Osterburg l Ein fast volles Gotteshaus fanden „The Gregorian Voices“ vor, als sie sich an ihre Notenpulte stellten. Das bulgarische Vocal-Oktett gastierte am Dienstagabend in der evangelischen St.-Nicolai-Kirche. Die Sänger, die als Meister des Gregorianischen Chorals gelten, präsentierten Musik der katholischen Gregorianik, die auf den Papst Gregor I. (hatte das Amt von 590 bis zu seinem Tode 604) zurückgehen.

Schon bei ihrem langsamen und schweigenden Einzug in die dämmrige Kirche verbreiteten die in dunkelbraune Mönchskutten gekleideten Sänger ein mystisches Flair, das durch die Lämpchen an ihren Notenständern noch verstärkt wurde. „Erschloss sich mir doch damit und mit den herrlichen Choralgesängen, eine eigenartige neue Musiksphäre mit einem Hauch mittelalterlichen Klosterlebens“, sagte ein Gast des Konzertabends. „Das gut zweistündige Konzert war ein eindrucksvolles Erlebnis.“ Die lateinisch gesungenen Lieder der Gregorianik, hier in der Mehrzahl von italienischen Komponisten, sind von geistlicher Tiefe geprägt, die auch für den weltlichen Zuhörer deutlich spürbar ist. Die Nicolaikirche selbst war dafür ein geeigneter Aufführungsort.

Die acht Sänger unter Leitung von Georgi Pandurov und Ivan Uzunov boten ein breites Spektrum gregorianischer Musik – von einstimmigen Chorälen (zum Beispiel „Ave maris stella“) und orthodoxen Gesängen („Terrirem“ und „Polielej“ von Joan Kukusel) über Lieder der Renaissance und des Barock („Ave Maria“ von Josquin des Perez, „Lapidaverunt Stephanum“ von Matteo Asaia und „Cantate Domino“ von Heinrich Schütz) bis zu Madrigalen.

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Eine Besonderheit, die man im Repertoire vielleicht nicht vermutet hätte, waren einige Klassiker der Pop-Musik wie „Sailing“ von Rod Stewart, „The Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel, „Michelle“ von den Beatles und „Wind of Change“ von den Scorpions. Natürlich durften sich die Gregorians nicht ohne Zugaben vom begeisterten Publikum in der Nicolai-Kirche verabschieden. Dafür hatten sie „Amaging Grace“ und „We are the World“ mitgebracht. Großer Applaus als Lohn des Auftritts war den Sängern sicher.