Wanzer l Mit dem Wiederaufbau der Martenmühle trat der örtliche Windmühlen- und Heimatverein zur Jahrtausendwende an, die Geschichte rund ums Getreidemahlen wach zu halten. Davon konnten sich wieder hunderte Gäste zu Pfingstmontag überzeugen. Altmärker, aber vor allem auch Niedersachsen und Prignitzer gaben sich auf dem Festgelände um die Kirche und auf den Nebenschauplätzen die sprichwörtliche Klinke in die Hand, um einen schönen Mühlen-Tag zu verleben, für dessen Gelingen Petrus viel Sonne in den Norden des Landkreises Stendal geschickt hatte.

Gäste werden verwöhnt

Außer beim Wetter waren die Gastgeber um Vereinsvorsitzenden Jonny Buck aus der Erfahrung der vergangenen Jahre indes so gut gerüstet, dass sie nichts dem Zufall überließen. Für den Auftakt sorgte einmal mehr das Kindertheater unter der Leitung von Edelgard Paulicks. Die Laienspielgruppe hatte „Rotkäppchen“ einstudiert. Beim zweiten Auftritt holte die Regisseurin das Stück mit kurzem Zwischenspiel in die Jetztzeit und erklärte augenzwinkernd, wie unvereinbar das Grimm-Märchen mit dem aktuellen Wolfsschutz ist.

Später sorgten die Löcknitztaler Musikanten auf der Bühne für gediegene Unterhaltung, zu der Kaffee und Erfrischungen von der Bar, Pizza und Kuchen aus dem Mühlenbackofen oder Schwein am Spieß, Grillwürste, Eis, Naschwerk und anderes mehr bestens mundeten. Denn wer Pfingstmontag den Weg nach Wanzer findet, tut das auch, um sich kulinarisch verwöhnen zu lassen.

Bilder

Dafür, dass die Seele nicht zu kurz kam, sorgte unter anderem Autorin Sibylle Sperrling, die ihren altmärkischen Reiseführer „In the Middle of Nüscht“ vorstellte. Dazu hatte die Kunstscheune von Anne Rose und Gerd Bekker die Türen geöffnet. Christina und Bernd Kloss luden ein, die Räume eines fantasievoll gestalteten aber trotzdem naturnahen Gartens hinter ihrem sanierten Fachwerkhaus zu entdecken. Der Verein hatte das Heimatmuseum in der alten Schule geöffnet. Und selbstverständlich konnten die Besucher die steile Treppe zur Bockwindmühle erklimmen, sich die historische Technik erklären und aus luftiger Höhe einen Blick über die Garbe schweifen lassen.

Wasser gegen Plagegeister

Das größte Problem der Windmühlen- und Heimatfreunde war in diesem Jahr der Eichenprozessionsspinner. Immerhin zieren drei Eichen den Festplatz zwischen Kirche und Schule, die wie viele ihrer Artgenossen in der Region von den Faltern und deren Raupen nicht verschont bleiben. Die alten Bäume, die einst gekröpft wurden, um große, Schatten spendende Kronen zu entwickeln, wurden in diesem Frühjahr zwar auch behandelt. Der Erfolg hielt sich aber wohl auch wegen des Mittels in Grenzen, vermutet Jonny Buck. Noch am Vorabend des Mühlentages wirbelten Feuerwehrleute, Heimatfreunde und Helfer, um das Laub mit einem scharfen Strahl von den Plagegeistern und deren Gespinnsten zu befreien, die Überreste am Boden penibel zusammenzufegen und zu entsorgen. Dazu wurde das Festgelände gründlich gewässert, damit der Wind nichts aufwirbeln konnte. Und, so wie es aussah, ist die Taktik zumindest für diesen Tag aufgegangen. Aber das Gelände wird auch nach dem Mühlenfest genutzt. Und vor allem Kinder besuchen das Heimatmuseum gern.