Gladigau l Es kommt auf so vieles gleichzeitig an. Die Aussprache, „die Intonation des Niederdeutschen in der jeweiligen Varietät“, die Lesefertigkeit und den so genannten „textgestaltenden Ausdruck“. Von den 14 Teilnehmern des 25. Vorlesewettbewerbes „Schülerinnen und Schüler lesen Platt“, im Rahmen dessen gestern in Gladigau der Regionalausscheid Altmark über die Bühne ging, haben sich drei Schüler besonders darin hervorgetan. In der Altersgruppe 3./4. Klasse Maddox Fenn von der Grundschule Klietz, in der Altersgruppe 5./6. Klasse Ludwig Uhrhan vom Markgraf-Albrecht-Gymnasium Osterburg und Max Haetzer vom Goethe-Gymnasium Pritzwalk, wobei das ein bisschen schief ist, denn Max hatte keine Gegenspieler. Überhaupt war der Jubiläumswettbewerb nicht so gut besucht. Die Westaltmark, in der heute noch mehr Plattdeutsch gesprochen werde als hier, hat gar keinen Schüler geschickt, was die Veranstalter bedauerten. Der Wettbewerb lag abermals in Händen der Arbeitsstelle Niederdeutsch an der Otto-von Guericke-Universität Magdeburg und des Landesheimatbundes. „In den ersten Jahren ging esmit den Teilnehmerzahlen steil bergauf“, sagte Dr. Ursula Föllner von der Arbeitsstelle Niederdeutsch. Aber nunmehr seien die Plattdeutsch-Lehrer von einst in Rente. „Und Schulen auf dem Land werden geschlossen, das kommt auch noch dazu.“ Eine schwierige Gemengelage, es fehlten im Moment schier die „mittelalten“ Lehrer, die sich der Kinder mit Begeisterung annehmen. „An den Kindern selbst liegt es definitiv nicht“, so Ursula Föllner. „Aber Lehrer fehlen ja in allen Bereichen.“

Die Kinder belegen erste Plätze, wenn sie es schaffen, „sich vom buchstäblichen Lesen zu lösen“. Und das sei gar nicht so einfach. Wie auch die langjährige Plattdeutsch-Autorin Helga Albert es vertellte, „haben die Kinder die Klagfarbe des Niederdeutschen nicht mehr im Ohr“. Sie hören ihre Großeltern nicht am Abendbrotstisch sprechen. Und das Hören sei beim Spracherwerb nun mal sehr wichtig. Deswegen, schlägt Helga Albert vor, wäre es doch vielleicht schon eine gute Idee, wenn auch bei solch Wettbewerben immer mal ein alter Plattdeutsch-Hase dazwischen liest. „Es waren ja nicht so viele Teilnehmer, das hätte zeitlich sicher gepasst.“

An der Uni Magdeburg versuchen die Dozenten, die Studenten für die Reagionalsprache zu begeistern – es braucht Multiplikatoren. Damit die Regionalsprache nicht verloren geht, da ein Schietwedda alle mal besser ist als schlechtes Wetter. Charlotte Ungnade weiß jedenfalls, warum sie sich schon seit dem 5. Lebensjahr Plattdüütsch lernt. „Die Sprache ist sehr alt und auch sehr schön.“

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