Osterburg l Als Mitglied des Stendaler Kreistages wird Nico Schulz am Donnerstag, 17. Dezember, über den Antrag der Schüler, Eltern und Lehrer des Lernortes mitentscheiden. Wie, daraus macht der Osterburger Bürgermeister kein Geheimnis. „Wie bei der Entscheidung über den ersten Antrag im Februar stimme ich gegen eine Umwandlung. Mich hat das Konzept für eine Osterburger Gemeinschaftsschule damals nicht überzeugt. Und das tut das im Vergleich zum ersten Antrag quasi unverändert gebliebene Papier auch heute nicht“, sagte er. Daran ändere auch nichts, dass Fachleute aus dem Staatlichen Schulamt und dem Magdeburger Kultusminiserium das Konzept loben und dass sich auch der Stendaler Kreiselternrat eindeutig für eine Weiterentwicklung der Osterburger Lernstätte ausgesprochen hat.

Schulz bleibt bei seinem Nein zur Gemeinschaftsschule, stattdessen will er das Modell der Sekundarschule gestärkt sehen. Obgleich er in den zurückliegenden Monaten in diesem Sinne bereits beim Ministerpräsidenten intervenierte und seine Bemühungen für eine besser gestellte Sekundarschule bislang ergebnislos im Sande verliefen, rückt der Bürgermeister von diesem Anliegen nicht ab. Seine Hoffnungen verbindet er mit seiner Partei. Sachsen-Anhalts Christdemokraten hätten die Stärkung des gegliederten Schulsystems als ein zentrales Thema für ihren Landtagswahlkampf ausgerufen. „Das ist für die CDU ein dringliches Anliegen. Es wird sogar darüber nachgedacht, die heutige Sekundarschule in Oberschule umzubenennen, weil die bisherige Bezeichnung verbrannt ist“, sagte der Bürgermeister. Und weiter: Wird die Sekundarschule gestärkt, dürfte die anvisierte Gleichstellung mit dem Gemeinschaftsmodell dafür sorgen, dass der Osterburger Lernort keine Schüler mehr an die Nachbarschaft verliert.

Schulz macht dabei nicht unruhig, dass das Landratsamt bei seiner Argumentation gegen eine Gemeinschaftsschule in Osterburg mit Prognosen von stark zurückgehenden Schülerzahlen in der Karl-Marx-Schule operiert. Werden dort derzeit rund 260 Kinder und Jugendliche unterrichtet, rechnet der Kreis für 2025/26 noch mit 182 Schülern. Mit dieser Zahl wäre die nach aktuellen Verordnungen für eine Gemeinschaftsschule geforderte Zweizügigkeit in Gefahr und im Unterrichtsjahr darauf wohl nicht mehr gegeben. Diese Einschätzung lässt bei Befürwortern des Modellwechsels sogar Befürchtungen um den Schulstandort an sich aufkommen, Nico Schulz teilt sie nicht. „Während bei der Gemeinschaftsschule die Mindestschülerzahl bei 180 liegt, steht sie bei Sekundarschulen bei 120. Da sind wir auch in neun Jahren und nach den Prognosen aus Stendal noch sehr weit weg.“

Generell sieht Nico Schulz den Bildungsort Osterburg gut aufgestellt. „Von der Grundschule bis zum Gymnasium und der Förderschule haben wir bei uns alle Schulformen.“ Eine Gemeinschaftsschule in Osterburg würde diese Struktur womöglich sogar gefährden, sagte Schulz. So sei denkbar, dass dieses Modell mit seinem besonders ausgesprägten Inklusions-Anspruch Kinder und Jugendliche aus der Förderschule abziehen würde. Nicht zuletzt könnte eine Gemeinschaftsschule das Markgraf-Albrecht-Gymnasium in Frage stellen, sagte der Bürgermeister. Schulz verwies dabei auf Äußerungen von Birke Bull. Sachsen-Anhalts Linken-Chefin hatte Anfang Dezember die Überlegungen ihrer Partei publik gemacht, nach denen Kommunen die Möglichkeit bekommen sollen, das Gymnasium durch eine Gemeinschaftsschule zu ersetzen. Nach geltender Rechtslage sind die Landkreise verpflichtet, die Schulform Gymnasium anzubieten