Seehausen l Es liegt in der Natur der Sache, dass Einzelhändler ihre Auslagen in der Regel als Blickfang gestalten. In diesen Tagen sehen die Schaufenster der Seehäuser Innenstadt jedoch noch etwas bunter und lebendiger als sonst aus. Kein Wunder: Die Malfrauen aus der Hansestadt und Krüden haben die Ladenzeile wieder zur Sommerkunstmeile gemacht.

Zum vierten Mal nutzen die Pinsel und Stifte schwingenden Damen den Einzelhandel als Plattform, um ihr kreatives Hobby den gesamten August über in Schaufenstern zu präsentieren. In den Auslagen von etwa 30 aktuellen, aber auch geschlossenen Geschäften sind die Zeichnungen, Aquarell-, Acryl- und Ölbilder zu sehen. 19 Malfrauen steuern aus ihrem Schaffen Landschaften, Motive aus der Stadt und den Umlanddörfern, Stillleben, Porträts von Menschen oder Tieren und vieles andere bei. 2019 sollen es um die 200 Werke gewesen sein. In diesem Jahr seien es einige mehr, ist die Vielbaumerin Marianne Emme überzeugt. Sie ist der Aktion von Anfang an treu, wie die meisten Damen zumindest in der Altmark mittlerweile ausstellungserprobt und doch jedes Mal wieder aufgeregt, machte sie lächelnd deutlich. Bei der 4. Sommerkunstmeile hat sie besonderen Grund zur Freude. Ihre Enkelin Pia Emme ist mit 16 Jahren das erste Mal dabei und die jüngste Ausstellerin. Die Vielbaumerin, die ihr Abitur fest im Visier hat, malt seit dem fünften Lebensjahr, versucht sich in vielen Techniken, geht ihrem Hobby bislang aber eher alleine nach. Ihre Werke sind im Eingangsbereich von Buness zu finden.

Die Bilder der Malfrauen sind neben den Schaufenstern der Großen Brüder- oder der Mühlenstraße übrigens auch am Markt, am Schwibbogen und sogar in der Steinstraße präsent – zum Beispiel dort, wo die Stadtinformation mal zwischenzeitlich ihr Domizil aufgeschlagen hatte.

Bilder

Dass die vierte Sommerkunstmeile eine ganz besondere ist, machte Christine Kloss aus Wanzer bei der Ausstellungseröffnung am Sonnabendvormittag auf dem Platz Am Markt deutlich. Sie dankte einmal mehr für die Möglichkeit, sich einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu dürfen, sah die Aktion in diesem Jahr aber auch besonders als ein Stück Solidarität mit dem Einzelhandel. Der habe es derzeit ohnehin schwer, leide in Corona-Zeiten aber besonders, wie jüngste Geschäftsschließungen zeigen. Die Hobbykünstlerin appellierte an die Seehäuser und die Umlandbewohner, ihre Stadt nicht im Stich zu lassen.

Dass es jetzt ausgerechnet auch das Geschäft betrifft, in dem Claudia Preuschoff lange ihren Arbeitsplatz hatte, sei besonders bitter. Denn sie sei eine der wichtigsten Initiatoren für die Sommerkunstmeile, aber auch für viele andere Aktionen des öffentlichen Lebens der Stadt. Wohin es sie beruflich verschlägt, weiß die mit Blumen Geehrte noch nicht. Aber sie versicherte zumindest, auch diese Aktion nicht aus den Augen zu verlieren.

Bürgermeister Detlef Neumann bedankte sich bei den Malfrauen für die kreative Unterstützung und stimmte zu, dass die Kunden am Ende den größten Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen haben, Geschäfte zu eröffnen, zu halten oder zu schließen. Den Hobbymalerinnen wünschte er Energie, Gesundheit und guten Umsatz. Denn die meisten der Bilder sind auch zu haben.