Losse/Wohlenberg l Die harten Kontakteinschränkungen als Mittel gegen die Ausbreitung des Coronavirus legen auch Bereiche lahm, die Otto Normal-Verbraucher erst einmal gar nicht so erwartet. Betroffen ist nämlich auch die Landwirtschaft. Nicht unbedingt beim Tagesgeschäft in den Ställen oder auf dem Acker, aber zum Beispiel bei allen Tierschauen, die den Züchtern sonst zeigen, wo sie mit ihrer Arbeit stehen, die wichtig für die Vermarktung sind und den fachlichen Austausch beflügeln.

Auch Fleischrindzüchter wie Sören Clensmann sind betroffen. Dem Wohlenberger, der seine Brötchen sonst in der Agrargenossenschaft Lückstedt verdient, hat es im Nebenerwerb seit einigen Jahren das Fleckvieh angetan, das er als kleine Mutterkuhherde mit derzeit 28 Tieren (zehn Kühe plus Nachwuchs) hält. Die jährlichen Fleischrindtage, die die Rinder-Allianz Sachsen-Anhalt/Mecklenburg-Vorpommern immer im Frühjahr in Bismark veranstaltet, sind auch für den Landwirt ein Muss, weil er dort seine besten Tiere vermarkten und den männlichen Fleckvieh-Nachwuchs gekört bekommen kann.

An die zehn Jungbullen hat Clensmann in den vergangenen Jahren so für die Nachwuchsgewinnung auf den Mark gebracht. 2021 wollte er gleich mit zwei männlichen Tieren in die Schlacht ziehen, die wegen der Corona-Pandemie nun aus-, aber dank Internet doch nicht ganz unter den Tisch fällt, weil die traditionelle Auktion online stattfinden kann.

Am Montag war die schnelle Eingreiftruppe der Rinder-Allianz in der Halle des Losser Reiterhofes von Harriet Stoltenberg und Heinrich Ratsmann zu Gast, wo das Geschäft mit Gästen und das Vereinsleben der „Pferdefreunde“ in diesen Tagen auch zum Erliegen gekommen sind. Die Fachjury ist in diesen Tagen gefragt, um alle Fleischrindzüchter einzeln abzuklappern. Montag hatten die Fachleute allein fünf Höfe auf dem Plan. Insgesamt gilt es für die virtuelle Auktion über 100 Rinder zu beurteilen.

Für Sören Clensmann, der Verstärkung durch seine Lebensgefährtin Konstanze Born und Nachbarin Kim Witych beim Vorbereiten und Vorführen der Bullen erhielt, war der Montag ein voller Erfolg. Dante und Helge, die im Herbst 2019 das Licht der Welt erblickten, standen hoch in der Gunst der Fachjury und wurden zum Deckeinsatz unter dem Dach der Rinder-Allianz zugelassen. Noch sind die beiden Jungtiere erst knapp 800 Kilo schwer. Im besten Mannesalter wird das Lebendgewicht pro Tier bis zu 1,3 Tonnen betragen, ist sich Clensmann sicher. Das Körurteil ist aus zweierlei Sicht wichtig. Für den Züchter steigt der Verkaufswert der Tiere erheblich, wenn sie in die Zucht und nicht ins Schlachthaus gehen. Und die beiden Bullen haben ein paar vergnügliche Jahre unter vielen Kühen vor sich.

Für den Katalog wurden die beiden Rinder im Standbild und dieses Mal auch per Video festgehalten, weil die Live-Veranstaltung ausfällt, potenzielle Käufer die Tiere aber trotzdem in Bewegung sehen wollen.

Die Fleischrindbullen-Auktion geht übrigens am Dienstag, 2. März, ab 13 Uhr auf der Plattform von Live-Sales über die Bühne. Näheres zum Prozedere bei der Rinder-Alianz unter www. rinderallianz.de.