Schwarzholz l Hartmut Blume säße mit in der ersten Reihe. Er wohnt ganz am Rande von Schwarzholz in Richtung Klein Ellingen. Kurz, bevor es hoch „auf den Berg“ geht, wo die Hähnchenmastanlage gebaut werden soll. Falls sie kommt, „brauchen wir hier im Sommer nicht mehr zu grillen“, sagt er. Und dass er es sich wegen der ganzen Gifte sicher auch sparen könnte, selbst Gemüse anzubauen. Dabei hatte er in diesem Jahr eine super Ernte eingefahren – an Wassermelonen. Davon erzählte Hartmut Blume am Mittwoch. Am Tag nach der Infoveranstaltung der Bürgerinitiative (BI) „Pro Region“ im Dorfgemeinschaftshaus Schwarzholz. BI-Sprecher Olaf Schmidt hatte angesichts der neuen Umstände aufgezeigt, was die Gegner der Anlage jetzt tun können.

3,7 Millionen Hähnchen pro Jahr

Neue Umstände? Nachdem die Inno-Agrar GmbH, die mit Planungsbeginn 2008 eine Hähnchenmastanlage errichten möchte, in der jährlich etwa 3,7 Millionen Tiere gemästet werden, im Februar 2016 vom Landesverwaltungsamt einen negativen Bescheid für seinen Bau- und Betriebsantrag erteilt wurde, war die Sache für viele erledigt. Der Investor, hinter dem namentlich der Hindenburger Kay-Richard Schlichting steht, klagte jedoch und erhielt im September vom Verwaltungsgericht Magdeburg Recht. „Ich werde bis heute nicht darüber fertig, wie diese Verhandlung abgelaufen ist“, sagte Schmidt am Dienstag gegenüber den rund 30 Bürgern. „Das war wie im falschen Film.“

Schmidt rief ins Gedächtnis, welch‘ Ausmaß (siehe Infokasten) die Mastanlage, die nach älterem Recht noch als „priviligiert“ eingestuft ist, hätte. Er fügte an, was die BI befürchtet, wenn tatsächlich eine Genehmigung erteilt würde: nämlich starke Geruchs- und Lärmbelästigungen durch die wartungsaufwändigen 128 Abluftkamine der Ställe, verbunden mit Staub- und Keimimissionen sowie Bioaerosolen. Bei südlichem und südwestlichem Wind stünde Schwarzholz direkt „in der Wolke“, Hohenberg-Krusemark bei Ostwinden, Altenzaun bei Westwinden. Dazu komme ein magnifikant erhöhtes Verkehrsaufkommen, wofür die Straßen gar nicht ausgelegt seien, die Grundstücke verlören mindestens an 20 Prozent ihres Wertes. Aus dem Publikum am Dienstag hieß es gleich „das reicht niemals“.

Bilder

Von Antibiotika, das nicht nur in den Hähnchen, sondern auch im Grundwasser landet, war noch die Rede, von einer erhöhten Nitritbelastung, der Zerstörung des nahen Mischwaldes durch Ammoniakimmissionen, von dem Aus für Schwarzstorch und Zauneidechsen an diesem Standort und darüber hinaus – und nicht zuletzt von „Tierleid ohne Ende durch Massentierhaltung“. Und Überzüchtung. Auf einen exemplarischen Kurzfilm, den Schmidt laufen ließ, folgten von den Bürgern Rufe wie „das sind ja KZ-Methoden“, „ich frage mich, wie so was genehmigt werden kann“ oder „dann brauchst du hier kein Gemüse mehr anzubauen“. Aber das Fleisch würde ja „gefressen“, fiel ein als Wort, wozu Schmidt sagte: „Ich schüttle innerlich auch den Kopf, die Schlange an den Hähnchenwagen wird immer länger.“

Bürgerinitiative will Gegenargumente lie

Aber da zu insistieren, helfe jetzt nicht. Die BI habe nur eine Chance, wenn sie weiterhin Gutachten und ihren Anwalt bezahlen kann. „Wir müssen Gegenargumente liefern.“ Das Gegenargument des Flächennutzungsplans vom Anfang der 1990er Jahre, der für besagte Fläche die energetische Versorgung vorsieht, sei aber vom Tisch. „Das Gericht hält den Plan nicht für rechtsgültig.“

Die Möglichkeit, gegen den Bescheid des Verwaltungsgerichts in Widerspruch zu gehen, habe das Landesverwaltungsamt leider nicht in Anspruch genommen. Nun stelle sich als nächste Frage, ob vom Investor noch nicht eingereichte Unterlagen – auch das war immer wieder ein Kritikpunkt – mit kurzer oder langer Friststellung nachgereicht werden müssen. Und ob der Investor nachreicht. Wenn ja, muss der Gemeinderat Hohenberg-Krusemark über sein „Gemeindlichen Einvernehmen“ befinden. Zum Nicht-Erteilen wie bisher geschehen, bräuchte er einen laut Landesverwaltungsamt trifftigen Grund – neuen Grund oder Gründe.

Wenn alle Stränge reißen, könnten im Rahmen der öffentlichen Auslegung immer noch Einwendungen gemacht werden. „Es ist nicht so, dass wir schon verloren haben“, sagte Schmidt. Eins sei aber klar: „Wenn ihr hier weiter so auf euren Grundstücken leben wollt, braucht die BI Geld, damit wir aktiv werden können. Die BI-Kasse ist leer.“ Schmidt hatte kleine Zettel mit der Bankverbindung vorbereitet.

Auf dass die Bewegung wieder anwächst

Indes hat Hartmut Blume nicht nur sein altes Protestplakat wieder herausgeholt, sondern auch noch ein neues Protestkreuz gebaut. Als am 7. Dezember 2010 die BI „Pro Region gegen Massentierhaltungsanlagen“ gegründet wurde, war für ihn klar, dass er mitmacht. Der Schwarzholzer hoffe nun, dass die Bewegung wieder anwächst. „Diese Anlage macht mir mehr als Angst.“

 

Wer die BI unterstützen möchte, meldet sich bei BI-Sprecher und Gemeinderatsmitglied Olaf Schmidt, wohnhaft in Schwarzholz.