Iden l Die Mitglieder des Kreisbauernverbandes Stendal wollen Zusammenhalt demonstrieren und bei wichtigen Themen mit einer Sprache sprechen. „Nur gemeinsam können wir politische Ziele erreichen und der Druck dazu ist groß“, betonte Andrè Stallbaum, Vorsitzender des Verbandes, während seiner Rede vor Mitgliedern in der Mensa der Idener Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG). Dort trafen sich die Landwirte zur jährlichen Mitgliederversammlung, wo zunächst ein interner Teil mit der Entlastung des Vorstandes vorgesehen war.

Die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre mit den Dürreschäden brachte viele Landwirte an ihre Existenzgrenze. „Einige haben es nicht geschafft“, musste André Stallbaum im Rechenschaftsbericht bilanzieren. Beim Wetter können die Bauern nur wenig Einfluss nehmen, dafür möchten sie aber auf politischem Terrain gehört werden. Beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sei dies nicht der Fall. Stallbaum untermauerte dies mit der Diskussion zur Düngeverordnung für 2020, weitere Verschärfungen sind geplant. „Hier ist so viel Sprengstoff drin, dass man sich fragen muss, ob das BMEL noch ein Ministerium für Landwirtschaft ist.“

Kritik richtete er auch gegen das Agrar-Paket der Bundesregierung. Der Respekt vor der Leistung im Naturschutz des Berufsstandes sei auf bundespolitischer Ebene verlorengegangen. Ein Leidthema für Landwirte ist der Pflanzenschutz. „Nicht nur Glyphosat, sondern allgemein die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln stellt uns und auch die vorgelagerten Bereiche wie Saatguthersteller vor neue Herausforderungen. Wir müssen hier die Forderung aufmachen, dass strikte wissenschaftliche Bewertungen für den Pflanzenschutz gelten.“ Vogelschutzgebiete, Natura 2000, FFH-Gebiete – für die Landwirte wird der Raum zunehmend weniger oder wie es André Stallbaum ausdrückte: „Die Luft wird so dünn, dass es nicht mehr zum Leben reicht“.

Bilder

Eine weitere Baustelle, die den Landwirten Kopfzerbrechen bereitet, ist die zunehmende Entfernung „zwischen uns Landeiern und den hippigen Konsumenten“. Die Gesellschaft sei satt - „und das ist auch gut so“. Was jedoch nicht gut sei, wie Stallbaum sagte, sei das permanente Sticheln großer Umweltorganisationen, so dass die hiesige, äußerst engmaschige und streng kontrollierte Lebensmittelerzeugung an den Rand ihrer wirtschaftlichen und emotionalen Existenz gebracht werden würde. „Keine Werbung auf Grundnahrungsmittel und kein Verkauf dieser unter dem Einstiegspreis. Das wäre mal ein Gesetz, welches uns weiterhelfen könnte, ohne gleich wieder den Sozialismus ausrufen zu wollen“, machte der Vorsitzende deutlich, dass beispielsweise Brot- und Getreideprodukte, Milch, Eier und auch Fleisch in deutschen Landen günstiger sind als in anderen Ländern und die Produzenten daran nicht viel Gewinn erzielen.

Die Bevölkerung auf dem Erdball wächst. Und das dies Auswirkungen auf die produzierende Nahrung haben wird, sollte klar sein. Dass voraussichtlich jedoch 70 Prozent mehr Lebensmittel im Jahr 2050 benötigt werden als aktuell, ist eine Größenordnung, die  Prof. Hannelore Daniel in ihrem Vortrag „Lebensmittel, Ernährung, Gesundheit - Quo vadis“ den Anwesenden näher brachte. Die Prognose besagt weiterhin, dass im Jahr 2050 rund zehn Milliarden Menschen auf dem Planeten leben. Besonders in Afrika, so Daniel (Prof. für Ernährungsphysiologie an der TU München), müsste man tätig werden. Wissenschaft und Know-How der modernen Welt sollten dort zum Tragen kommen, „um eine zukunftsfähige Welt zu schaffen“.

Zu den Gästen zählte neben dem designierten Landrat Patrick Puhlmann und Bürgermeistern der Region auch Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt.