Seehausen l Ohne Fördermittel sind zumindest die großen kommunalen Investitionen seit Jahren die Ausnahme. Meist hadern die Verantwortlichen damit, dass es für Projekte zu wenig oder gar kein Geld gebe. Aber es kommt auch vor, dass Zuschüsse retour gehen. So wie jetzt für das geplante Feuerwehrgerätehaus in Jeggel, für das die Verbandsgemeinde Seehausen schon ein geeignetes Objekt vor Ort erworben hatte (wir berichteten).

Hintergrund war die freiwillige Fusion der Feuerwehren Lindenberg und Jeggel. Der Akt stieß vor gut sechs Jahren auf viel Anerkennung, weil er ganz im Sinn der Einsatzbereitschaft war, der Verbandsgemeinde auf Dauer einen Stützpunkt und somit Investitions- sowie Unterhaltungskosten sparen sollte. Der gemeinsame Bezug eines der beiden alten Gerätehäuser kam nicht in Frage, weil das weder die Kapazitäten noch die Sicherheitsvorschriften zuließen. Deshalb die Alternative mit der ehemaligen Gewerbe-Immobilie am östlichen Ortsausgang von Jeggel.

Weniger Einsatzkräfte

So sehr der Zusammenschluss der Brandbekämpfer an sich gelobt wurde, so sehr wurden aber auch immer wieder die geplanten Investitionen in Höhe von rund 130 000 Euro (etwa die Hälfte waren Fördermittel) moniert, für die ein DIN- gerechter Fahrzeug-Stellplatz sowie Räumlichkeiten zum Umkleiden, für die sanitären Bedürfnisse und Versammlungen geschaffen werden sollten. Denn genau das, so die Kritiker, sei in direkter Nachbarschaft in Groß Garz vorhanden. Inklusive eines leistungsfähigen Löschfahrzeuges (LF 16/12) und eines zweiten Stellplatzes für das Einsatzauto (TSF) der Blauröcke von Lindenberg und Jeggel. In der Tat sind es bis nach Groß Garz von Lindenberg nur rund fünf und von Jeggel aus nur drei Kilometer. Das sind Anfahrten, die andere Blauröcke auch auf sich nehmen.

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Persönliche Befindlichkeiten

Dass sich damals nicht gleich alle drei Feuerwehren zusammenschlossen, sei vor allem persönlichen Befindlichkeiten geschuldet gewesen, auf die die Kommunalpolitik letztlich Rücksicht nahm, um keinen der rund 20 aktiven Kameraden zu verlieren, erinnert sich Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (Freie Wähler) im Gespräch mit der Volksstimme. Erst eine erneute Abfrage der Einsatzstärke im Rahmen der Brandschutz-Risikoanalyse, wonach sich die Zahl der Feuerwehrleute fast halbiert hatte, und die nach einer ersten Ausschreibung ausufernden Projektkosten brachten das Projekt ins Wanken.

Anders als noch vor ein paar Jahren scheint inzwischen die Einsicht bei den Blauröcken der drei Nachbardörfer im Zehrental gereift zu sein, dass der größere Zusammenschluss die zukunftsfähigere Alternative sein könnte. Zumindest deutete sich das nach Zusammenkünften an, an denen neben Kloth Ehrenkreisbrandmeister Dieter Bolle (parteilos) als Vorsitzender des Bau- und Ordnungsausschusses des Verbandsgemeinderates teilnahm.

Alles braucht seine Zeit

Bolle bestätigte den Eindruck Kloths und hofft, dass es die Mehrheit der Betroffenen ebenso sieht, räumt aber ein, dass das Zusammenwachsen der Wehren Zeit brauche und dass es sich um ehrenamtliches Engagement handele. Leider verhindere die Corona-Pandemie derzeit gemeinsame Aktivitäten oder Gespräche, was die Sache nicht leichter mache.

Der Eigenanteil von rund 70 000 Euro fließt übrigens in die allgemeinen Rücklagen der Verbandsgemeinde und hilft derzeit zum Beispiel dabei, die außerplanmäßige Anschaffung eines neuen Satzes Schere und Spreizer für die Seehäuser Feuerwehr zu finanzieren.