Eichstedt l Karlheinz Schwerin ist selbst eine Leseratte. Er liest „alles“ und das „schon immer“. Besonders viel las der 69-Jährige vom US-amerikanischen Schriftsteller James A. Michinger. Aber das muss doch nicht in die Zeitung, oder?

Nun, es hat schon etwas mit dem Thema zu tun. Immerhin eröffnet Eichstedts Bürgermeister in der nächsten Woche im so genannten Gemeinde- und Vereinstechnikzentrum (Bahnhofstraße 4, alte Konservenfabrik) so etwas wie eine kleine Bücherei. Dort, wo Vereine, die Gemeinde und Feuerwehr „Dinge“ lagern, haben sich in den zurückliegenden zwei Jahren vielerlei Bücher angesammelt. Sie stammen aus Schwerins Privatbesitz oder wurden von ihm zusammengetragen. „Manchmal steht ja eine Annonce in der Zeitung, verschenke Bücher oder so.“

Viele Bücher stehen schon in Regalen, viele fristen ihr Dasein noch in Kisten. Und das wird zum Teil wohl auch so bleiben, die kleine Bücherei soll nämlich ganz zwanglos funktionieren. Und zwar so: Ab der kommenden Woche wird immer dienstags von 16 bis 17 Uhr entweder der Bürgermeister selbst oder jemand anderes vor Ort sein. Lesewillige können in den Büchern stöbern, sich welche mitnehmen oder auch welche mitbringen. „Hier wird nichts aufgeschrieben“, betont Schwerin, der alles kann, nur keine Bücher wegwerfen. Wer vor Ort in den Büchern blättern möchte, wird dafür auch einen Stuhl und Tisch finden. „Wir fangen jetzt einfach mal damit an“, so Schwerin, der gespannt ist, ob Interesse besteht. Zumindest in Gesprächen deutete sich dies bisher an.

Ein kurzer Blick ins Regal traf gestern auf die Bücher „Bitte recht freundlich“ von Ephraim Kishon, „Die 8-Wochen-Cholesterin-Kur“ von Robert E. Kowalski, auf „Tadellöser und Wolff“ von Walter Kempowski und auf „Der Ölprinz“ von Karl May. Apropos Karl May – von diesem hat sich Karlheinz Schwerin nach der Wende alle Bände geleistet. „Da habe ich mir einen Traum erfüllt, die gab‘s ja früher schlecht“, so Schwerin, der seit 1999 die Geschicke der Gemeinde lenkt. Und in dieser im Namen des Buches noch mehr vor hat.

So bemüht sich die Gemeinde Eichstedt auch um eine Bücherzelle, wie sie etwa in Klein Schwechten und bald auch in Hohenberg-Krusemark steht. In den ausrangierten Telefonzellen gilt das ähnliche Prinzip wie in der kleinen Eichstedter Bücherei: Nichts wird aufgeschrieben und es ist beinahe alles erlaubt: lesen, mitnehmen, zurückbringen oder auch nicht. Hauptsache sei doch, dass gelesen wird. Die Eichstedter Bücherzelle, mit der Schwerin für September rechnet, soll neben dem Technikzentrum stehen, da sie sich von dort aus gut mit Büchern bestücken lässt.