Osterburg l In festlicher Kleidung und sicherlich etwas aufgeregt nahmen die Neuntklässler auf der Bühne stolz ihre Urkunden und Präsente für ihre Jugendweihe in Empfang. Und doch war dieses Jahr alles anders: Denn die feierliche Zeremonie, organisiert von der Interessenvereinigung Jugendweihe, wurde aufgrund der pandemischen Lage zweimal verschoben. Corona machte den Terminen - der erste sollte im April vonstatten gehen - einen Strich durch die Rechnung. Doch dieses Mal klappte es. Das von den Organisatoren und der Stadt Osterburg erarbeitete Hygiene-Konzept hatte zur Folge, dass die Jugendlichen nicht wie gewohnt zusammen in der ersten Reihe Platz nahmen, sondern während der Veranstaltung bei ihren Familien saßen.

Und wenn es auch während der Feierstunde in der Osterburger Lindensporthalle am Sonnabend „mehr nach Desinfektionsmittel roch als nach Parfum“, wie die Stendalerin Janine Klesinski als Moderatorin etwas schmunzelnd erwähnte, ließen sich die Teilnehmer und Eltern diesen großen Tag nicht vermiesen. Gabriele Jacobs von der Interessenvereinigung bedankte sich bei den Jugendlichen und deren Eltern, die, bezogen auf die zweimalige Termin-Änderung, „so tapfer durchgehalten“ hätten. Das sei keineswegs selbstverständlich, stellte sie in anderen Regionen fest, dass Teilnehmer einen Rückzieher von der Jugendweihe machten.

Und so wurden in Osterburg in insgesamt drei Durchgängen 98 junge Damen und Herren auf die Bühne gebeten. Doch zuvor richtete sich Nico Schulz, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Osterburg, als Festredner an die Jugendlichen. Die Jugendweihlinge stünden am Sonnabend im Mittelpunkt, „weil ihr mit dem heutigen Tag die Kindheit verlasst und euch aufmacht, erwachsen zu sein“, sagte er. „Jeder von euch kann etwas, was andere nicht können. Seid stolz darauf! Baut darauf auf und vor allem baut darauf den Weg durch die noch unbekannte Zukunft“, wollte er den jungen Menschen Mut zusprechen. Schulz warb für unsere ländliche Region und hofft, dass einige der Neuntklässler im späteren Berufsleben in ihrer Heimat bleiben. „Wenn ihr mich fragt, ich würde unser Landleben nicht tauschen wollen gegen die Großstadt.“ Dass die Jugendweihlinge auch ihre Meinung jederzeit kund tun sollten, gab er ihnen mit auf den Weg. „Habt ihr keine Meinung und schweigt zu den Missständen der Zeit, gewinnen diejenigen, die für diese Missstände verantwortlich sind.“

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Für die musikalische Umrahmung während dieser Feierstunden konnten die Organisatoren drei Musiker der Magdeburger Rock-, Pop- und Jazzschule um Guido Kaepernick ins Boot holen, die auch auf humorvolle Weise demonstrierten, wie man einen Hit komponiert. Viele Wünsche begleiteten die Jugendweihe-Teilnehmer an diesem für sie großen Tag. Ein von Lyrikerin Elli Michler verfasstes Gedicht mit vielen Wünschen brachte Janine Klesinski näher: „Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden, jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden. Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben. Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!“