Rochau l Der Umsatz ist nicht das Problem, sagt Beatrix Wüst. „Man kann alleine davon leben.“ Und trotzdem hat sich die 47-Jährige dafür entschieden, das Geschäft samt Poststelle Ende Juni aufzugeben. „Aus gesundheitlichen Gründen.“ Für sie allein sei die Arbeit nämlich auf Dauer zu viel geworden. Die Rochauerin habe im Laden keine Hilfe in der Hinterhand. Der Einkauf (von zehn Zulieferern), die Buchführung, der Verkauf, alles liegt allein bei ihr. Und für einen Angestellten reiche der Umsatz dann eben doch nicht. „Das ganze Jahr arbeiten, kein Urlaub, „an den Feiertagen liege ich dann um.“ Und das könne und dürfe so nicht weitergehen. Beatrix Wüst möchte die Warnsignale ihres Körpers ernst nehmen. „Auch wenn mir die Entscheidung sehr schwer gefallen ist.“ Denn nicht nur, dass der Laden läuft – die Arbeit mache Beatrix Wüst auch Spaß, vor allem der Kontakt zu den Kunden. Diese seien vom Alter her ganz durchmischt. „Aber den Älteren ist der Konsum natürlich noch wichtiger.“

Um sie tue es Beatrix Wüst nun auch am meisten leid, „denn ihnen wird ein Stück ihrer Selbstständigkeit genommen, wenn es hier keinen Konsum mehr gibt“. Selbst wenn die Senioren jemanden haben, der woanders für sie einkauft, „man will ja auch mal selbst auswählen, die Waren vorher anfassen.“ Das kann der 88-jährige Fritz Handschke nur bestätigen. „Wenn der Konsum schließt, ist das ganz schlimm für uns“, sagte er am Montagmorgen. Im Schnitt einmal die Woche kaufe er Lebensmittel im Dorfkonsum ein. „Ich komme selbst nicht nach Osterburg. Ich habe mein Auto abgegeben, traue mir das Fahren nicht mehr zu.“ Handschke erinnert daran, dass 2017 bereits die Volksbank-Filiale schloss. Die Gemeinde konnte wenigstens erreichen, dass es jetzt noch einen Geldautomaten (nur zum Abheben) gibt. „Und dann geht auch noch die Ärztin weg“, so der Senior. Dieser wusste noch nicht, dass als Konsequenz einer Senioren-Kaffeerunde in Klein Schwechten von nun an die Möglichkeit einer Direktverbindung von Klein Schwechten oder Rochau nach Osterburg besteht. In Abstimmung mit der Stendal-Bus GmbH wird die Fahrt Nummer 10 der Linie 950 verlängert – als Rufbusfahrt. Auf Einladung von Seniorenbetreuerin Gabriele Andert war im Januar unter anderem Landrat Carsten Wulfänger (CDU) zur Kaffeerunde à la „Politik zum Anfassen“ nach Klein Schwechten gekommen. Mit gutem Resultat, wie sich Rochaus Bürgermeister Dirk Zeidler freut.

Den Dorfkonsum wird die Busverbindung aber nicht ersetzen, weswegen die Kommune nach einer Lösung sucht. „Es gibt Interessenten“, sagt Zeidler. Vielleicht könne man das Angebot auch um einen Imbiss erweitern?

Derweil denkt Beatrix Wüst noch nicht über den 30. Juni hinaus. „Erstmal alles in Ruhe abwickeln. Und dann durchatmen. Wo eine Tür schließt, öffnet sich auch wieder eine.“

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Wie geht‘s weiter mit Rochaus Konsum? Der Gemeinderat befasst sich am Mittwoch, 11. April, ab 19.30 Uhr in seiner Sitzung in der Mehrzweckhalle damit. Im öffentlichen Teil.