Krevese l Unter dem Stichwort „Repowering“ (Ersatz veralteter Anlagen am gleichen Standort) will die Betreiberfirma bei Krevese sechs der insgesamt 18 Windräder abbauen und durch neue Energieerzeuger ersetzen. Die Überlegungen, die mit Blick auf das Alter der in den 1990er Jahren errichteten Anlagen erst einmal nachvollziehbar klingen, beschränken sich aber keinesfalls auf einen 1:1-Ersatz. Sind die bisherigen Anlagen 108 Meter hoch, sollen ihre deutlich leistungsfähigeren Nachfolger sogar 212 Meter weit in den Himmel ragen. Und damit eine Dimension erreichen, die die Belastungen für die Windpark-Anrainer wie Geräuschpegel, Flügelschlag und Schattenwurf nach oben schrauben.

Ortspolitiker wollen Einfluss nehmen

Klar ist: Die Kreveser Ortspolitiker wollen nicht tatenlos zuschauen, wie die neuen Riesen vor ihrer Haustür Gestalt annehmen. Ein wirkliches Mitspracherecht habe der Ortschaftsrat aber nicht, bedauerte Jutta Berger (Wählergemeinschaft Land) am Donnerstag im Stadtrat. Die Kreveser Ortsbürgermeisterin, selbst auch Stadträtin, setzt auf die Einheitsgemeinde, um auf die Pläne des Windparkbetreibers Einfluss zu nehmen. Dabei geht es ihr bespielsweise um einen Standort, der sich nur wenige 100 Meter vor dem Röthenberger Ortsrand befindet. Der sei nach heutigen Recht gar nicht mehr zulässig, weil die Gesetzgebung mittlerweile einen Mindestabstand von 1000 Metern vorschreibt.

Sollten die noch dazu ausgerechnet an den höchsten Stellen bei Krevese geplanten Riesen-Anlagen in die Tat umgesetzt werden, forderte die Kreveser Ortsbürgermeisterin Lärmschutzmaßnahmen ein.

Bergers Äußerungen blieben am Donnerstag im Stadtrat nicht ohne Echo. Wilhelm Rehhagen (CDU), selbst in Krevese lebend, kritisierte die Betreiberpläne und generell die Zerspargelung der Region. Schon jetzt hätten die zahllosen Windräder erreicht, „dass die Landschaft unserer Altmark nicht mehr das ist, was sie mal war.“

Gespräch mit Betreiberfirma gesucht

Klaus-Peter Gose (CDU) schlug in die gleiche Kerbe. „Geht das mit den Windkraftanlagen so weiter, können wir den Slogan unserer Einheitsgemeinde vergessen. Von wegen wir leben Land. Dann leben wir Wind.“ Gose wünschte sich eine breite Allianz gegen weitere Windkraft-Aktivitäten in der Region. „So wie es die Bayern bei den geplanten Strom­trassen vorgemacht haben. Da hat ein starker Bürgerprotest dafür gesorgt, dass die Leitungen nicht oberirdisch verlaufen sondern ins Erdreich verlegt werden.“

Bürgermeister Nico Schulz sprach sich während der Stadtratssitzung für einen direkten Austausch mit Vertretern der Betreiberfirma aus, um sie über die Ansichten und Bedenken der betroffenen Einwohner ins Bild zu setzen. Das Gespräch soll nach Möglichkeit kurzfristig und noch vor dem Jahreswechsel über die Bühne gehen. Klar ist, dass auch Kreveses Ortsbürgermeisterin Jutta Berger bei dieser Runde mit am Tisch sitzen soll.