Werben l "Das ist unser Kontrastprogramm“, sagt Ute Siedenhans, die mit ihrem Mann Johannes Zeilinger regelmäßig von der pulsierenden Hauptstadt Berlin ins beschauliche Werben wechselt, um neue Kraft zu tanken. An diesem Wochenende beleben beide die vom Wischeverein organisierte „KultourSpur“ mit und öffnen heute, morgen und übermorgen ihr Haus an der Promenade 1 gegenüber der Salzkirche.

Deshalb fuhren Ute Siedenhans und Johannes Zeilinger bereits am Donnerstag ins Elbstädtchen, um zwei Räume ihres sanierten Hauses mit Bildern zu schmücken. Es gibt Ausstellungen und Lesungen. „Wir machen gern mit. Uns macht es große Freude“, betont Johannes Zeilinger, der als Chirurg in der Hauptstadt tätig ist. Und sich auch im Arbeitskreis Werbener Altstadt (AWA) engagiert. Der AWA hatte entscheidenden Anteil daran, dass das Ehepaar viel Geld in das Häuschen investierte und dieses nun nach mehreren Etappen der Sanierung wieder neu hergerichtet wurde.

„Wenn Radler hier vorbeikommen, legen diese meistens einen Stopp ein“, beobachtete Ute Siedenhans und verweist auf die prominente Lage ihres Hauses in Nachbarschaft der Werbener Salzkirche. Einst waren die beiden Berliner hier mit ihren Rädern entlang gefahren, um das Städtchen Werben zu entdecken. Daran können sich beide noch sehr gut erinnern, als sie 2006 auf dem Elberadweg unterwegs waren. „Wir wären fast an Werben vorbeigefahren“, blickt Zeilinger zurück. Ein Mann, der sich in seinem Garten befand, rief ihnen nach: „Schauen Sie sich ruhig unseren Ort an.“ Beide waren begeistert, zunächst von der beeindruckenden St. Johannis-Kirche. Eine ausgelegte Broschüre vom AWA nahm Zeilinger mit – und nahm Kontakt auf. Schließlich verliebten sich die Berliner in den Ort. „Damals hatten wir jedoch nicht die Idee, hier ein Haus anzuschaffen.“ Doch eines Tages zeigten Verantwortliche des Arbeitskreises beiden „die Pflegefälle der Stadt“, meinte Ute Siedenhans, die als Pilotin tätig ist, die maroden Häuschen der Altstadt. Und dem AWA ist es gelungen, das Gebäude an der Promenade 1 den beiden sozusagen schmackhaft zu machen.

Das Ehepaar, das sogar in Werben den Bund der Ehe einging, fühlt sich an der Elbe wohl, engagiert sich gern für das über 1000-jährige Städtchen. Sowohl bei den Biedermeier-Märkten als auch bei der „KultourSpur“ wirkt das Duo gern mit. Die Freude auf die Pfingsttage ist groß. Beide hoffen, viele Besucher begrüßen zu dürfen. Ein Raum wurde am Donnerstag mit Fotografien von Anne Schwalbe dekoriert. „Sie hat gerade in Japan ausgestellt“, wusste Zeilinger von der Berliner Fotografin zu berichten. In einem anderen Raum stehen Bücher aus der Reihe „Naturkunden“ des Verlages Matthes und Seitz. Lesungen sind geplant. Eine wird Johannes Zeilinger als Protagonist übernehmen. Ein Besuch im Pariser Louvre inspirierte ihn, sich mit dem Buch „Der Schiffbruch der Fregatte Medusa“ näher zu beschäftigen, es zu lesen. Im Kunstmuseum der französischen Hauptstadt ist ein Gemälde des Romantikers Théodore Géricault zu sehen. Es nennt sich „Das Floß der Medusa“ und thematisiert den Schiffbruch, der sich 1816 ereignete. Das Floß musste damals 149 Menschen aufnehmen, irgendwann brach dann der Kannibalismus auf ihm aus, erzählt Johannes Zeilinger.

Für beide sind drei, vier Tage in Werben wie ein Kurzurlaub, den sich Ute Siedenhans und Johannes Zeilinger gern genehmigen. Und dieser ist nach der Sanierung des Hauses natürlich noch erholsamer. Obwohl es immer etwas zu tun gibt. Demnächst soll der Garten an der Promenade eins auf Vordermann gebracht werden.