Iden l Den Hut haben die Landsenioren Osterburg auf, aber die Berufskollegen aus Stendal und Havelberg waren wie gewohnt mit von der Partie. Dazu Landsenioren aus Salzwedel, Gardelegen, der Prignitz sowie Gäste aus Betrieben. Zwischen 120 und 130 Personen saßen am Dienstag in der Mensa der LLG Iden, das Berufsleben zumeist lange hinter sich, aber den Blick aufmerksam nach vorn gewandt. Dieses Mal zum emeritierten Prof. Dr. Otto Kaufmann, dem einstigen Leiter des Fachgebietes Tierhaltungssysteme und Verfahrenstechnik an der Humboldt-Uni Berlin und Dr. Matthias Löber, dem Geschäftsführer der Rinderallianz.

Laut Hans-Joachim Kricheldorf, dem Vorsitzenden der Osterburger Landsenioren, steht unterm Strich von Kaufmanns Vortrag die Botschaft: „Die effektivsten Milchbetriebe überleben. Und dies sind meistens die größeren.“ Das zeige ja allein der Blick auf Sachsen-Anhalt, wo sich die Zahl der Milchbetriebe seit 2007 von 594 auf 337 fast um die Hälfte reduziert hat, wobei die Milchkuhanzahl aber nur von 122.000 auf 110.000 sank.

„Das ist nun mal der Prozess der Konzentration“, so Kricheldorf, der Löbers Vortrag nicht umsonst mit Kaufmanns zusammenbrachte. „Vor dem Hintergrund, dass die Milchkuh möglichst effektiv sein muss, ging es in seinem Vortrag ja darum, wie man dies erreicht.“ Die Zucht müsse ganz klar vermehrt auf Gesundheitsmerkmale hinwirken, was eine ziemliche Herausforderung sei, denn diese Merkmale hätten nur einen Erblichkeitsgrad von unter einem Prozent. Sie zu forcieren, bedürfe auch verfeinerter Zuchtmethoden, etwa der genomischen Typisierung über das Gewebe der Tiere.

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Eine rund 25-köpfige Gruppe schaute sich nach den Vorträgen unter Führung von Thomas Engelhard, dem Dezernatsleiter Milchviehhaltung und Zucht, noch in der Idener Milchviehanlage um. Kricheldorf betonte gestern einmal mehr die Weltklasse der Idener Milchkühe, „zumal unter diesen schlechten Bedingungen“. Dies bezogen auf die betagte Anlage, die ja aber ersetzt werden soll. Ob wieder für eine Größenordnung von wie jetzt 400 Milchkühen oder ob womöglich für eine weitaus kleinere Herde, soll laut Landwirtschaftsministerium noch im ersten Quartal dieses Jahres entschieden werden.

Was machen die Landsenioren nun mit ihrem Fachwissen? Im Berufsleben stehen sie ja nicht mehr. „Wir sind Lobbyisten“, sagt Kricheldorf unumwunden. Lobbyisten der Landwirtschaft, die am Ball bleiben wollen. Und sich freuen, dass dies offenbar sehr geschätzt wird. Jedenfalls habe Kricheldorf noch nie ein Problem damit gehabt, „namhafte Wissenschaftler für unsere Vortragsveranstaltung zu re­krutieren“.