stattfindenden Vereinsfestes geehrt werden, kündigte Ute Pahl an. Gleichzeitig nutzte die scheidende Vorsitzende auf der Jahresversammlung die Gelegenheit, um allen Helfern zu danken, die sich unter anderem als Wege- und Elektrobeauftragte oder Kassierer für den Kleingartenverein engagieren.