Krumke l Die Bäume sind bereits markiert. An 450 Buchen und Eichen verschiedensten Alters im Krumker Wald prangen dezente schwarz-weiße Plaketten mit dem Aufdruck RKA für Ruheforst-Krumke-Altmark und einer Nummer. „Die Bäume wurden per GPS ausgelesen, so heißt es genau“, sagt Annegret Spillner, Betreiberin des Kavaliershauses Krumke.

Annegret Spillner? Ja, die 34-Jährige wird zum Team des Ruheforsts Krumke gehören. Vielmehr noch, sie baut das Drumherum mit auf, sucht aktuell weiteres Personal. Das mag eine Überraschung sein, „für mich ist es ein Wink des Schicksals“. Denn die Corona-Pandemie geht am Kavaliershaus naturgemäß nicht spurlos vorbei. „Es ist wirklich schwer, von der Novemberhilfe ist gerade mal die Anzahlung angekommen und wir haben Mitte Januar.“

Doch Corona ist das eine, das andere, dass sich die mittlerweile in Stendal Wohnende ohnehin weitestgehend aus dem praktischen Geschäft des Kavaliershauses rausgezogen hatte, „ich mache mehr das ganze Administrative im Hintergrund, bin zufrieden, wenn das Kavaliershaus gut läuft“. Das tat es und werde es hoffentlich bald auch wieder. Das Café hat in der Region Rang und Namen – und einen guten Namen soll nun auch der Ruheforst Krumke bekommen. „Ich mag es, etwas mit aufzubauen, es Menschen schön zu machen.“ Deswegen hat sich Annegret Spillner auch das Seehäuser Torwärterhäuschen gesichert (Volksstimme berichtete), es soll zum Kreativort werden, habe aber im Moment keine oberste Priorität.

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Der Besitzer des Krumker Waldes, Adrian von Bernstorff, war schon vor längerer Zeit an Annegret Spillner herangetreten. Ob sie sich vorstellen könnte, ihn beim Ruheforst zu unterstützen. In welcher Form auch immer, Annegret Spillner hatte Bereitschaft signalisiert. Als im Oktober schließlich die lang ersehnte Genehmigung der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Stendal eintraf, trat von Bernstorff konkret an sie heran – und Annegret Spillner sagte auch angesichts der aktuellen Lage konkret Ja. Das Team soll voraussichtlich vier Personen stark werden, eine weitere Frau habe Annegret Spillner schon an der Hand. Die Homepage erstellen, Flyer fertigen, mit Bestattern Kontakt aufnehmen, „im Moment mache ich alles“.

Arbeiten im Wald beginnen in Kürze

Gerade fand gemeinsam mit Dipl. Forstwirt Ralf Abbas, dem Geschäftsführer der Graf Bernstoff‘schen Forstbetriebe, und einem Unternehmen eine Begehung des künftigen Ruheforsts statt. Ein paar Leistungen sollen vergeben werden: Die Zuwegung muss in Ordnung gebracht, Parkmöglichkeiten geschafft, der Andachtsplatz im Wald samt kleiner Zuwegung aus Holzhackschnitzeln hergestellt werden. „Auch ein paar Spuren von der Arbeit der Forstwirtschaft werden noch beseitigt, aber alles ganz sensibel“, so Abbas.

Wenn der Stadtrat Osterburg am 16. Februar sein Okay zu den vorbereiteten Beschlüssen bezüglich des Betreibervertrags zwischen Ruheforst und Stadt sowie der Friedhofssatzung gibt, wovon auszugehen ist, können die ersten Einzelführungen stattfinden. „Vorher nicht, das Offizielle muss erst durch sein“, sagt Annegret Spillner.

Nach den Beschlüssen folgt die Umwidmung zum Ruheforst, die Eröffnung ist für Karfreitag (2. April) geplant. „Danach können schon Beerdigungen stattfinden“, so Annegret Spillner, die sich mit dem Ruheforst ein für sie völlig neues Terrain begeht. „Ich bin beeindruckt, wie breit gefächert das ist.“ Zum Beispiel könnte sie sich gut vorstellen, dass die vorgeschriebenen biologisch abbaubaren Urnen auch hier hergestellt werden. „Damit könnte sich jemand ein neues Geschäftsfeld eröffnen und wir hätten besondere Urnen aus der Region im Angebot.“ Die Gedanken gehen derzeit in viele Richtungen. Für Annegret Spillner vor allem in die richtige. „Es ist so schön, dass man den Ruheforst gut mit dem Kavaliershaus verbinden kann.“ Trauercafés und gar -feiern gab es dort ohnehin öfter, „das passt gut zusammen, auch mit dem Krumker Park“. Dazu die Krumker Kirche als Ort für Trauerfeiern.

Nachfrage ist ungebrochen hoch

Die Nachfrage nach dem Ruheforst ist ungebrochen hoch. Wie Ralf Abbas informiert, halten einige Bestatter bereits Urnen mit Totenasche bei sich zurück, da die Beerdigung auf Wunsch der Verstorbenen oder Angehörigen im Ruheforst Krumke stattfinden soll. Abbas geht davon aus, dass die 450 Bäume mit je maximal zwölf Urnenplätzen schon in zehn bis 15 Jahren belegt sind. Danach könnte der Ruheforst um vier Hektar erweitert werden.

Die Telefonnummer des Ruheforsts Krumke 0152/07665549 ist ab sofort geschaltet. Einzelführungen sind aber erst nach Stadtratsbeschluss am 16. Februar möglich. Termine dafür können bereits jetzt vereinbart werden.