Arneburg l Wie soll er es am besten ausdrücken? Vielleicht so: „Sie ist sehr eigenwillig in der Handhabe, entschädigt klanglich aber in vollem Maße.“ So sprach der Hallenser Organist Johannes Richter am Wochenende an einer Feuerschale draußen vor Arneburgs St. Georgkirche über die Zabel-Orgel. Der Freundeskreis der Kirchenorgel Arneburg hatte, wie es seit 2011 wieder Tradition ist, zum Orgelgeburtstag samt Orgelschmaus eingeladen. Rund 30 Leute waren gekommen. Erst zum gut einstündigen Konzert in der Kirche, dann zum lauschigen Schmaus davor mit Kassler, Kuchen, Kaffee und Glühwein. Aber zurück zur Feuerschale: „Als ich zum ersten Mal hier war, hab ich gedacht, wie soll ich dieses Ding bloß spielen“, sagte Johannes Richter.

Im Beisein des Freundeskreis-Vorsitzenden Gerd Lamberts und von Vorstandsmitglied Matthias Schlase. „Kleine müssen sich strecken und ein großer Mensch wie ich sich zusammenfalten“, so Richter. „Alles, was ich an Theorie über das Orgelspielen gelernt habe, kann ich hier nicht anwenden. Diese Orgel ist definitv anders als alles andere Orgeln im Umkreis.“ Das liege daran, dass das Orgelbauen seinerzeit noch nicht „genormt“ war. Der Tangermünder Orgelbaumeister August Zabel erbaute das Instrument von 1818 bis 1821 – überspitzt gesagt – nach seinem Gutdünken. Zumindest, was die Ausmaße, die Bespielbarkeit betreffe. Aber der Klang – Richter wiederholt es gerne – entschädige alles. Die Zabel-Orgel und er hätten sich aufeinander abgestimmt. „Jede Orgel hat ohnehin ihre eigene Sprache. Sie erzählt einem, wie sie gespielt werden muss. Jede Orgel ist eine eigene Persönlichkeit.“

Und wo sie da gerade so am Feuer standen, wollte der 20-jährige Organist doch eines unbedingt nochmal loswerden. „Hut ab vor dem, was der Freundeskreis hier geleistet hat. Hier wurden durch findige Köpfe die richtigen Maßnahmen getroffen.“ Trotz negativen ersten Gutachtens oder vielmehr eines Zettels, der in der Orgel lag und ihr kein gutes Zeugnis ausstellte, ist der Freundeskreis ihre Restaurierung angegangen. Hat sich gegründet, selbst 56.000  Euro an Spenden gesammelt, um so insgesamt 165.000  Euro in die Restaurierung stecken zu können. Die Wiedereinweihung war 2011, seither wird – eine frühere Tradition wieder aufnehmend – alljährlich der Orgelgeburtstag samt Orgelschmaus gefeiert. 2021 wird das Fest laut Gerd Lamberts sicher etwas größer ausfallen. Da wird die alte Dame nämlich 200 Jahre alt.

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