Osterburg/Erxleben l Der erste Übergabetermin musste abgesagt werden, Mira ging es zu schlecht. Am Dienstag aber strahlte sie, vom Krebs gezeichnet, aber sie strahlte. Und sie konnte alleine gehen. Es gab Zeiten im Rollstuhl, schlimme Phasen auf der Intensivstation, Zeiten, in denen Mira gar nicht sprechen konnte. Ein Klacks dagegen gestern, dass die Runde im Büro von Elke Hein, der Schulleiterin des Osterburger Gymnasiums, Mira wegen der Ansteckungsgefahr nicht die Hand geben durfte. Sei‘s drum, die freudige Botschaft war auch so übermittelbar. Mira Wendt und ihre Eltern Cora Müller und Steffen Wendt bekamen von den Schülern des Osterburger Gymnasiums einen Scheck in Höhe von 5062 Euro überreicht. Dies sind 60 Prozent des während des Stadt- und Spargelfestes 2019 in der Breiten Straße Osterburgs erlaufenen Spendengeldes der Schüler. Nahezu alle Schüler des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums hatten sich dafür laut Tradition einen Paten aus ihrer Familie oder der lokalen Wirtschaft gesucht. Pro abgestempelter Laufrunde wurde ein vorher festgelegter Betrag gespendet. 8436,60 Euro kamen auf diese Weise zusammen. Ein Teil sollte für die weitere Gestaltung des Schulhofes Verwendung finden, ein anderer für einen sozialen Zweck. Und da kommt Miras Mitschülerin und enge Freundin Juliana Zander ins Spiel. „Sie hatte vorgeschlagen, dass wir für eine Echthaarperücke sammeln“, erinnert sich Elke Hein. Dies aber hatte sich dann anders geregelt. Der Wunsch, Mira zu helfen aber blieb bestehen. Über die prozentuale Verteilung stimmten die Schüler der Schule ab. „Das meiste sollte für Mira sein, ein eindeutiges Ergebnis“, sagt Elke Hein.

Und die Familie kann es laut Miras Mutter wirklich gut gebrauchen. Zwar seien die OP und die noch laufende Chemo-Behandlung über die Krankenkasse abgedeckt, „aber nicht die Komplementärbehandlungen, die Mira so gut tun“. Obwohl Miras Bein dank einer künstlichen Prothese zum Glück erhalten werden konnte, müsse die Familie im Haus ein paar Umbauarbeiten vornehmen.

Mira und ihre Eltern sind voller Dank. Dafür, dass die hiesigen Ärzte sofort die richtige Entscheidung getroffen haben „und wir uns hier auch in der Nachsorge so aufgehoben fühlen können“. Dank ihrer Mitschüler und Lehrer Peter van Meegen, der Mira an freien Tagen unentgeltlich bei ihr zu Hause Mathematik- und Ethikunterricht gibt, gelingt Mira der große Wurf, trotz schwerer Erkrankung schulisch am Ball zu bleiben.

Angefangen hatte es mit Schmerzen im Knie. Die Diagnose hieß Osteosarkom, im Volksmund „Knochenkrebs“. Die Nachricht, dass die Schüler für Mira laufen, hatte die Familie gerade in einem Tiefpunkt erwischt. „Und ehrlich, von da an ging‘s bergauf“, sagt Miras Mutter. Für kurz nach Weihnachten ist die letzte Chemo-Einheit geplant. „Das nächste Jahr soll wieder ein schönes werden“, sagt Mira. Und lächelt wieder.