Werben l Holger Schaffranke vom Kommandeurhaus Werben hat es ja gleich am Anfang gesagt. Der Gast des Abends ist selbst ein Phänomen, „gar nicht so einfach zu fassen“. Stefan Hufschmidt, der am Sonnabend rund 45 Gästen „seinen Bob Dylan“ vorstellte, wirkt als Schauspieler, Comedian, Musiker, Autor – und das merkte man. Schon an den ersten Sätzen. Der aus Mühlheim an der Ruhr Stammende sagte nicht „schön, dass sie alle da sind“, sondern hob an mit den Worten „ein staubiges Café im Westen“. In diese Szenerie nahm er seine Zuhörer im Verlaufe des Abends immer wieder. Keine Frage: Die Veranstaltung unter der Überschrift „Dylan Passion“ folgte einer gekonnten Dramaturgie. „Man merkt, dass er Schauspieler ist“, sagte Zuhörer Ingo Hoffmann alias Hoffi, der selbst durch Bob Dylan zur Musik gekommen ist. Hufschmidt indes verriet, dass er ein spätberufener Dylan-Fan sei, früher eher Neil Young hörte. Aber dann habe ihn dieser Dylan doch eingenommen: „Ich merkte, der singt live ganz anders als auf der Platte.“ Hufschmidts erste Dylan-Erkenntnis war da schon geboren: „Der Song wird erst zum Song durch die Interpretation.“

Künstler und Mensch trennen

Der erste Song, den Hufschmidt am Sonnabend zum Besten gab, war „Blowin‘ in the wind“. Es folgten Klassiker wie „Like a rolling stone“, aber auch weniger bekannte Songs. Für jene, die Hufschmidt besonders am Herzen liegen, stand er auf, die Mundharmonika um den Hals, die Gitarre in der Hand. Die historische Bedeutung Dylans sieht Hufschmidt darin, „dass er zur Schnittstelle zwischen Blues, Folk und Rock‘N‘Roll wurde“. Auch darin, „dass Revolte zum ersten Mal über etwas anderes ausgedrückt wurde als über den Schwanz“. Ein Protestsänger sei Dylan aber nie gewesen. „Das ist ein Cliché, Dylan hat vor allem dagegen protestiert, was andere aus ihm machten. Der echte Dylan ist ein Phantom, zwischen Wahrheit und Legende.“ So tue man gut daran, den Künstler vom Menschen Dylan zu trennen.

Letzteres hat Hoffi längst getan. 2017 erlebte er Dylan in Rostock im Konzert. „Die Musik war großartig, seinen Fans hat Dylan aber null Wertschätzung gegenüber gebracht. Er ist eine Diva.“ Auf Dylans Musik will aber auch Hoffi nicht verzichten. So kam es am Sonnabend nach offiziellem Part noch zu einer eineinhalbstündigen Session, bei der auch Hoffi beseelt zur Klampfe griff.

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