Krumke l Stefan Baumann zieht es immer wieder ins Kavaliershaus. Zum einen als Musiker beim orientalischen Jazzensemble „LebiDerya“, zum anderen als Künstleragent. Beides eigentlich, so wie beim Töne-und-Tropfen-Konzert am Freitag. Aber das spiele an Abenden wie diesem absolut keine Rolle, wischt der Bassklarinettist die Frage beiseite.

Wichtig seien doch nur zwei Dinge: die Zuhörer und die Musik. Da ist der Berliner voll in seinem Element, spricht aus Erfahrung. „Das Krumker Publikum ist einfach grundehrlich“, das spüre man sofort von der Bühne herunter, vergisst Baumann die „positiv lebendige Energie hier“ aus zurückliegenden Auftritten nicht mehr und lädt seine Akkus damit auf. Oftmals kein Vergleich zum Erleben in Clubs der Großstadt, wo die Leute manchmal nur noch abgestumpft konsumieren würden. Im Vorbeigehen sozusagen. „Da ist man nicht richtig miteinander verbunden.“ Darum hole er immer wieder gerne einen Künstler raus aufs Land. Manchmal auch sehr spontan; so wie zum „Wohnzimmerkonzert mit Mimi“ – bürgerlicher Name: Sarah Müller-Westernhagen.

Berühmter Name bleibt Randnotiz

Eine Randnotiz, mehr nicht, bitte nicht – auch wenn der Name natürlich Zugpferdcharakter besitzt und einen Teil der etwa 100 Gäste an diesem warmen Sommerabend in den lauschigen Cafégarten zieht.

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Mimi selbst reitet nicht drauf rum, erwähnt die Wurzeln als Tochter des berühmten Vaters Marius mit keiner Silbe während des anderthalbstündigen Open-Air-Konzerts. Nicht nötig. Die britische Popsängerin hat ihr eigenes Zaumzeug dabei; galoppiert sicher mit enormer stimmlicher Brandbreite durch größtenteils selbst komponierte Lieder. Sie hat ihr Handwerk gelernt, das musische Gen geerbt vielleicht auch, doch da ist mehr.

Etwas, das man selbst erfahren haben muss. Die Sehnsucht nach einer Umarmung zum Beispiel kauft man der zwischen London und Berlin pendelnden Künstlerin im Lied und gleichnamigen Debütalbum „Road to Last Night“ von 2011 ohne Frage als echt ab. Verzweiflung, Einsamkeit, Trauer, Wut, Hoffnung – Mimi setzt sich in ihren Songs mit allem, was die Liebe so an Gefühlen mit sich bringt, auseinander und zeigt den aufmerksam, in zum Teil mitgebrachten Garten- und Campingstühlen versunkenen Gästen damit vor allem „the dark side of beeing in love“. Ihr treuer Begleiter – die Akustikgitarre – scheint fast zu groß für die zarte Gestalt. Die besungenen Themen zu traurig für die zwischen den Liedern temperamentvoll auftretende, herzhaft lachende 30-Jährige.

Es beginnt mit einem zart ins Mikrophon gehauchten, unaufgeregten und fast scheuen „Hallo, ich bin Mimi“, viel mehr deutsche Worte spreche die schon an der Seite von Till Brönner bei X-Factor vor der Fernsehkamera Tätige nicht, denn „my german is terrible“.

Ein unaufgeregtes Ende

Und darum geht sie mit Stefan Baumann nicht nur musikalisch via Bassklarinette in den Dialog. Die beiden haben einen Draht zueinander. Auch persönlich. Das entgeht dem zum Schmunzeln angeregten Publikum während der Deutsch-Englisch-Übersetzungen zwischen den gut 15 Liedern nicht. Überhaupt scheint niemand etwas verpassen zu wollen: „Alle sind so aufmerksam dabei hier“, das beeindrucke sie, gehe ihr ans Herz und sei sie erst recht von Open-Air-Veranstaltungen nicht gewohnt, wo „alles schnell mal auseinander fleddere.“

Es endet ähnlich wie es begann. Zart, unaufgeregt, allerdings mit einem Applaus ganz ohne Scheu nach einer Zugabe, die passender nicht sein könnte „Don’t go…“