Eichstedt l Wenn sich am Heiligabend Sylvia Gercke mit ihrer Familie an einen Tisch setzt, hat sie bereits vielen Menschen die Weihnachtsbotschaft überbracht. Die Eichstedterin unterstützt Pfarrer Alexander Schwartz in der Kirchengemeinde Klein Schwechten. Sie übernimmt in zwei Kirchen am heutigen Heiligen Abend den Gottesdienst.

„Eine kleine Anspannung ist immer vorhanden“, verrät die 59-Jährige, die diese Aufgabe, an Heiligabend durch die Christvesper zu führen, nicht zum ersten Mal übernimmt. Neben dem „Heimspiel“ in Eichstedt wird sie auch die Einwohner und Gäste in Häsewig begrüßen. Sie erinnert sich gern an voriges Jahr, als sie ebenfalls am 24. Dezember in der kleinen Kirche zu Häsewig den Pfarrer vertrat und ihr die Anwesenden „große Dankbarkeit“ entgegen brachten. „Eine Frau sagte: Das hätte ich nicht erwartet“, blickt Sylvia Gercke gern zurück und freut sich auf den heutigen Tag, der aufgrund dieser Rolle, in der sie schlüpft, natürlich etwas anders abläuft als bei den meisten Familien.

Sylvia Gercke hat die Befähigung, in der evangelischen Kirche durch den Gottesdienst zu führen. Sie ist Lektorin. Vor zehn Jahren animierte sie der damalige Pfarrer Jörg Drafehn zu dieser Ausbildung, die sie viele Samstage im Jahr nach Tangerhütte führte. „Er sagte: Das wäre was für dich“, hört sie diesen Satz immer noch – und legte los. So ganz neu war ihr das Erlernte nicht, über 30 Jahre war sie Teil des Gemeindekirchenrates in Eichstedt, ließ sich bereits Mitte der 80er Jahre aufstellen. Und so freuen sich neben Pfarrer Alexander Schwartz, der natürlich ein großes Programm an Heiligabend und den Folgetagen zu absolvieren hat, auch die Kirchengänger in Eichstedt und Häsewig auf den Heiligabend-Gottesdienst.

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Die Sozialarbeiterin im Stendaler Krankenhaus, die auch viele Jahre als Krankenschwester tätig war, möchte der Weihnachtsgeschichte eine persönliche Note verleihen. Natürlich macht man sich Gedanken über die Predigt, auch wenn am Heiligen Abend die Geburt Jesu und damit das Lukas-Evangelium ansteht. „Aktuelle Themen versuche ich einzubeziehen“, sagt die Mutter zweier erwachsener Söhne (34/38). Für Sylvia Gercke bedeutet die Hauptbotschaft der Weihnachtsgeschichte: „Liebe ist das, was uns Menschen verbinden sollte.“ Die Liturgie wird im Vorfeld besprochen, und damit auch die Reihenfolge der Lieder. „Die meisten wollen singen“, ist sie sich sicher. Was auf alle Fälle nicht fehlen darf: Stille Nacht, Heilige Nacht!

Und da Sylvia Gercke den Heiligen Abend gut vorbereitet, sind auch in den heimischen vier Wänden in Eichstedt die Aufgaben geregelt. Nach dem eher üppigen Frühstück ist vor den Gottesdiensten in Häsewig (15.30 Uhr) und Eichstedt (17 Uhr) noch ein Kaffeetrinken geplant, das ihre Schwiegermutter serviert. Anschließend begleitet Ehemann Norbert seine Frau in die beiden Gotteshäuser. Wenn beide wieder am Abend in der warmen Stube, in der ein schöner Adventskranz mit 24 Kerzen brennt und der einen Tag zuvor aufgestellte Weihnachtsbaum leuchtet, Platz nehmen, ist der Tisch für die Abendbrotzeit bereits gedeckt. Dazu kommen dann noch Kartoffelsalat und Bockwurst. Das hat im Hause Gercke Tradition.

Und dann gibt es noch ein anderes Ritual: Wenn alles still ist, drehen Gerckes noch eine Runde durch das Dorf. Ein Abendspaziergang am Heiligen Abend, um sich an den Lichtern (in den Fenstern) und der Stille zu erfreuen. Und was wünscht sich die Vertreterin des Pfarrers zum Weihnachtsfest? „Das alle gesund bleiben oder werden.“