Osterburg l Es gab noch Klärungsbedarf. Bevor sich der Osterburger Bau- und Wirtschaftsförderungsausschuss deutlich für ein jeweils den Windparks angepasstes Höhenlimit aussprach, sollten Fachleute berichten. So geschehen am Montagabend. Der mit der Erstellung des Flächennutzungsplans beauftragte Volker Herger nahm im Verwaltungssaal Platz, außerdem Fabian Schwarzlose, Leiter Projektmanagement beim Fefa Ingenieurbüro für regenerative Energien Stendal, und Björn Klefeker aus Bremen. Er ist Sachverständiger bei „T & H Ingenieure“, einem Büro für Umweltschutz und technische Akustik. „Ein unabhängiges Büro“, wie Schwarzlose sagte.

Bedeuten höhere Windkrafträder mehr Schall, mehr Belastung für die Bürger? Diese Frage stand über allen an diesem Sitzungsabend, schließlich geht es um die Frage, ob die Einheitsgemeinde Osterburg einen Schlussstrich am Windradhimmel zieht oder der Entwicklung freien Lauf lässt.

"Irgendwann wird's nicht lauter"

Die Einschätzung von Björn Klefeker, dargelegt in einem etwa halbstündigen Referat, war deutlich: „Die Höhe der Windkraftanlage hat keinen Einfluss auf den Schall. Der Schall ist abhängig von der Windgeschwindigkeit.“ Außerdem gebe es bei Windkraftanlagen einen maximalen Lärmpegel. „Irgendwann geht es nicht mehr lauter.“ Entscheidend sei die maximale Geschwindigkeit von 300 km/h an der Rotorblatt-Spitze, sie gelte für kleinere Anlagen genauso wie für große, fügte Schwarzlose hinzu. Maßgebend seien letztlich die gesetzlichen Vorgaben. Im Vergleich gesprochen sei es egal, „ob sie mit einem 30-PS-Auto nur 30 km/h fahren dürfen oder mit einem 300-PS-Auto“.

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Infraschall nicht mit bedacht

Wie es um den Infraschall steht, wollte Rainer Moser (CDU-Fraktion) wissen. „Eine Windkraftanlage erzeugt auf jeden Fall Infraschall“, äußerte Klefeker, „aber er ist bis dato nicht in die Genehmigungspraxis aufnehmbar“, weil er so schwer zu messen sei. „Es gibt dazu seitens des Gesetzgebers noch keine Regelungen.“ Wissenschaftliche Abhandlungen würden dieses und jenes sagen. Von einer Abschaltautomatik bei zu viel Schattenwurf sprach Klefeker noch und davon, dass beim Verdacht, Anlagen seien zu laut, die Genehmigungsbehörden Überwachungsmessungen anordnen können.

Bauamtsleiter Matthias Köberle berichtete, was bisher finanziell für die Einheitsgemeinde von den Windparks absprang: von 2017 bis 2020 insgesamt 31 000 Euro Spenden und 123 000 Euro aus Sponsoring. Darüber hinaus nahm Osterburg von 2015 bis 2020 gut 2,5 Millionen Euro an Gewerbesteuern ein.

Planer für einheitliches Limit

Wenn schon eine Höhenbegrenzung, dann eine pauschale für die ganze Einheitsgemeinde, plädierte Planer Herger. „Ich muss mich an den jetzt üblichen Windräder-Höhen orientieren und dazu noch etwas Raum geben, um keine Verhinderungsplanung zu haben.“ Wie hoch die Hersteller noch bauen, könne Herger nicht beantworten. „Das haben mir die Hersteller auch nicht gesagt, das ist ein Betriebsgeheimnis.“ Es gibt den Bereich der Flugsicherung, „aber es werden auch Wolkenkratzer von 1000 Metern Höhe gebaut, wir wissen es einfach noch nicht“. Herger betonte, dass der Gesetzgeber bereits Grenzwerte festgelegt hat, er sei nicht für Höhenbegrenzungen. „Schutz gibt es bei jeder Anlage, egal wie hoch.“

Abstimmung sechs zu eins

Die von der Verwaltung ausgearbeitete Beschlussvorlage sieht vor, dass für jeden Windpark in der Einheitsgemeinde verschiedene Höhenbegrenzungen gelten. Jeweils auf Basis von der Bestandshöhe plus fünf Prozent. Für den Kreveser Park würde dies ein Limit von 253 und für den Rossauer eines von 206 Metern bedeuten. Schließlich votierte das Gremium zunächst gegen ein pauschales Limit und dann mit sechs zu einer Stimme für die Höhenbegrenzung auf Basis jedes einzelnen Windparks.

Ratsmitglied Horst Guse (Die Linke) habe das Gefühl, „dass die Hersteller die Gesetzgeber vor sich hertreiben. Ich möchte nicht wissen, was sie schon alles auf dem Reißbrett haben“. Nach David Elsholz (Grüne/FDP) brauche Osterburg das Höhenlimit schon, „um die Bürger mitzunehmen, sie haben ja das Gefühl, sie werden erschlagen“. Ratsmitglied Thorsten Schulz (WG Land) sprach sich als einziger gegen ein Höhenlimit aus.

Am 6. Oktober hat der Hauptausschuss das Thema auf dem Tisch, am 27. Oktober fällt der Stadtrat wohl sein Votum.