Barsberge/Osterburg l Mitglieder der Jägerschaft Osterburg haben am Wochenende in den Räumlichkeiten des Forsthauses Barsberge ihre ursprünglich für den März geplante und damals coronabedingt ausgefallene Jahreshauptversammlung nachgeholt.

Zahlreiche Themen wurden an diesem Abend aufgegriffen, wobei ein aktuelles Ereignis den Kern der Waidmann-Versammlung bildete: Der Ausbruch der afrikanischen Schweinepest (ASP). „Das Thema ist sehr ernst und erfordert unsere vollste Aufmerksamkeit“, appellierte der Vorsitzende Lars Falke an die anwesenden Jäger. Waren bis dato insgesamt 40 Einzelfälle in Deutschland registriert, sei im eigenen Bundesland Sachsen-Anhalt bisher noch kein Fall bekannt. Gespannt verfolgen die Waidmänner die aktuellen Geschehenisse vor allem in Brandenburg.

Die Schwarzwildbestände liegen nach Einschätzung von Lars Falke derzeit auf einem hohen Niveau, ein Abwärtstrend ist nicht erkennbar. Der nochmals gesteigerte Maisanbau biete zudem eine optimale Äsung und Einstand für teilweise bis in den Oktober und somit die Hälfte des Jahres. „Wir haben im letzten Jahr eine absolute Rekord­strecke beim Schwarzwild erzielt“, berichtete Lars Falke. Insgesamt wären im Vorjahr 1849 Tiere erlegt worden. Dies sei eine Steigerung von 455 gegenüber dem Jahr 2018. „Die drohende ASP wird unsere Jagd, so wie wir sie kennen und lieben, gänzlich verändern.“ Der Vorsitzende forderte zudem auf: „Wir müssen jetzt Strecke machen so gut es geht, um eine Ausbreitung deutlich zu erschweren.“ Dabei dürfe allerdings nicht wahllos gegen das Schwarzwild vorgegangen werden. Es soll weiterhin waidgerecht gejagt werden.

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„Es steht eine hochbrisante Zeit vor uns“, mahnte auch Kerstin Brune vom Veterinäramt, die in einem Vortrag das Thema ASP näher beleuchtete. „Wir müssen wirklich schnell genug dabei sein. Es ist ein Geschehen, was nicht in einem halben Jahr erledigt ist.“ Die Veterinärin forderte die Jäger zudem auf, die Tiere zu beproben. „Lieber einmal mehr.“ Das Hauptaugenmerk liege auf eine zielgerechte Eindämmung und eine Vermeidung auf ein Überspringen der Hausschweinbestände. Die afrikanische Schweinepest sei am 10. September diesen Jahres erstmalig überhaupt in Deutschland registriert worden.

Zum allgegenwärtigen Thema „Wolf“ berichtete der Vorstand der Osterburger Jägerschaft über steigende Bestandszahlen mit immer mehr Konfliktpotenzial, bei Weidetierhaltern und Haustierbesitzern. Auffällige Tiere können jetzt entnommen werden, wobei sich eine Entnahme äußerst schwierig gestaltet. „Meiner Meinung nach, mahlen die Mühlen hier viel zu langsam“, machte Lars Falke deutlich.

Man habe jetzt schon den höchsten Wolfbestand in der Dichte und auch in der Fläche weltweit. „Wir dürfen unsere Population nicht als eigene Population sehen, sondern als Teil einer baltisch-osteuropäischen Population. Der Leidtragende wird am Ende der Wolf sein, da die Akzeptanz gerade auf dem Land mit steigenden Problemen weiter abnehmen wird“, warnte Lars Falke.

Zum Abschluss der Jahreshauptversammlung wurden zahlreiche Waidmänner für ihre jahrelange Mitgliedschaft in der Osterburger Jägerschaft vom Vorstand ausgezeichnet und entsprechend gewürdigt.