Walsleben l „Egal, was war, der Maibaum wurde immer aufgestellt“, wusste Tobias Hoffmann zu berichten. 1889 gegründet, feierte er im vergangenen Jahr im Rahmen des Altmärkischen Heimatfestes als frisch gewählter Wehrleiter mit seinen Kameraden das 130. Jubiläum der Walslebener Feuerwehr. Früher wurde eine Birke aus dem Wald geschlagen und dann geschmückt. Die Feuerwehr zeichnete stets verantwortlich für die Fortsetzung dieses Brauchs. Zeitweise war der Maibaum am Sportplatz und zwischenzeitlich auch in der Dorfmitte an der Hauptstraße zu bewundern. „Einmal kam sogar Nico Schulz zur Zeremonie“, erinnerte sich Hoffmann.

Nachdem ein wiederverwendbarer Stamm der Birke gewichen war, brachten die Kameraden den Maibaum viele Jahre am Sportplatz unter, wo er unter der Tribüne hing und in Vergessenheit geriet. Vor fünf Jahren etwa erinnerte Walslebens Gemeindearbeiter Bernd Verchow an den ungenutzten Maibaum. Mit frischer Farbe versehen, sollte er endlich wieder seiner Bestimmung folgen. Mittlerweile wird das zehn Meter lange Prachtstück an einem geheimen Ort verwahrt, bis er zum Einsatz kommt. Und das ist jetzt. Zum nunmehr fünften Mal in Folge seit dem neuen Anstrich.

Als die Bundeskanzlerin die letzte Verlängerung der durch das Coronavirus bedingten Einschränkungen verkündete, reagierte Tobias Hoffmann sofort. Zwar war damit klar, dass Walsleben in diesem Jahr auf das Maifest mit Kita-Auftritt und gemütlichem Beisammensein vor dem Gerätehaus verzichten müsste, aber das sollte noch lange nicht altmärkische Traditionen unterbinden dürfen. Die Meinung des Wehrleiters verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Seine Kameraden sicherten ihm zu, dass sie ihn tatkräftig und mit vorschriftsmäßiger Gesichtsmaske beim Errichten unterstützen würden. Um die Teilnehmerzahl übersichtlich zu halten, legte der 37-Jährige die Helfer fest. Punkt 10.30 Uhr packten Christian Gladigau, Bastian Gramoll, Sven Kleemeier und Lutz Klooß auf dem Festplatz vor dem Feuerwehrgerätehaus mit an. Bürgermeisterin Christine Klooß selbst steuerte Masken bei.

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Seit Mittwoch sind im Hause Klooß in Teamarbeit 30 Stück ihrer Art entstanden. „Ich wollte sie nähen, aber ausgerechnet jetzt ging unsere Nähmaschine kaputt. Und so fuhr ich mit meinem Mann nach Seehausen, wo ich auch gleich noch eine Schablone dafür bei Frau Nebrich bekam“, erzählte die Ortsbürgermeisterin. „Meine Masken haben schon Geschichte. Das sind nämlich eigentlich Taschentücher, die für meine Enkel bestimmt waren, aber ich habe nur eine Enkeltochter, und heutzutage nimmt man Papiertaschentücher. Die Söhne meiner Tochter, Finn, 8. Klasse, und Erik, 19 Jahre alt und in Magdeburg Student, können sie als Masken besser gebrauchen. Und wir auch.“ Die Aufgaben waren schnell verteilt: Ihr Mann Lutz schnitt zu und bügelte. „Ich habe genäht und oft geflucht“, gestand die Walslebenerin schmunzelnd. Dabei benötigt sie nur ein paar Minuten pro Maske. Sehr zur Freude ihrer Familie. Schon am selben Abend holte ihre Tochter Caren, die in Osterburg in der Apotheke arbeitet, die frisch genähten Masken ab. Schon zu Ostern hatten sie sich nur zugewinkt. „Und selbst wenn wir die Masken bald nicht mehr brauchen, hebe ich sie auf. Das soll uns an eine Zeit erinnern, die wir hoffentlich nicht mehr wiederbekommen“, bemerkte Christine Klooß. „Ich hoffe, das dauert nicht mehr so lange. Du hast ja noch was vor, Tobias“, gab die Bürgermeisterin den Ball zurück an den Wehrleiter und zwinkerte ihm zu.

„Ja, wir haben im Januar das Aufgebot bestellt. Hochzeit soll am 8. August sein mit ordentlichem Polterabend eine Woche vorher“, so Hoffmann. Nach zehn Jahren wilder Ehe will der Vater zweier Töchter, Pia Lotta und Ida Marta, seiner Liebsten, Claudia Marks, offiziell das Ja-Wort geben. Nur Standesamt, ohne Feier mit dem Dorf, das möchte sich Tobias Hoffmann, der außerdem aktiv in der Interessengemeinschaft Walsleben mitarbeitet, nun wirklich nicht vorstellen. Es gehe ja nicht nur um das Ehebündnis. Wenn die Gäste wegen des Versammlungsverbotes nicht kommen dürfen, ist es eben keine richtige Hochzeit.

„Wir warten ab und sind optimistisch. Ich bin guter Dinge, das lockert sich noch“, bemerkte Hoffmann in Richtung Klooß, „erst mal kommt der Pfingstochse. Der ist ja ganz von Birke umgeben. Dagegen kann kein Mensch was haben. Wir behalten in Walsleben jedenfalls unsere Traditionen bei.“ „Und wir hoffen, dass sich die Lage bis Pfingsten entspannt“, so die Bürgermeisterin. Bis zum traditionellen Pfingstturnier sind es schließlich noch ein paar Wochen.