Walsleben l „Wir waren immer optimistisch“, sagen die frisch vermählten Walslebener. Während sich zwischen März und Juli coronabedingt wenige Paare das Ja-Wort gaben, werden seit August die Trauungen teilweise im Stundentakt geschlossen. Einige verschoben auf den Spätsommer, manche sogar auf das nächste Jahr, weiß Ilona Schulz zu berichten. Seit 1991 ist sie mit Leib und Seele Standesbeamtin.

Diese Hochzeit wird ihr noch lange in Erinnerung bleiben. Töchterchen Ida Marta bekam nämlich auch einen Ring, denn sie wollte ebenso gern an diesem Tag heiraten wie ihre Eltern.

Als die beiden Walslebener bei ihr am 24. Oktober das Aufgebot bestellten, reservierten sie den Tag nicht einmal wegen der Schnapszahl, sondern weil es ein freier Sonnabend war. Und sie verrieten, wie es im vergangenen Oktober zu dem Antrag kam: Bei einem Glas Wein auf dem Sofa fragte der Bräutigam seine Auserwählte ganz einfach, ob sie nicht gern Frau Hoffmann werden würde.

Was für eine Frage! Für Claudia Marks war es Liebe auf den ersten Blick. Als sie den Bruder ihrer Nachbarin Da­niela Nonnemann vor zehn Jahren für sich entdeckte, schrieb sie ihn über die Internetseite Studi VZ an. Gegenüber ihrem Elternhaus wohnte ja ihr Traummann! Als Mitarbeiterin eines Call-Centers brauchte sie nicht lange, um den Auserwählten zu einem ersten Date zu überreden. Und los ging es auf ein Eis nach Arneburg und manchen Ausflug. Ab dem 8. Juli hielten die Zwei den Mindestabstand nicht mehr ein, sie schmiedeten Zukunftspläne. Vor sieben Jahren kauften sie in Walsleben ihr eigenes Haus mit Garten, wo die Schwestern Pia Lotta (13) und Ida Marta (6) gern ausgelassen herumtollen.

Als Wehrleiter und Mitglied der Interessengemeinschaft Walsleben ist Tobias Hoffmann, dessen Eltern in Berge zu Hause sind, längst im Heimatort seiner Liebsten angekommen. Vor das Standesamt brauste er mit einer Sport-AWO der Marke Simson 425 S, Baujahr 1960, die seinem Freund Lars Deuschle gehört. Dieser verhalf der Bräutigam, seines Zeichens Lackierer, vor 15 Jahren zu einem neuen Anzug.

Apropos Anzug. Retro ist genau sein Stil: Vor dem Standesamt erwartete er seine Claudia in einem braunen Präsent 20, den er bei E-Bay-Kleinanzeigen entdeckt hatte. Er soll Glück bringen. Schließlich trug sein Vater Karl-Heinz dasselbe Modell, als er vor 49 Jahren seine Gudrun heiratete.

Einen Wermutstropfen gab es für die jungen Eheleute trotz aller Überraschungen ihrer Freunde. Nur zu gern hätten sie ihre jüngst verstorbenen Eltern Petra und Hardy Marks an ihrer Seite gehabt.

Zu Hause in Walsleben erwartete sie die Feuerwehr Osterburg mit der Drehleiter ...