Osterburg l "Willkommen zum österlichen Konzert!“, so begrüßte Friedemann Lessing die Bewohner des Altenpflegeheims „Haus Sorgenfrei“ in Osterburg auf dem Innenhof des Geländes. Seine Frau Isolde, Tochter Magdalena und Sohn Jakob machten das Quartett komplett. Mit ihrem vierten Auftritt in Folge bereitete Familie Lessing den Senioren Osterfreude auf musikalische Art. Und eine sorgenfreie Zeit.

Eine Mischung aus Volksgut und christlichen Liedern lockte immer mehr Bewohner heran. Die Sonne tat ihr Übriges dazu. „Bitte denkt an den Abstand!“, wies eine Pflegerin ihre Schützlinge auf Distanz hin, ein Mundschutz verdeckte ihr Gesicht. Neuer Alltag im Pflegeheim. Einige hatten es sich auf den Bänken bequem gemacht, andere auf den Balkonen und am Fenster. Helga Düsing schob ihren Rollator in Position, Ekkehard Groskopf kam vom Nachbarhaus. Wie oft und wie gern hatte der Osterburger Konzerten gelauscht und Benefizveranstaltungen unterstützt! „Dieser Mann hat so viel für uns getan. Wir freuen uns, wenn wir heute etwas zurückgeben können“, bemerkte Friedemann Lessing. Auch seine Frau Isolde hat den Kulturliebhaber ins Herz geschlossen und freute sich, ihn im Publikum zu entdecken. Die Wiedersehensfreude war ihm sichtlich anzumerken. „Sehr schön“, lobte Groskopf beim Anblick des Ensembles. Viele Jahre besuchte der frühere Vorsitzende des Freundeskreises des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums Lessings Konzerte.

Und dann ging es schon los mit Osterchorälen und Volksliedern. „Es waren zwei Königskinder“, „Wenn ich ein Vöglein wär‘“, „An der Saale hellen Strande“, „Hab mein Wage vollgelade“ und so fort. „Wir haben die weltlichen Lieder ausgesucht“, erzählte Magdalena, die im vierten Studienjahr ihrer künstlerisch-pädagogischen Ausbildung steckt und ihrem Saxophon sonst ganz andere Melodien entlockt. „Mit Volksliedern sind wir aufgewachsen. Es gibt ja so schöne Frühlingslieder“, merkte Isolde Lessing an. Zwinkernd fügte sie hinzu: „Eine Probe müssen wir dafür schon einplanen. Und, ganz ehrlich, wir haben unsere Freude daran, Musik zu machen und anderen etwas Gutes zu tun. Das Vergnügen liegt also auf beiden Seiten.“ Besonders, seitdem die Temperaturen von Konzert zu Konzert nach oben kletterten.

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Auch Jakob, der im 5. Semester Maschinenbau studiert, kann dem virusbedingten Heimatbesuch etwas abgewinnen. Schließlich hat sein Studium nichts mit Musik zu tun. Beim Musical-Hit „Jesus Christ Superstar“ lief er mit seinem Vater zu Höchstform auf. Nach jedem Lied bedankten sich die Heimbewohner mit Applaus. Als Friedemann Lessing das nächste Konzert für kommenden Sonnabend ankündigte, atmeten die Zuhörer erleichtert auf. „Es könnte das vorläufig letzte zu viert sein. Wenn die Kinder wieder zum Studium müssen, sind wir nur noch zu zweit“, gab der Kantor zu bedenken.

„Ich finde das ganz prima, dass sie das machen", geriet Sigrid Förster ins Schwärmen, "es ist eine schwere Zeit." Seit neun Jahren lebt sie in der Einrichtung, aber regelmäßige Hofkonzerte hatte es noch nie gegeben. Erst hatte ihre Schwester die 69-Jährige mit einem Paket aus Behrendorf überrascht, weil sie sie ja nicht besuchen darf, und nun verbreitete Familie Lessing Osterfreude. Als das Konzert nach 18 Liedern vorbei war, wischte sie sich die Tränen von der Wange, aber ihre Augen leuchteten.

„Wir können Lessings nicht oft genug danken. Auch zu Weihnachten erfreuen sie uns mit schöner Musik und sind für die Bewohner eine willkommene Abwechslung“, so die Leiterin des Pflegeheims, Ina Vandrey, „denn die fehlenden Besuche sind die größte Einschränkung durch Corona.“ Natürlich versuchen die 59 Pflegekräfte sich so innig wie möglich um die 94 Bewohner zu kümmern, betonte sie. „Ablauf und Struktur laufen zum Glück normal.“ Eben mit Mundschutz. Die kreativen Beschäftigungen im Haus wie das Basteln seien geblieben, allerdings in kleinen Gruppen und mit Abstand, sonst würde der Tag für die Bewohner ja gar nicht vergehen. Dazu werden Briefe verschickt, Pakete kommen an und auch was sonst abzugeben ist, wird am Haupteingang in Empfang genommen. Auch auf nicht-digitalen Wegen sei ein Austausch möglich. Und dann gebe es ja noch das Telefon, um Kontakt zu pflegen.

„Wir sind alle sehr froh, dass es bei uns keinen Fall gibt und hoffen sehr, dass es so bleibt. Dafür wird im Haus alles getan“, erklärte Ina Vandrey abschließend,