Osterburg l 2014 trat Heinz-Jürgen Vollmer als einziger Bewerber der Bündnisgrünen für den Stadtrat an, fünf Jahre später klinkt sich ein Trio in das Osterburger Wahlgeschehen ein. Die zunehmende Präsenz der Grünen an der Biese hat aber nur bedingt mit dem Meinungshoch zu tun, dass die Partei derzeit bundesweit genießen kann. Mindestens ebenso zahlt sich aus, dass mit dem gebürtigen Berliner und früherem Boocker David Elsholz ein ehemaliger Kreischef der Grünen nach Osterburg gezogen ist. Mit dem Rengerslager Heinz-Jürgen Vollmer „schon über die Partei bekannt“, entwickelte sich über Aufräumaktionen in der Natur auch ein Draht zu dem auf diesem Feld besonders rührigen Osterburger Fabian Rieger.

Nun wollen die drei Bewerber das Vermüllen der Landschaft auch als Akteure auf der lokalpolitischen Bühne an den Pranger stellen. Und gleichzeitig aus dem künftigen Stadtrat heraus, „Aufräum- und Umweltinitiativen der Bürgerschaft besser begleiten und unterstützen. Gemeinsam mit Kommune, Vereinen, Gruppen und Firmen soll an Lösungen gearbeitet werden, wie das Müllproblem bewältigt oder zumindest deutlich verringert werden kann“, erklärt Fa­bian Rieger. Ebenso wie David Elsholz und Heinz-Joachim Vollmer will sich der Biesestädter für den Artenschutz und eine sachliche Informations­kultur zum Thema Wolf einsetzen. Nicht zuletzt unterstützt das Trio die gerichtliche Auseinandersetzung der Einheitsgemeinde gegen die Erlaubnis des Landesverwaltungsamtes zur Erweiterung der Schweinehaltungsanlage in Wasmerslage. Und plädiert für eine naturverträgliche Entwicklung touristischer Angebote.

Ratskandidaten sehen Marktneubau kritisch

Dringlich angeraten sei es auch, die Kommune für eine nachhaltige Standortentwicklung zu sensibilisieren. So begrüßen die Männer, dass die Einheitsgemeinde das bestehende Verwaltungsgebäude zum neuen Hort umgestalten will, „anstatt einen Neubau auf die grüne Wiese zu setzen.“ Als Negativbeispiel führen die Kandidaten den geplanten Norma-Neubau im Osterburger Norden ins Feld. „Der bedeutet zum einen unnötigen Flächenfraß/Versiegelung, zum anderen aber auch den Leerstand des bisherigen Marktgebäudes an der Ballerstedter Straße.“

Ebenso fremdeln Elsholz, Rieger und Vollmer mit dem Erscheinungsbild des Osterburger Haupteinkaufsbereichs. Die Pflanzenarmut in diesem Quartier dürfe nicht in Stein gemeißelt sein. „Stadtplanung der Zukunft heißt mehr Grün, weniger Beton“, so die Ratskandidaten, die dafür eintreten, die Grünflächen in Osterburg sowie den Dörfern zu erweitern. Auch ein Ärgernis, dass in der jüngeren Vergangenheit öfter für Zündstoff sorgte, haben die Männer auf dem Zettel: Plane die Kommune wieder Baumfällungen, sei sie in der Pflicht, im Vorfeld besser darüber zu informieren. „Einwohner müssen die Möglichkeit haben, sich gegen Baumfällungen auszusprechen“, fordern Vollmer, Elsholz und Rieger ein.

Abseits von Natur- und Umweltschutz haben die drei Stadtratskandidaten die Lebensqualität in der Stadt sowie den Ortschaften im Blick. Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche seien zu erhalten und durch einen Streetworker zu ergänzen, zudem könnten jüngere Einwohner durch Naturbildungsprojekte wie beispielsweise Pflanzaktionen mehr für die Umwelt sensibilisiert werden. Ähnliche Umwelt- und Natürschutzprojekte seien auch in den kommunalen Schulen und Kindertagesstätten denkbar.

Ein Jugendparlament für Osterburg

Mit Blick auf die Kernstadt sprechen sich die drei Kandidaten für eine Belebung des Wochenmarktes sowie die Entwicklung hin zu einer „fahrradfreundlichen Kommune“ aus. Gleichzeitig sei die Einheitsgemeinde gefordert, die Dörfer lebenswert zu erhalten und gleichzeitig attraktiv für Rückkehrer, Hierbleiber und Zuzügler zu gestalten. So könnte die Kommune den Ausbau oder Wiederaufbau alter Höfe und Gebäude unterstützen, regen die Männer an.

Unter dem Stichpunkt Bürgerbeteiligung fordern die Stadtratsbewerber mehr Sprechstunden sowie eine Beteiligung der Jugend an kommunalpolitischen Entscheidungen ein. „In Seehausen arbeitet bereits ein Jugenparlament, das wäre sicher auch für Osterburg denkbar“, nennt David Elsholz ein Beispiel. Mit Blick auf die Sicherung der Gesundheitsversorgung begrüßen die Grünen das von Bürgermeister und Einheitsgemeinde angekurbelte Ärzteprojekt. Zudem sollte die Kommune aber auch weitere Möglichkeiten ausloten, wie Mediziner für die Region gewonnen werden können. So sei es aus ihrer Sicht vorstellbar, dass die Kommune die Ausstattung von Arztpraxen unterstützt oder sogar gänzlich übernimmt, machten die drei Stadtratskandidaten deutlich.