Seehausen/Stendal l Im Halbdunkeln verlassen sie das Impfzentrum in Stendal. Es ist kurz nach 8 Uhr, als sich die Besatzung des Mobilen Impfteams auf den Weg nach Seehausen gemacht hat. Ursprünglich sollte am Dienstag die zweite Immunisierungs-Aktion gegen das Corona-Virus im Pflegeheim in Osterburg beginnen, „doch von dort bekamen wir die Meldung, dass nur wenige Einverständniserklärungen vorliegen“, sagt Impfzentrumsleiter Friedhelm Cario vom DRK.

So fuhr das Impfteam weiter auf der B 189 bis Seehausen und stoppte gegen 9 Uhr vor dem DRK-Pflegeheim „Am Kaland“. Die Mannschaft um Hausleiterin Regine Roger-Knade hinterließ einen unaufgeregten, organisierten und irgendwie auch einen erlösten Eindruck, wohl in der Hoffnung im Kampf gegen die Corona-Pandemie endlich Erfolge zu erzielen.

Hohe Impfbereitschaft

Zum Ende des mehrstündigen Einsatzes hatten sich fast 90 Prozent der 82 Bewohner und 70 Prozent der 65 Mitarbeiter das Serum nach Aufklärungsgespräch und Einwilligungserklärung spritzen lassen. In drei Wochen wird die Aktion an gleicher Stelle wiederholt, um die Impfwilligen erfolgreich zu immunisieren.

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Zuerst waren die Angestellten an der Reihe, die extra aus ihrer Freizeit zum Impfen angerückt waren. Dann folgten die diensthabenden Kollegen und die Bewohner, die den Impfraum aufsuchen konnten. Zum Schluss ging es zu den schwereren Pflegefällen auf Station.

Der erste Serums-Empfänger – auch das sei an dieser Stelle erwähnt – war Fred Myrach, der die Technik der Einrichtung wartet und darauf hofft, bei den jahreszeitlichen Festen des Pflegeheimes möglichst bald wieder die Bratwürste auf dem Grill zu drehen.

Angesichts der Freiwilligkeit der Impfung war die Heimleiterin mit dem Ergebnis zufrieden. Ohne Unterton stellte sie fest, dass die Bereitschaft in den eigenen Reihen vor allem bei den älteren Semestern hoch sei, die zu DDR-Zeiten mit allen möglichen Impfungen ganz selbstverständlich groß wurden. Für die abwartende Haltung von Kollegen, Betreuten oder deren Angehörigen habe sie Verständnis.

Was die Hygienemaßnahmen betrifft, werde man so oder so nicht nachlassen. Ausgenommen Fälle, wo den alten Leuten das Tragen einer Maske aus gesundheitlichen Gründen einfach nicht zugemutet werden könne oder wo man auf diesen Schutz verzichten müsse, um zum Beispiel bei Demenz-Patienten den unverzichtbaren mimischen Kontakt herzustellen.

Sicherheitskonzept bleibt

Dass die Einrichtung seit zwei Wochen im Schnellverfahren Rachen- oder Nasenabstriche von Bewohnern, Gästen und Personal mit Hilfe geschulter Leute selbst testen kann, habe zur Sicherheit beigetragen und damit bislang auch einen Besucherstopp verhindert. Nach wie vor dürfen Angehörige unter strengen Auflagen täglich zwischen 14.30 und 17 Uhr nach Anmeldung und Schnelltest ins Haus. Wobei diese Sicherheit nicht zu einem trügerischen Gefühl werden dürfe, betont Regine Roger-Knade gerade, weil das Konzept bislang aufgegangen sei. Andere Einrichtungen hätten auch alles Menschenmögliche unternommen und seien am Ende doch nicht vom Virus verschont geblieben.

Wie wahr. Das machte Iris Schubert, Amtsärztin für den Landkreis Stendal, gestern auf einer Pressekonferenz deutlich. Von den 24 Pflegeheimen und zwei Wohnparks im Kreis seien nur 19 Einrichtungen frei von einer Covid-19-Infektion. „Und auch nur dort wird geimpft“, betont die Chefin des Gesundheitsamtes und erinnert an eine „alte“ Regel: „Impfe nie in eine Epidemie hinein.“

Stendal, dann Schollene

Nach Bismark und Seehausen wird das Mobile Impfteam am heutigen Mittwoch in Stendal die Immunisierung fortsetzen, im Borghardt-Stift und im Pflegeheim „Berliner Hof“. Bis über den Jahreswechsel soll laut Impfzentrumsleiter Cario eine Pause eingelegt werden. „Laut bisherigem Plan wollen wir am 4. Januar im Senioren-Wohnpark Schollene den mobilen Impfungseinsatz fortsetzen.“